Das ist der Mantel, in den sich ein Freund Fortunatus hüllen muss! Sein Seckel! Sein Seckel! Mit dem davon! Der Kerl allein verlohnt sich der Mühe nicht.
Das Mädchen verstand nicht, wie sie diese an sich wahren und durch ihr mächtiges Gewicht erdrückenden Worte deuten sollte ... aber was sollte sie sagen, als Hackert ruhig eine Cigarre zog, ein Streichfeuerzeug aus der tasche nahm, die Cigarre sich anzündete und sagte:
Die Million! Allenfalls auch Dankmar! Wir brauchen keine Feilen. Ich weiss, bei Wem die Schlüssel hängen und wünsche nur, dass in der Nacht, wo wir's machen wollen, nicht die Katzen zu verliebt schreien.
Hackert! rief Louise ausser sich vor Erstaunen.
Nun ja, sagte Hackert, so wird's doch endlich recht sein! Soll mir der grosse bucklige Kerl immer zuvor trotten? Danebrand stiehlt Dankmar'n, ich stehle die Million und Louise gibt mir den ersten ordentlichen Kuss, bei dem ich die Uhr ziehe und zählen darf: Fünf Minuten! Was?
Louise hatte sich schon aus freiem Triebe an Hakkert's Brust werfen wollen, aber das Wort: Ich stehle die Million! erinnerte wie mit einem Schlage an die Erscheinung, wie wenn an einer Stelle im Gebirge, wo von den Felsen nur gering das wasser tröpfelt, eine plötzlich gehobene, unsichtbare Schleuse einen Wasserstrom in majestätischem Sturze niederdonnern lässt, nur umgekehrt! Hier staute plötzlich der volle Strom und wie im Nu waren die brausenden Gewässer zum unheimlichen Schweigen gebracht. Oder wie im Dunkeln an der Wand Nachts ein suchender und unverhofft anprallender Schädel, so stand Louise getroffen. Sie wusste nicht, was sie gehört hatte. Sie kannte die Wichtigkeit jener Erbschaft. Sie wusste, dass sie den Brüdern vorentalten wurde. Sie begriff, dass Hackert in der Lage war, die einzige hier mögliche hülfe zu bieten und dass Dankmar's Flucht ohne jenes Geld jetzt von geringer Bedeutung scheinen durfte. Aber das Wort: Die Million stehl' ich! verglichen mit Dem, der es sprach, mit der Art, wie es Hackert sprach, war wie der Einschlag eines Blitzes. Der Gedanke, dass seine Teilnahme eine Maske, seine wahre Absicht ein Verbrechen war, das seiner Absicht nach dann auf sie, auf Danebrand fallen sollte, lähmte ihr die Zunge. Ein blick, wie die funkelnde Spitze eines Speers fiel aus ihrem Auge auf Hackert. Sie durchbohrte ihn.
Der Spion erschrak, stutzte, besann sich und verstand erst allmälig diesen blick. Jetzt schlug er die Augen nieder. Er dachte an jene Sonntagsfrühe bei Schlurck. Er sah, dass man sein Wort misverstanden, sein Anerbieten verdächtig gefunden, und so überwältigend wirkte auf ihn die Vorstellung dieses ewigen Mistrauens in seine Ehrlichkeit, dass er mit dem Ausrufe: Nun soll mich Gott verdammen! die glühende Cigarre von sich warf, das Feuerzeug hinschleuderte, den schon ergriffenen Hut mit Füssen trat und mit einer Blässe, die ihn von der Weisse der Wand kaum unterscheiden liess, in dem nächsten Sessel niedersank.
Louise sah diesen Schmerz, diesen Krampf, verstand ihn und rief:
Hackert, nein! Ich glaube ja!
Er hörte nicht. Sie trat zu ihm heran, ergriff zitternd seine kalte Hand, sprach ihm die mildesten, sanftesten Worte der Tröstung und gab ihm damit einen so wehmütigen Schauer seiner Empfindungen, wie ihn seit dem Tage nicht überrieselt hatte, als man den Bruder dieses edlen Mädchens in den winterlichen Schooss der Erde senkte ... Die Tür ging auf ... Friedrich Zeck, sein Vater, trat ein, betrachtete die Scene, staunte, forschte und fragte:
Ihr scheint über Etwas einig zu sein?
Wir sind es, Papa Murray! sagte Louise, nahm ihren Hut, nannte noch einmal den Pelikan als ihre Adresse und liess Vater und Sohn in einer rätselhaften Spannung zurück, die um so heilsamer auf letzteren wirkte, je weniger er angegangen wurde, sich auszusprechen und durch Worte zu erklären, was als eine fast bewusstlose Stimmung, als ein Unausgesprochenes und wie durch Offenbarung Gekommenes nun in ihm bebte. Es gibt eine gehobene Stimmung im Menschen, schon die ihm sein kann, wie der Tod.
Willst du sie heiraten, Junge? sagte der Vater scherzend, so denke' ich, werde' ich dich anständig aussteuern können!
Hackert blickte über diese Vermutung zur Erde und sagte nur, sie wären noch nicht – aufgeboten, – was freilich auch bei den Spähern in diesem haus nicht nötig wäre. Er wollte gleich einmal hören, was Frau Mullrich unten aus dieser Kaffeevisite für Geschichten prophezeie!
Damit ging er und liess den Vater in Zweifeln, Befürchtungen und Hoffnungen zurück, die er sich aus dem Benehmen seines Sohnes und Louisen's schneller Entfernung nicht enträtseln konnte.
Zehntes Capitel
Bewähr
Dreissig Wochen und mehr schon sass Dankmar unmutsvoll und in sich selbst versunken im Kerker. Was des Zufalls Gunst ihm überraschend genug wie einen goldnen Regen und wundergleich wie aus der kahlen Decke der Mauer, die sich über ihm wölbte, herniederströmen liess, den Gewinn des altergrauen Rechtshandels ... er nahm ihn einige Tage hin wie das Seltsamste und Trostreichste, was ihm in dieser Lage grade hätte kommen können; aber wie bald gewöhnt man sich nicht grade auch an das Glück und verbirgt seine Freude grade da auch sogleich hinter den Sorgen, die das Glück in seinem Gefolge hat! Man will Den, der ein Glück gewonnen, mit allen Bezeugungen unsrer