, da hätte sie wollen wahnsinnig werden, sterben, hätte ein Kloster gesucht, aber – an der Hand des Teufels. Selma erzählte, dass Olga sich selbst gemalt hätte auf wilder Alpenhöhe, als Pilgerin herabblickend zu einem Kloster im Tale und der Teufel hätte ihr die Stufen gezeigt, die sie hätte betreten sollen, um hinüber zu kommen zu dem lockenden Glöcklein im Tale. Da hätte sie denn Rudhard ergriffen, gerettet vom Wahnsinn. Einer toten gleich wäre sie nach Tempelheide zurückgekommen und Selma erst hätte sie zum Leben, wie es ist, geweckt, sie an Siegbert Wildungen wieder glauben gelehrt, den sie liebe, aber wie einen Verlornen. Olga Wäsämskoi, obgleich eine Fürstentochter, würde sich zur Königin erhoben fühlen durch die Liebe eines Künstlers und nie, nie würde man von Olga etwas Anderes vernehmen, als dass sie die Liebe selbst wäre und das Abbild der Treue. Und Siegbert schweige und täte nichts und liesse Alles schlummern!
Oleander, Siegbert's Freund, billigte Siegbert's Handeln. Oleander hatte sich recht in diesen Bund verloren. Er sprach nie von Siegbert, wenn er in Tempelheide war und Olga seine Lehren mit denen Rudhard's verglich. Siegbert konnte ja nicht, wollte ja nicht, dass diese leidenschaft durch ihn genährt wurde! Er war zu selbstbeherrschend, Rudharden zu sehr verpflichtet. Er hatte sich von Brüssel, wo die Fürstin weilte, wohl ferne gehalten, aber auch nichts getan, was den Plan, aus Olga zuletzt doch die Baronin Dystra zu machen, stören konnte. Olga sah darin Schwäche, geringen Lebensmut, das einzige Unpoetische an Siegbert. Sie liess sich einmal ihre Welt nicht nehmen und Oleander legte, ob er gleich wie Siegbert dachte, doch ihren Empfindungen gern Gedichte unter, die er Dankmarn vorlas, wie dieses:
O lasst mich zieh'n, ich kenne meine Strasse!
Was frag' ich viel! Ihr wisst nur was Ihr wisst!
Von Eurer Liebe nicht, von Eurem Hasse
Lern' ich den Weg, der mir der rechte ist!
Die Pappeln und die Weiden lass' ich Andern!
Mir duften Blumen nicht, im Staub ergraut!
Und muss ich über Strom und Felsen wandern,
Will ich die Brücken nicht, die Ihr gebaut!
Am Rand der Alpen, wo die Gletscher ragen,
Ward meinem Herzen gross und weltenweit!
Da will ich Adler, will die Gemsen fragen:
Wo geht der Weg zur ew'gegen Einsamkeit?
Dankmar freilich, in seinem unverwüstlichen Humor, sagte, er sähe doch, dass Siegbert sich noch einmal Mut fasse und zu den Adlern und Gemsen nachklettere. Ich wünsch' es dir, rief er aus, Siegbert! Olga würde deine Phantasie werden! Olga! Das ist die Königin der Kunst im Strahlenglanz, der dir gefehlt hat, guter Bruder! Dies Mädchen würde dich umschweben wie ein ewiges Madonnenbild, selbst wenn sie eine Langschläferin wäre und Morgens Federn in den Haaren hätte! Denn, bester Oleander, darauf kommt es an, dass eine Frau eine Göttin bleibt, auch wenn sie unsre Strümpfe stopft! Siegbert, diese Olga wird als dein Weib vielleicht in niedergetretenen Hausschuhen, etwas salopp in ihrem Negligé, mit ungeordnetem Haar in der römischen Villa walten, die das Ziel deiner Wünsche ist, aber sie würde immer eine Hebe, eine Psyche sein, immer die Poesie selbst und deine wahre Erhebung, Bruder, auch wenn Ihr Schulden hättet und Eure Kinder halb nackt mit den Gänsen im hof um die Wette schrieen. Ja, ja, so käm' es! Wenn man Euch besuchte, würde kein Stuhl zu haben sein. Da liegen deine Kleider, dort die Nähtereien der Frau, hier die Spielsachen der Kinder, Alles ist voll Farbe, voll Zeichnungen, voll poetischen Schmuzes, aber deine Bilder werden genial sein, dein Weib wird dich den Mut lehren, an die Götter der Schönheit und der Liebe zu glauben! Sie wird uns lachen machen, wenn es heisst, sie ginge selbst in die Küche und sorgte für Salat mit Eiern und holte den Wein aus dem Keller, aber wenn sie käme im blauen oder roten Gewande, wie eine junge Römerin, wenn sie den Krug erhöbe mit schöngerundetem Arm und den Wein uns in die Gläser gösse, die wir uns inzwischen selber ausgewaschen haben, dann, Bruder, würde' es doch ein Bild zum Malen werden und wir selber würden mitten in dem Rahmen von Epheu, Myrten und am Fenster zum Trocknen hängenden Kinderwindeln uns schön erscheinen durch Olga, dein poetisches Weib!
Aber Siegbert's Briefe sprachen nicht von Olga. Es kamen viel Briefe an Dankmar von Siegbert aus Antwerpen, von Leidenfrost vom Tempelstein, von Werdeck aus Paris, von Louis Armand bald da- bald dorter. Dankmar lebte im lebendigsten Verkehr. Auch Dystra schrieb und sprach von seinen Bauten und dem entscheidenden Ja oder Nein! das zwischen ihm und Siegbert wählen sollte, wenn die Ritter vom geist zum ersten Male in seiner Tempelabtei im wald tagen oder turneien würden ... Oleander lächelte über die Teilnahme eines Dilettanten, der sich durch sein Vermögen und seine Bizarrerie über die üble Nachrede der vornehmen Welt hinwegsetzte und seit dem glücklichen Verkaufe seiner Güter in Russland vor der Macht des Czaren geborgen war ... aber Dankmar rief aus:
O wär' ich frei, frei!
Oleander riet zu einem Worte mit Egon von Hohenberg. Er wollte selbst zu ihm gehen, er wisse, dass er einer Erörterung zugänglich wäre