ihm Fürst Egon zum Dank für die so umfassend angeordnete Wiederherstellung seines Kredits durch die unverhohlene Absicht lohne, sich aller seiner Güter zu entäussern! Seine Bemühungen, die zehn Jahre lang allerdings an sich nicht gestört werden durften, sollten durch einen Verkauf zum Nutzen irgend eines Andern, wahrscheinlich des Bankiers von Reichmeier, ein für alle Mal abgeschnitten werden! ... Oleander'n schrieben Siegbert, Louis Armand, Leidenfrost unausgesetzt. Dankmar's versuchte Befreiung war eigentlich eine Bewähr der gegenseitigen hülfe, die in den Satzungen der Ritter vom geist gefordert war. Gelbsattel, Voland, die Wundergläubigen oder Wunderbedürftigen, die Sternenseher am Tage, die Eulen im Sonnenglanz warteten auf diese Befreiung des neuen Propheten wie einst die Juden auf die Wunder des Heilandes. Sie wollten Zeichen sehen, ehe sie glaubten. Aber man kam dem Wunder darum doch nicht entgegen, man mehrte die Zahl der Riegel und Schlösser, man wollte wohl, wie einst Egon am hof über Voland's Koketterie des Stillstandes mit der Bewegung bitterlächelnd sagte, man wollte wohl "der Zauberkünste stärkste Proben." Endlich, als Murray die Vollendung seiner Platten durch den gelungensten Druck gekrönt sah, als man in den Schränken der Gerichtskasse auf dem Profossamte sie niederlegte und er von seinem Sohne des Spottes genug über den Magierstab eines Bosco, den er nun dem Gefangenen wünsche, hören musste, war ihm, als merkte er hier und da die Annäherung eines endlichen Versuches, Dankmar Wildungen die ihm so hartnäckig vorentaltene Freiheit wiederzugeben. Friedrich Zeck war erstaunt, eines Tages in seiner wohnung einen unerwarteten Besuch zu finden. Es war im monat Mai. Er glaubte zu träumen, als er auf derselben Galerie, auf die er sich, wie sonst, an dem glatten Stricke "hinaufleierte" von einem freundlichen Grusse bewillkommt wurde und Louise Eisold, seine frühere junge Wirtin es war, die ihm ein herzliches Guten Tag! Guten Tag! entgegenrief. Der Diamant, den er ihr einst für ein reines Glas wasser geschenkt hatte, funkelte an ihrer Hand, aber blitzender noch leuchtete ihr Auge, als sie ihm wiederholt: Vater Murray! Vater Murray! kennen Sie mich noch? zurief und er, als er endlich oben war und seine gleichgefasste Vermutung bestätigt fand, obenein sich noch stürmisch umarmt fühlte und von dem liebevollsten Kuss begrüsst.
Neuntes Capitel
Knappen und Laienbrüder
Louise Eisold kam von Buchau, wo ihre Geschwister vom Inspektor Mangold wie seine Kinder erzogen wurden, während sie selbst versucht hatte, dem nahegelegenen Tempelstein und seinem Wiederaufbau, besonders aber der Bequemlichkeit des einstweilen in der Nähe angesiedelten Dystra, von Nutzen zu sein. Dem Bande der Ehe, das sie mit Mangold umschlingen sollte, hatte sie sich entwunden, aber sie war dem treuen mann ein tägliches Wallfahrtsbild, zu dem er pilgern musste, wenn sein Tag der rechten Weihe nicht entbehren sollte. Das reizend gelegene Schloss Buchau war auf eine Stunde Weges von einem Flecken entfernt, wo Dystra ein Gastaus schnell in eine anmutige Villa hatte umwandeln lassen und sich an dem zauberhaft schnellen Aufsteigen seines grossen Tempelsteinbaues erfreute; ja er sagte oft, wenn er rastlos mit den Architekten und Werkmeistern gearbeitet hatte: Ich verstehe jetzt das Sprüchwort, dass man seinen Tod verrate, wenn man zu bauen anfange. Es wird mir ganz ägyptisch rätselhaft zu Mute und wenn ich meine Pyramiden aufsteigen und dann in einen Spiegel sehe, möchte' ich schwören, dass ich schon zur kompletten Mumie und Museumsmerkwürdigkeit zusammenschrumpfe, ehe ich noch Olga in diesen Tempel einführe.
Louise Eisold gab Zeck keine klare Auskunft über den Grund ihrer Anwesenheit in der Residenz. Seit andertalb Jahren war sie entfernt gewesen. Sie sprach von dem grab ihres Bruders, das sie besucht und wie von unsichtbaren Engelshänden mit den frischesten Blumen geschmückt gefunden hätte. Sie sprach von einer Unsumme von Aufträgen, die sie für Mangold und Dystra auszuführen hätte, von Einkäufen und Bestellungen aller Art. Sie erwähnte Tempelheide, wo sie schon bei den jungen Damen, auch der trauernden und weinenden Selma Rodewald, gewesen wäre. So kam sie auf Dankmar Wildungen, auf Hakkert endlich und fragte Murray:
Sehen Sie Hackert noch? Besucht er Sie oft? Ist er wohl? Dient er noch dem abscheulichen Pax?
Friedrich Zeck kannte seines Sohnes achtung vor diesem einzigen Mädchen. Er hätte ihr gern gesagt, dass sie einen wiedergebornen, neuen Menschen in ihm finden würde. Doch musst' er die Wahrheit ehren und erwidern:
Sein Bestes ist ein Schimmer von Dankbarkeit. Er spricht mit Wärme von Ihnen.
Louise verfiel über dies Wort in Nachdenken. Eine sichtliche Unruhe sogar suchte sie hinter Rückblicken auf die Vergangenheit zu verbergen. Sie betrachtete die Wände dieser wohnung, in der ihr so viel Leidvolles einst begegnet war! Wie sie sich selbst diesem alten, ihr so liebgewesenen armen Hausrate gegenüber verändert hatte, sah sie an dem kleinen Spiegel, der auch noch von ihrer früheren Zeit geblieben. Wie warf er ihr jetzt ein so braunes sonnenverbranntes Antlitz entgegen gegen das frühere kreideweisse, stubenbleiche! Murray rühmte ihr Aussehen und glaubte ihr den überraschendsten Eindruck versprechen zu dürfen, den sie auf Hackert machen würde, der ihn oft besuche und die anhänglichkeit an diese alten Wände behalten hätte.
Murray erzählte, was Louisen von seinem Leben wertvoll sein konnte. Über Fränzchen Heunisch war sie unterrichteter als er. Ja er erkannte sehr bald, dass irgend etwas auf ihrer Brust lag. Sie sprach wohl von dem Ausbau des Tempelsteines, von den Tausenden, die Dystra an dies Wunderwerk verschwende,