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. Durchlaucht Fürst Hohenberg und ein guter Kupferstecher zu sorgen haben.

Man fühlte sich ausserordentlich angeregt und befriedigt von diesem Vortrage, der offenbar aus der Loge kam. General Voland hatte eine Menge von ähnlichen Entscheidungen zur Hand, zeichnete Wappen und liess die Herrschaften raten, was die Rebus derselben zu bedeuten hätten. Es währte lange, bis der Premierminister mit der Bemerkung hervortreten konnte:

Ich will wünschen, dass die Ritter vom geist eine so harmlose Fortsetzung der Freimaurerei sind, wie der würdige Chef unserer Justiz diese aus dem kopf des Muhamed und der Toleranz gegen die Tiere herleitet. Ein Zusammenhang mit den Jesuiten wäre schon bedenklicher. Man muss die Untersuchung abwarten, die leider umständlicher ausfallen wird, als mir im Interesse dieser Gebrüder Wildungen lieb sein kann, die zwei reichbegabte, an sich sehr edle und sonst des vollsten Genusses ihres Glückes würdige junge Männer sind.

Es lag eine solche düstre Wahrheit in diesen kräftig betonten Worten, deren Beziehung man wohl verstand, dass das Tema verlassen wurde und Propst Gelbsattel Zeit fand, sich zu seinen Antworten über die innere Mission zu sammeln, über die er angelegentlichst befragt wurde. Früher entschiedenster Gegner derselben hatte er sich vielleicht erst unterwegs in der Kutsche, die ihn zu hof fuhr, eine brücke gebaut, um nun als ihr Verehrer aufzutreten und mit General Voland und andern Elementen der kleinen Cirkel jene Dialoge aufzuführen, in welchen man die Wahrheiten und Irrtümer der Zeit von allen Seiten beleuchtete, ohne die Kraft zu besitzen, davon irgend etwas Anderes im Leben auszuführen, als was eben der rastlose Drang des Adels-, Beamten- und Militairegoismus als einzige politische Richtschnur vorschrieb ...

Fürst Egon aber konnte nicht anders erwarten, als dass die Stände ihre Zustimmung zur Emission von einer Million Stadtkämmereischeinen geben würden. Die Bedingung wurde nur gestellt, dass die Stadt nun das ihr verbleibende altertümliche Erbe auch einer neuen Verwertung unterwürfe und die öffentliche Kontrole gestattete. Die Häuser in der Brandgasse sollten niedergerissen, neugebaut, neuorganisirt werden. Man wollte, dass nun auch alle alten Herbergen provisorischer Zustände gelüftet, die Spelunken lichtscheuer Bettlerexistenzen gereinigt würden. Dabei traf sich der eigne Fall, dass gerade ein Mann, der statt Bartusch's, des Blutsaugers, des bösen Drängers und Quälers der Brandgasse, ein Wohltäter, Rettungsengel und milder Richter dieser Höhlen geworden war, nun in die Lage kam, an der materiellen Befriedigung der beiden Männer, die sich als die eigentlichen Herren der Brandgasse jetzt ergeben hatten, an dem Abkaufe dieser Erbschaft beteiligt zu werden.

Es war zuerst im November des vorigen Jahres gewesen, als sich die verdächtigen Wolken, die die Erscheinung Murray's begleitet hatten, allmälig verzogen. Ein reicher, angesehener Fremder, dem die heimischen Bekanntschaften den Glanz seines Namens mehrten, erbot sich in demselben Augenblicke zu einer ansehnlichen Kaution für ihn, als er durch die Zeugnisse Louis Armand's fast gezwungen war, einzugestehen, dass er im Forstause bei Plessen nur von einem in Amerika verstorbenen Bruder des Schmieds Jakob Zeck und seiner Schwester Ursula Aufträge zu überbringen hatte und bei dieser gelegenheit in die Lage kam, einen tückischen, mörderischen Schlag, den der Blinde auf seine Schwester ausführen wollte, durch jedes nächste ihm zu Gebote stehende Mittel zu hintertreiben. Diese Aussagen blieben unwiderlegt, da Louis Armand damals noch in dem Ansehen stand, ein Jugendfreund des Ministers zu sein. Die Aufträge, die Pax später von Charlotte Ludmer für seine Hohenberger Reise bekommen hatte, waren nicht auf eine Gewalttat gerichtet. Vermutete sie Friedrich Zeck in jenem Engländer, der sich ihrer Nichte so eifrig angenommen hatte, so konnte ihr nur an dessen Beobachtung, geräuschloser, vielleicht durch Geld oder durch stille Gewalt vermittelter Entfernung, nicht aber an einer Verhaftung liegen, die zuletzt Geständnisse zu Tage gefördert hätte verletzendster Art für lebende, in sorglose Sicherheit eingewiegte Personen. Deshalb hatte sie von Fritz Hackert nur unter der Hand erfahren wollen, ob nicht dieser Murray ein Gauner und an diesen und jenen Merkmalen erkennbar wäre. Besorgniss genug erweckte ihr Hackert's Schweigen, noch grössere die Freigebung des Gefangenen auf ein bedeutendes Lösegeld. Endlich aber erhielt sie die Nachricht von Hackert, dass jener Fremde ein wirklich harmloser Emissär amerikanischer religiöser Vereine wäre, der am liebsten auf Kirchhöfen weile und sich mit dem Schicksale der Armen beschäftige. Gern hätte sie ihn selbst gesprochen, gern von ihm gehört, wann, wo, unter welchen Umständen jener Friedrich Zeck gestorben wäre, auf dessen Veranlassung er die schlimme Begegnung im Plessener Forst hatte, allein der gern und öfters bei ihr gesehene Hackert brachte ihr darauf hin eine wunderlich zustimmende Antwort des Sonderlings, der sie entnehmen konnte, dass hier in der Tat einer jener Bussprediger vorhanden war, der diese gelegenheit benutzen wollte, nun auch ihr recht in's Gewissen zu reden. Auf die Gefahr hin, dass ihr dieser Mann von einer jenseitigen Welt sprechen konnte, schlummerte ihre Absicht, Murray kennen zu lernen, und ihre Furcht ein. Sie mochte solche "Quäker" nicht sehen.

Friedrich Zeck hatte nie die Absicht gehabt, sich etwa an Pauline von Harder und Charlotte Ludmer zu rächen. Es war eine wirkliche Frömmigkeit, die ihn erleuchtete. Es lag ihm im Leben nur noch an dem Loose des Knaben, den aufzusuchen ihn dasselbe Pflichtgefühl trieb, das die frömmelnde Fürstin Amanda einst ihr Testament hatte niederschreiben lassen. Wie er Hackerten finden musste, erfüllte ihn freilich mit Schmerz genug. Er fand doch zuletzt einen verwilderten, trotzigen, aller Innerlichkeit baaren Sinnenmenschen, mit dem