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Da kamen viel fremde Recken; ihnen gab ihre
Hand,
Dass man so grosse Milde nimmermehr geseh'n;
Sie pflogen vieler grossen Tugend, das musste man
denBrüdern gesteh'n.
Den Armen und den Reichen begannen sie da zu
geben,
Dass man anfing zu sorgen, ob man sie sollte lassen
leben.
Da sie durch ihre Güte so manchen Mannen,
Der den Königen schadete, für ihren Dienst
gewannen.
Egon-Hagen sprach zu dem König: Es sollte ein
weiser Mann
So grosse Schätze nimmer Einem Einzigen lân;
Der bringt es mit seinem Gelde sicher noch zu dem
Tag,
Dass es wohl gereuen die stolzen Burgunden mag.
Und nun schützten keine Eide des Erbes sichre
Hut,
Sie nahmen Dankmar'n das viel kräft'ge Gut,
Egon sich der Schlüssel aller unterwand,
Sodass der König sogar zürnte, als er das geschehen
fand.
Der König sogar sagte viel lieber: Eh' Wir immer
Müh' und Pein
Haben mit dem Golde, sollten Wir's lieber in den
Rhein
Alles heissen senken, dass sein Niemand hat
Gewinn!
Da geschah es auch also, dass sie gingen zum
Rheine hin.
Und wie nun der grimme Egon den Hort im Rheine
barg,
Hatten die Könige sich gelobet, mit Eiden also
stark:
Dass er wohl verhohlen bliebe, so lang ihrer Einer
möchte' leben.
So konnten sie sich selber und keinem Andern ihn
geben.
Gegen Ende Mai war es dem nun erst recht in Aufregung gekommenen Gefangenen in einer Nacht, als hörte er ein sonst ungewöhnliches Geräusch. Es kam von der Verbindungstür eines Vorplatzes seines Gefängnisses mit einem grossen von Militairposten bewachten Korridor her. Dankmar glaubte, als er deutlich die Zeichen zu unterscheiden anfing, die sonst den Besuchen des Kerkermeisters, des Richters oder Oleander's vorherzugehen pflegten, an einen Irrtum in der Zeit. Es war ihm oft genug schon geschehen, dass ihm Tag und Nacht zusammenrannen und er in der im Winter dunklen Zelle Eins mit dem Andern verwechselte. Aber ein blick an die Öffnung, die hoch oben am Ende einer in die Mauer gehenden Rundung einen Lichtschimmer zeigte, bewies ihm die Nacht, denn dieser Schimmer kam von den grellen Gaslampen des Korridors, auf den diese Fenster engvergittert hinausgingen. Plötzlich erlosch draussen das Gaslicht. Sein Zimmer war dunkel. Er stand auf, machte sich Licht. Und zugleich war es ihm, als suchte im Korridor Jemand den Schlüssel, der zu den Einlässen führte, und erprobte bald diesen, bald jenen. Brachte Dankmar die Dunkelheit, die auf dem Korridor eingetreten sein musste, mit dieser unsichern Kenntniss der Örtlichkeit in Verbindung, so musste die Ahnung gerechtfertigt erscheinen, die ihn plötzlich überfiel, ob nicht irgend eine böse Absicht sich ihm nähere, irgend ein ungesetzlicher Befehl oder wohl gar – sein blick fiel in diesem Moment auf ein Portefeuille, in dem er eine ihm neuerdings zugestandene Summe von mindestens mehreren hundert Talern aufbewahrt hielt. Wenn es unter dem Schutze der gesetz, unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit auf diesen Besitz wäre abgesehen gewesen? Sein Verdacht verliess ihn, als er in der Tat die Vorplatztür geöffnet hörte und in der tiefen nächtlichen Stille das Knirschen des Sandes unter dem Fusstritte eines sich Nähernden unterscheiden konnte. Jetzt glaubte er auf's Neue an einen Irrtum in der Zeit und sah auf seine Uhr. Aber sie zeigte Eins. Er hielt die Uhr gegen das Ohr, sie ging. Es war Eins in der Nacht. Man holt dich, um dich in irgend ein anderes gefängnis abzuführen; diese Zelle bietet nicht Sicherheit genug oder man hat sie einem Andern bestimmt, da man glaubt, dass ich nun erst recht nicht entweiche ohne das Erbe ... Aber diese mit Beklommenheit angestellten und von der Vorstellung, es wäre wohl ein Traum, was er erlebe, unterbrochenen Vermutungen steigerten sich zur fieberhaftesten Unruhe, als wiederum jetzt an der zweiten Tür mit Vorsicht ein Schlüssel nach dem andern erprobt wurde wie aus einem grossen Vorrate von Schlüsseln. Das war der Gefangenwärter nicht! Dieser konnte selbst in nächtlicher Verschlafenheit nicht unsicher sein in der Wahl des rechten Schlüssels. Und da diese Versuche nicht endeten, eine stille, fast geisterhafte Hand an dem Schlüsselloche immer mit neuen Schlüsselbärten kratzte und wenn sie eingingen, vergebens an den Federn drückte, so konnte er entweder nur an Befreiung oder an einen bösen Überfall denken. Was sollte er tun? War es ein Befreier, wie konnte Dankmar da in der Besorgniss eines Überfalls rufen, das Werk fremden Mutes, vielleicht einen Auftrag des Bundes zerstören! Und doch sammelte die Brust von dem stockenden Atem so viel Spannung, dass ein Schrei nach der Öffnung des Fensters zu, ein donnerndes: Wer da! schon auf seinen Lippen schwebte. Dankmar wagte ihn nicht aus Befangenheit. Er konnte nicht an ein Verbrechen glauben. Der Gedanke der Befreiung erfüllte ihn plötzlich mit einem so aufwallenden Lebensmute, dass er sich wohl für den Fall des Irrtums vorzusehen beschloss, sich aber auch auf den Empfang jedes bessern Besuches von Herzen rüstete. Das Licht stellte er entfernt, um es vor dem Auslöschen zu schützen. Er ergriff den hölzernen Schemel, auf dem er sass, steckte das Portefeuille in seine Brust und wandte sich eben zur Verteidigung gerüstet gegen das unheimliche Walten der Tür, als diese aufsprang und im fahlen Dämmerlichte ein Mensch vor Dankmar stand, den in diesem Augenblicke wiederzusehen ihm das Haar emporsträuben musste. Es war Friedrich Zeck's Sohn.
Hackert! rief Dankmar, und