so eine Platte ansehen muss wie eine Tigerkatze in der Menagerie, die ihr Fleisch vor sich liegen hat und nicht fressen darf, weil der Wärter die Gabel drauf hält? Vater, wir sollten Geld machen! Aber Das hülfe uns nichts. Wenn wir's hätten, bliebst du hier doch auf 86 und verheiratet'st dich mit der Brandgasse und brächtest mit deinem wohltätigen Siebschöpfen mein Erbe durch. Nur gut, dass die Landkarte hier bald gesprengt wird! Pulver müssen sie dazu nehmen, wenn die Brandgasse in die Luft springen soll, tausend Centner Minenpulver! Das wird eine Bescheerung geben, wenn einmal die Dächer hier herunterfliegen und nichts übrig bleibt als ein paar alte Hausschlüssel von Frau Mullrich und die Nachttöpfe von Madame Klapperfuss. Die unausgelösten Pfandzettel, die hier herumliegen, geben allein schon ein Feuerwerk für nächsten Königsgeburtstag. Wie lange dauert denn die Million, bis sie fertig ist?
Zeck war an seinem Sohne diese Ausbrüche von Schadenfreude gewöhnt. Sie mit Gewalt in ihm zu zerstören, wagte er nicht; denn bei jedem Gedanken, das Recht des Vaters anzuwenden und seinen Sohn die Übermacht eines reinen Herzens empfinden zu lassen, kam ihm die Erinnerung an die Folgen des Tages mit Auguste Ludmer. Er begnügte sich auch jetzt, lächelnd zu erwidern:
Wir werden gegen Ostern fertig sein ...
Auch mit dem Druck? fragte Hackert.
Grade mit dem Druck. Ich steche sechs Wochen an dieser Platte, dann zwölf an den grösseren, der Druck ist langsam, da er kontrolirt wird und für jedes Blatt eine neue Nummer gesetzt werden muss ...
Mit Ausnahme der Zwanziger und Funfziger?
Die wieder ihre eigne Reihenfolge haben ... ich will wünschen, dass der Empfänger dann auf freien Fuss gestellt ist ...
Das könnte leicht fehlgehen. Aber Siegbert ist der älteste ... er hat die Vorhand ...
Als Flüchtling? Ich glaube nicht, dass man Jemanden, der in Untersuchung ist, eine Erbschaft auszahlt ...
Das müsste Schlurck wissen ...
Hackert kam auf sein Steckenpferd, das Rühmen und Preisen der Kenntnisse seines Pflegevaters ... Murray liess ihn reden. Er wusste, dass dem Menschen nichts förderlicher ist, als sich gegenständlich zu machen. Er hatte den ganzen Entwickelungsgang seines Sohnes vor sich liegen, kannte auch seine Beziehung zur jetzigen Fürstin Hohenberg und hoffte auf Krisen, wo sich im menschlichen Gemüte Gut und Böse in Kampf setzt und Eins ausgeschieden werden muss. dafür, dass das schlimme Element in Hackert nicht die ausschliessliche Oberherrschaft gewann, glaubte er gesichert zu sein und wär' es nur die dazwischen tretende anhänglichkeit des Sohnes an den Vater und die Spannung, in der er ihn über seine Mutter erhielt, die einen Wall gegen das Böse abgaben. Um diesen Wall in Verteidigungszustand zu erhalten, musste Zeck nur sorge tragen, dass ihn der Sohn nicht zu sich herabzog. Denn darauf legte es Hackert an. Durch Spässe, Schilderungen, Vertraulichkeiten hoffte er, die sittliche Grenzwand zwischen sich und dem Vater nicht selten niederzureissen. Aber Zeck war in einem solchen Augenblicke wie taub oder er nahm die Bibel und las so lange laut in ihr, bis Hackert erst vor unaufhörlichem lachen darüber zum Ärger kam, dann mit dem fuss stampfend vom Ärger zur boshaften Parodie, zuletzt zum Schweigen und, wenn der Vater doch nicht aufhörte, in aller Stille sich von seinem Zimmer entfernte ... Diesen Geistern absoluter Verneinung imponirt bekanntlich Nichts so sehr als die Konsequenz.
In der Tat zog sich das Verfahren gegen Dankmar in die Länge. Entweder hatte man die Vorstellung eines grossen Gewinnes, wenn man sich seines unternehmenden, jetzt ohnehin gereizten Wagemutes versicherte oder man besorgte vollends, dass die Brüder, wenn sie die von ihnen erworbenen Mittel zu freier Verwaltung erhielten, dem Gemeinwesen unberechenbare Gefahren bringen würden. Die Weigerung Dankmar's, sich über die von ihm gestiftete "Verschwörung" auszulassen, seine absichtliche aber aufrichtige Erklärung, dass er die Mitglieder derselben nicht kenne, zogen die Verhöre in die Länge. Man fand im täglichen Volksleben immer neue Tatsachen, denen man eine Verbindung mit der grossen Verschwörung zurechnete. Der Fürst von Hohenberg an sich war allen diesen Prozeduren fern. Er konnte weder gegen den Lauf der Gerechtigkeit etwas unternehmen, noch die geheimen Kanäle aller der Parteien durchkreuzen, die neben ihm im land mitregierten. Am hof, beim Adel, in der Bureaukratie gab es ein Drängen zu gewissen Zielen hin, dem er sich vergebens würde entgegengestemmt haben. Er behielt sich das Maass von Macht vor, das für ihn in der Initiative der grossen Politik lag, aber im Kleinen fand er täglich, dass auch er den Geistern, denen zu Nutzen, wenn auch nicht zu Liebe, er geredet und gehandelt hatte, sich unterordnen musste. Er bedauerte, erzählte man, Dankmar's Schicksal, tadelte seine Hartnäckigkeit und fand es einstweilen ganz in der Ordnung, dass man die endlich auch vollendete und möglich gewordene Emission der Stadtkämmereischeine nicht in des Gefangenen oder seines flüchtigen Bruders Hand gab, sondern sie in der scharfbewachten Kasse des Justizamtes, das Dankmar zu verhören hatte, im Profosshause selbst noch bis auf Weiteres aufbewahrte.
Murray und Oleander sahen in den Briefen, die sie selbst empfingen oder zu befördern hatten, welchen Anteil der Bund an dem Schicksale seines Stifters nahm. Was sie von dem Generalpächter Rodewald, von Dystra an Klagen und Beileidsbezeugungen empfingen, waren Beweise persönlichsten Anteils. Murray erfuhr von Rodewald im Laufe des Winters, dass