zu machen .... Ist es nicht die tollste Eitelkeit, dass er uns hat sagen lassen, er schone den Vater bis zu seinem fünfundzwanzigsten Jahre, wo ihm Dieser versprochen hätte, ihm das geheimnis seiner Geburt zu entdekken?
Der Vater weiss darum, sagte Melanie.
Nicht ein Wort weiss der Vater, sagte ihre Mutter. Er hat einzelne Anzeichen, einzelne kleine Zufälligkeiten entdeckt (z.B. einen zerbrochenen, bei dem Findelkinde gefundenen Ring), die auf ein nicht ganz gewöhnliches Herkommen dieses Menschen schliessen lassen; aber die wenigen Worte, die der Vater einmal bei guter Laune darüber fallen liess, haben ihm so den Kopf verwirrt, dass er sich einbildet, sicher ein Baron zu sein. Genug von ihm! Steh' nun auf! Sei heiter! Geniesse das himmlische herrliche Wetter! Sieh! Sieh! Die goldene Sonne!
Damit riss die Mutter die Vorhänge auf, der lichte Sonnenschein fiel in das dunkle, plötzlich erhellte Zimmer.
Auf! Auf! Tummle dich, Melanie! ermüdete die Mutter nicht zu rufen. Nimm an mir ein Beispiel! Schon war ich im Bade! Schon trank ich wasser an der frischen Quelle im Garten. wasser, Sonne, Luft, Licht, Blumen! ... Mädchen, weisst du denn nicht mehr, was schön und jung macht, schön und jung –
Erhält! fiel Melanie schmeichelnd ein, wandte sich und reichte der frisch und rosig strahlenden Mutter die Hand.
Indem klopfte es.
Wer klopft?
Eine stimme wisperte am Schlüsselloch:
Darf ich?
Jeannette?
Nein, sagte die Justizrätin; es ist Bartusch.
Stör' ich? rief Bartusch durch das Schlüsselloch. Kommen Sie heraus! Es sind merkwürdige Briefe vom Justizrat da.
Vom Vater?
Die Mutter ging hinaus.
Nach einigen Secunden kam sie wieder und rief:
Melanie! Denke dir, wer angekommen ist?
Erschrecke mich nicht! Ich rate nicht gern. Meine Nerven sind angegriffen ...
Der Prinz Egon!
So? Das wissen wir ja schon.
Prinz Egon von Hohenberg!
angekommen? In der Residenz?
Nein, hier! Hier auf dem schloss.
sonderbar, wie diese Worte auf Melanie wirkten! Sie kannte den Prinzen nicht und musste eher im Interesse ihrer Familie vor ihm auf der Hut sein, als dabei interessirt, ihn gerade hier zu sehen, wo sie Alle von seinem Eigentum fast Besitz genommen hatten .... Dennoch sprang sie jetzt aus dem Bette, liess Hackert Hackert sein, kümmerte sich nicht mehr um Lasally, nicht um den Intendanten, vergass die Nacht, vergass ihr Kopfweh, vergass ihre Schlaflosigkeit und trieb nur die Mutter an, ihr zur notdürftigsten Toilette beizustehen. Wie ihre Füsse in die seidenen Pantöffelchen schlüpften, die leichten Nachtgewänder abgeworfen wurden, wie sie an den Toilettentisch eilte und sich in flinkester Behendigkeit Angesicht und Nacken benetzte, wie sie dazwischen an dem Schellenzug riss, um den Bedienten das Zeichen zum Serviren des Frühstücks zu geben ... man hätte nicht glauben sollen, dass Dies dasselbe Wesen war, das noch eben wie leblos, ganz in Träumerei und Erinnerung versunken, zwischen den grünseidenen Couverten des Bettes gelegen hatte. Das einzige Wort: Ein Prinz, der Prinz Egon, ist hier auf Hohenberg! hatte sie elektrisirt. Sie herzte die Mutter und tröstete sie mit den Worten:
Lass es nun gut sein, sonst muss ich über mich selbst lachen! Ja! Ja! wasser! Luft! Sonnenschein! Die Mutter hat Recht.
Damit drängte sie die kleine runde Mama, die schon so frisch, so sauber ausschaute, durch die Tür und hüpfte ihr mit den Worten nach:
Nun guten Morgen, Bartusch, was haben Sie? Was schreibt Papa? Wo ist hier ein Prinz? Wer hat den Prinzen? Her mit ihm!
Bartusch war schon ganz in seiner gewohnten Toilette. Einfach, aber sauber. Weisse Halsbinde, weisses Vorhemd, schwarze Weste, grauer Überrock, weite lichte Beinkleider, Schuhe mit grauen Kamaschen. Er wiederholte die Zeichen, die Stillschweigen bedeuten sollten, mit um so grösserm Nachdruck, als ein Diener in Schlurck's geschmackvoller Livree eintrat und das Frühstück beim offenen Fenster auf einem runden Tische auftragen wollte, an dem zwei Sessel standen. Bartusch liess ihn gewähren. Als er gegangen war und einige kleine Befehle, die Melanie's Ungeduld folterten, für die Wirtschaft mitgenommen hatte, schloss Bartusch wieder behutsam das Fenster und zeigte einen Brief, der diesen Morgen von der Residenz mit einem Expressen angekommen war, viele geschäftliche Anweisungen des Justizrats und unter Anderm auch folgende Stelle entielt:
"Schliesslich, liebster Bartusch, mach' ich Sie auf ein merkwürdiges Gerücht aufmerksam, das hier zu meiner Kenntniss gelangte. Prinz Egon ist vor einigen Tagen hier angekommen und hat sich, wie man für gewiss behauptet, in einer Verkleidung nach Hohenberg begeben. Zu welchem Zwecke ist mir unbekannt. Wenn er wirklich streng incognito reist, um uns wahrscheinlich zu belauschen und sich Hohenbergs Zustände anzusehen, würde Ihnen eine genauere Beschreibung seiner person, die ich nicht einmal ganz geben kann, wenig nützen. Doch dürfte es immer ratsam sein, wenn Sie sich merken wollten, dass Prinz Egon mir allgemein jetzt als ein ziemlich schlankgewachsener, doch nicht übergrosser junger Mann von mehr lichtbraunem als blondem Haar geschildert wird. Seine Augen wären braun, seine hände und Füsse zierlich, was weiss ich von den Schönheiten allen, die er besitzen soll und über die man am besten