mit seinem kind, das ihn als Knabe begleitete. Er sah die Residenz später als Schloss Hohenberg. Er war in Plessen, betrachtete das Denkmal der heimgegangenen Fürstin; wir sahen seine Rührung. Er erfuhr die Wendung aller der Verhältnisse, die einst hier geherrscht hatten, er entdeckte Irrtümer, Wahn, Verblendung, Elend sogar und Armut da, wo sein Herz so beteiligt schlug. Er lernt Dankmar Wildungen kennen. Der junge Mann fesselt ihn; er fesselt sein Kind. Sie liebt ihn schon, als er mit bebendem Entsetzen erfährt, damals am gelben Hirsch erfährt, dies wäre Prinz Egon. Fast besinnungslos folgt er dem zug, der vom schloss in die Residenz fuhr, nach dem Heidekrug. Er will seinem Sohne, wenn er es wäre, sich zu nähern suchen. Er kommt zu spät in der Herberge an. Es ist schon Nacht ... es ist Mondschein ... Alles schläft. Dass Egon unter diesen zusammengewürfelten Menschen der Alltäglichkeit, diesen Gläubigern des Fürsten Waldemar, im Incognito lebte, schien ihm so natürlich! Wie lockte ihn der Familienzug, der in Dankmar Wildungen, seinem Neffen lag, schon mit natürlicher, blutsverwandter Gewalt! Er kommt in die Lage, Abends, als er Geräusch auf dem Korridor hört, im Mondschein sich Dankmar's Schlafzimmer zu nähern, er empfängt von dem schönen, vor dem unheimlichen Störenfried Hackert erschreckenden Mädchen ein Bild, das er bedeutet wird, in jenes Zimmer zu tragen. Sie entschlüpft. Er betrachtet das Bild. Es ist die Fürstin Amanda! Zitternd nähert er sich dem nun gewiss gefundenen, schlummernden Sohne, legt das mit seinen Küssen bedeckte Bild unter Dankmar's Haupt und nimmt eine Locke von seinem haupt. Diese Locke, wie hielt er sie hoch! Wie verehrte er sie als das einzige, was er von Egon besitzen durfte, von Egon, auf den er Dankmar's Männlichkeit und Adel übertrug! Dass er sich entschloss, seine Kenntnisse von der Pflege des Bodens der Rettung seines Kindes zu widmen, war ein Gedanke, der ihn mit blitzschneller Begeisterung ergriff. Da ist mein Geld, da meine Hand, nimm, mein Sohn, dein Vater wird für dich sorgen! So hätte er sprechen mögen zu dem kranken Prinzen im schloss, als er diesen Schlurck fast vor Zorn niederwarf. Aber konnte er so sprechen? Konnte er sich verraten, als Louis Armand die Nachricht brachte: Dein Wunsch ist erhört! Wie glücklich war er in der Werkstatt der Maschinenbauer in jener Nacht, als er bei Willing und Leidenfrost die Hülfsmittel seines ihm liebgewordenen Berufes bestellte! Wie freudig griff er seine schwere dem früheren idealischen Leben so fremde Aufgabe an, wie ergeben räumte er die sich ihm bald darstellenden Schwierigkeiten aus dem Wege! Es gilt deinem Sohne, dachte er, deinem Sohne, der dir gehört vor Gott und Amanda's unsichtbarem Genius! Kein Mensch auf Erden kann wissen, welcher inneren Mahnung du hier folgst und welches der wahre überschwengliche Lohn deiner Mühen, die gottgefällige Himmelsblüte deiner Arbeit ist!
Freilich bekümmerte ihn nun Alles, was er von Egon erfuhr. Er erlebte das Verletzendste. Nichts konnte so gefährlich sein als die Entdeckung, die er über Selma und des Mädchens liebende Neigung machte. Schaudervoll ergriff es ihn, als er dies keimende Regen und Wachsen in des Mädchens Brust beobachtete. Die Tragödie der alten Welt, der Fluch des Schicksals schien mit dunkeln Fittichen über ihn niederzuschweben. Welcher Beherrschung bedurfte er damals, als Louis Armand zum Besuche kam, die Anklagen gegen Egon wuchsen und Selma, sein Kind, immer parteiischer, immer gereizter für das Ideal aufloderte, das einmal von ihrem Auge nicht weichen wollte. Ein qualvoller Winter für ihn, der ihn unfähig machte, irgend etwas zu beginnen, was nicht in nächster Verbindung mit seiner Pachtung stand. Er hätte doch nun seinen wahren Namen sagen, Verbindungen mit Anna von Harder anknüpfen, Erkundigungen einziehen müssen; er war nicht im stand sich zu sammeln, nicht fähig, den geringsten auf die Lösung dieser Herzensaufgabe bezüglichen Entschluss zu fassen. Dann aber – die Wonne – die Erleichterung der beschwerten Brust! Dies selige, jauchzende Aufatmen des gepressten Herzens, als Selma in den Armen eines jungen Mannes lag, der sie zu umarmen den Mut besass, weil er sie nur für den Knaben nehmen wollte und sie, sie nahm ihn für ein Wunder; denn Egon, der Verfolger seiner Freunde, konnte ja nicht der Verfolgte selber sein, es war ein Wildungen, Dankmar, der Sohn der eignen Schwester des Vaters, Dankmar, des Vaters Neffe!
Der Flüchtling wurde auf die leichteste Art verborgen gehalten. Der entfernte Bart, die gestutzten Haare, eine sommerliche ländliche Tracht, ein grosser, breitrandiger Strohhut gaben ihm bald ein Ansehen, das Niemanden an den im vorigen Sommer hier so rätselhaft aufgetauchten Doppelgänger des Fürsten erinnern konnte. Die Zahl der Menschen, die vom Generalpächter zu seinen Unternehmungen verwandt wurden, war über Hundert gewachsen. Unter ihnen verlor sich Dankmar um so mehr, als er nicht etwa im Ullagrunde bei Ackermann wohnte, sondern in dem entlegeneren Randhartingen, wo er für einen jungen Ökonomen galt, der sich besonders im Schreiberfach dem Generalpächter nützlich erwies. Glücklicherweise hatte Dankmar eine wohnung gefunden, die ihm gestattete, fast in allen seinen Bedürfnissen für sich selbst zu sorgen. Mehr, als er wünschen konnte, fühlte er sich allerdings im Verkehr mit Selma gehemmt. Allein ohnehin lag es schon in der notwendigen Rücksicht auf den