von Heuschrecken lebt? Ich bin nicht wert, Denen, die wirkliche Anerkennung verdienen, die Schuhriemen aufzulösen.
Drommeldei, der die Bibel kannte, wie Voltaire und Kaunitz, aber nur um sie zu komischen Bildern zu benutzen, Drommeldei lächelte und warf eine Bemerkung dazwischen, die Anna nicht einmal verstand:
Brav! Bleiben Sie bei Johannes dem Täufer! Wäre nur der Papa Metusalem zu bewegen, auch Stand zu halten. Der König hat die Absicht, ihn nach dem Prozess über die Johannitererbschaft zu fragen, die jetzt auf seiner Entscheidung beruht! General Voland ist voll von den neuen Gesichtspunkten, die der alte Herr für diese Angelegenheit gefunden haben soll und studirt alle alten Turnierbücher, um sich zu überzeugen, was propinqui equites sind und hat wie gewöhnlich fünf bis sechs Standpunkte darüber, die er bei hof sonderbarerweise alle zugleich vertritt.
Auch Das noch! sagte Anna tonlos und fügte hinzu, dass den Präsidenten Erörterungen über Gerechtigkeitsfragen, selbst dem Landesherrn gegenüber, verstimmen würden ...
Nur Mut! Nur Mut! rief Drommeldei und reichte Anna die Hand. Nur unbefangen! Die Mitglieder der Akademie dürfen kein Wort von der Überraschung wissen! Verstehen Sie? Befangenheit würde den ganzen Eindruck stören –
Aber warum unterrichten Sie mich zuerst selbst, lieber Mann?
Das will ich Ihnen sagen, Frau von Harder. Ihr Tempelheide kommt den Menschen wie ein verzaubertes Schloss vor. Der Hof möchte es gern auch nur als verzaubertes Schloss auffassen und gefällt sich darin, drei Tage lang von Nichts als von einem verzauberten Schloss zu sprechen ...
Sie sind schlimmer als die Demokraten, Sanitätsrat!
Beste! Ich gehöre nur einer andern Philosophie an als der des Hofes! Ich bin kein Pytagoräer wie Ihr alter Schwiegerpapa, ich bin kein absoluter Epikuräer wie Schlurck, kein relativer wie Otto von Dystra, kein Neuplatoniker wie Voland von der Hahnenfeder, kein dialektischer Eleat wie Rochus oder Stromer, ich bin meiner Stellung gemäss Eklektiker. Dieser Besuch bei Ihnen tut den mannichfach verstimmten, an wahrer Befruchtung armen Gemütern dieser hohen Personen wohl. Doch, fürcht' ich, denkt man sich Ihre Existenz romantischer und fabelhafter, als sie ist. Als Katarina von Russland nach der Krim reiste, liess ihr Potemkin gemalte Städte in die Ferne als Vexierprospekte russischer Volkswohlfahrt stellen. Belügen wollen wir die Herrschaften weder mit der Musik noch mit den gezähmten Tieren, aber notwendig wird es sein, dass Ihr hiesiges Gewimmel und Gekrabbel, das Gebelfer und Gezwitscher nicht gefährlich erscheint. Den Tanzmeister mein' ich, die drolligen Puterhähne, die Windspiele Biche und Alkmene – Sie wissen nicht, wie unbeliebt ohnehin alle Erinnerungen an Friedrich den Grossen sind – auch die gebesserten Raben müssen in Obhut bleiben und besonders hoff ich, dass die Schildkröte, obgleich sie dem Apollo heilig ist und die erste Veranlassung der Musik wurde, ja sogar von Phidias für seine berühmte Statue der Aphrodite als Piedestal benutzt wurde – worin mein Freund Schlurck einen gewissen Zusammenhang zwischen Venus und den Mokturtelsuppen entdecken würde – ich sage, dass Sie diese schreckliche Bestie gleichfalls nicht als Wirklichkeit in den schönen Traum, der hier geträumt werden soll, hineinkriechen lassen.
Anna von Harder war nicht so reflektiv und politisch gestimmt, dass sie etwa hier eingeschaltet hätte: Also so würden die Grossen bedient, so würden ihnen die romantischen Täuschungen erleichtert, so würde in den Waisenhäusern die Suppe erst kräftiger gekocht, wenn sie eine Prinzessin kosten sollte ... Sie erinnerte nur an die Statuten, die schon die Sicherheit aller Sänger und Sängerinnen vor den Liebhabereien des Grosspapas bedingten; genug, Drommeldei konnte schliessen:
Also sammeln Sie sich! Es bleibt dabei! Gegen vier Uhr kommen die Herrschaften und verraten Sie uns Niemanden!
Damit erhob sich Drommeldei, fragte noch flüchtig nach Olga, wollte keine Begleitung dulden und eilte aus dem Musikzimmer, verfolgt von dem bittenden, vorwurfsvollen blick der in Erschöpfung niedergesunkenen, von solcher Aussicht auf ihr so nahe bevorstehendes "Glück" fast vernichteten Anna ...
Draussen aber hielt Dystra den schnell dahineilenden Eklektiker mit einer Entschiedenheit auf, die ihn verhinderte, nur an eine kleine Plauderei zu denken ... Was? Eine Konsultation? sagte der Arzt.
Dystra zog Drommeldei vom hof über die Rasenbeete zu dem Pavillon hinauf ... Spartakus und Cicero, seine Mohren, unterhielten sich inzwischen mit dem zahmen Reh, lachten über den Kranich und erkundigten sich in der Küche nach etwaigen Rum- und Arracvorräten.
Wie mich meine Verlobte an dieser Stelle sah, berichtete Dystra, ergriff sie die Flucht. Zwar würdevoll, majestätisch, aber so entschieden negativ, dass ich die Lächerlichkeit scheute, sie zu verfolgen. Sie huschte unter die Tannen, wie die Pfauen da, die ein hässliches Geschrei verführen ...
Sie werden magerer, Baron! Diese Liebe ruinirt Sie ...
Ich kenne jetzt, antwortete Dystra, Drommeldei auf einen Gartenstuhl drückend, ich kenne jetzt die geschichte der Rückreise Olga's von Rom und muss sie Ihnen andeuten, damit Sie eine Ansicht aussprechen.
Wohlan! sagte nach der Uhr sehend, der ärztliche Ratgeber, der in der Kenntniss der geheimen Verwikkelungen des Lebens von keinem Beichtvater der Welt übertroffen wurde. Aber schade, dass Sie nicht schnupfen, Baron!
Und in der Tat sprach Drommeldei, der mit allen Geruchsnerven seiner gehobenen Nase Schnupfer war, den alten Bedienten des Hauses, der um die erlaubnis bat, Wein oder wasser auftragen zu dürfen, nur um seine Dose an und regalirte sich im Vorrat mit einer solchen Befriedigung an