- und wirkliche Geheime je etwas entbehren sollten, wenn einst der Mann sagen sollte: Kind, von Neujahr an müssen wir uns einschränken! Die Demokratie setzt die Gehalte herab, besteuert sie, wie jedes Einkommen besteuert wird! Ich sehe da Furien, nicht Weiber mehr. O mein fräulein, nicht Alle schwärmen, wie Sie! Blicken Sie auf jenen Professor! Er trägt einen berühmten Namen, ist aber auf die Orden, die seine Brust schmücken, eitler als auf die Werke, mit denen er die Wissenschaft bereicherte. Jener Geistliche! O diesen veracht' ich vollends. Die Polizei schickt ihn in die Volksversammlungen und Clubs, um sich der Debatte zu bemächtigen. hören Sie dies Organ, diese Lunge, diese Stentorstimme und diese Grobheit bei aller scheinbaren Artigkeit, mit der er eben eine Streusandbüchse von Frau von Trompetta erhandelt. Lesen Sie doch ein wenig in den Mienen jener geschmeichelten Pfahlbürger und Rentiers, die jetzt eintreten, um hier so nahe bei Excellenzen und Beamten weilen zu dürfen. Dort jene Gruppe! Hohe Offiziere, dicht nebeneinander. Ich wünsche ihnen den Ruhm der besten Schlachtfelder, aber ich bestreite, dass diese alten Herren berechtigt sind, Meinungen über den Staat auszusprechen. Sie haben Söhne, sie haben Enkel zu versorgen. Der Staat, wie er jetzt einmal ist, gibt ihnen die Bürgschaft leidlicher Erfüllung ihrer Hoffnungen, warum sollten sie das dumme ideale Zeug denn nicht hassen, das jetzt in den Menschen sich einzunisten droht? kennen Sie jenen Mann mit dem Schnurrbart? Er vertritt mir jene jungen Beamten, die Carrière machen wollen und den auf den Universitäten eingesogenen Corpsgeist auf das gemeine Leben übertragen und grob und malitiös fortpflanzen. Ach, mein fräulein! Soll jener Spekulant da die Zeit nicht hassen, die ihn zwang, seinen Wagen und seine Pferde abzuschaffen? Und jene Offiziere, die dort Wühlhuber's und Robert Blum's Bildnisse aus Dragée kaufen! Ich gönne ihnen allen Humor und alle Genüsse der Jugend; aber welcher Übermut spricht aus ihren schlechten Witzen! Wie rasseln sie mit ihren Friedenssäbeln! Wie ersetzen sie das bescheidene Nachdenken, das ihnen schön stehen würde, mit der Prahlerei einer ultra-konservativen Gesinnung! Es sind Offiziere von der Garde, alle sind sie adlig, ihre Väter und Onkel sind Offiziere, Beamte, Landräte ... Mein fräulein, wenn ich mir sagen muss, dass die Zeit noch mit diesen Elementen fertig werden soll, so gerat' ich in Verzweiflung. Ich sehe hier nur einen Kampf auf Leben und Tod. Ich begreife, wie es in Frankreich bis zur Guillotine kommen konnte. Sagen Sie mir, welche Aussöhnung soll es noch geben, wenn die Monarchie diese Idolatrie duldet, die Ministerien sie gestatten, hervorrufen, sich auf ihre Demonstrationen stützen? Oder wo wird der Begriff herkommen, der sich einst vom hohen Himmelstron herabsenken müsste, um hier eine friedliche Ausgleichung zweier Extreme in einem höheren Dritten möglich zu machen? Es wird keiner kommen oder es ist der Begriff der Barbarei, die Invasion der orientalischen Horden oder die entfesselte Wut der sozialen Gleichmacher. Wir stehen hier unter Blumen, Glaskronen, umrauscht von einer versteckten sanften Musik, aber ich sage Ihnen, in zwanzig Jahren wehen hier Trauerfahnen und wir Alle sind weggemäht vom Schnitter, dessen Sichel ich schon in furchtbarster Arbeit sehe, ohne zu wissen, wo sie Alles einst hinfahren wird und von wannen sie einst kommt!
Dankmar ergriff, um seine Aufregung zu verdekken, einige der ausgestellten Gegenstände ...
Wilhelmine schwieg. Sie war so erschüttert, dass sie das Auffallende dieses langen Verweilens eines jungen Käufers an ihrem stand nicht merkte und die über den ganzen Saal hinübergeschossenen Blicke der im Verkaufe glücklichen Trompetta nicht verstand ...
Alle seine heftigen Äusserungen verband Dankmar dann wieder mit scheinbar gleichgültigen fragen und Erwiderungen, die er über den Tisch hinweg wegen entfernter oder näherer Spielereien tat. Niemand im saal, ausser Friederike Wilhelmine konnte ahnen, wie bewegt er war ...
Sie können sich so mässigen, Herr Wildungen! sagte sie. Sie können so den Ton treffen, der immer der gute ist! Wie oft hab' ich Sie beobachtet! Alle Welt kennt Ihre Gesinnung und sonderbar, Niemanden verletzt sie. Und ich nenne Das an Ihnen aristokratisch. O, Sie wissen gar nicht, wie aristokratisch Sie sind.
Dankmar musste lachen ...
lachen Sie nicht! Ich wünschte wohl, Jeder wüsste sich zu beherrschen ... Sie haben Takt – Takt ist eine der schönsten Tugenden des Menschen! Ich wiederhole ein Wort der edlen Anna von Harder: Takt ist der Verstand des Herzens. Den Verstand des Verstandes kennen wir, den haben Tausende! Den Verstand des Herzens haben Wenige; Wenige dies sichre Gefühl, was Andern wohltun, was sie verletzen könnte. Der echte, wahre Takt ist keine kalte Welttugend, keine blosse Formenglätte des Benehmens. Der Taktvolle kann im grund nur ein guter Mensch sein und ein bescheidner. Wie hab' ich bei der Fürstin Wäsämskoi Ihren Takt bewundert! Sehen Sie! Sie kommt daher ...
Dankmar zahlte eben den vollen vierten Taler für einen Scherz, den er Armand verehren wollte und wollte nun gehen, da er die Fürstin zu vermeiden wünschte. Doch fesselte noch eine andere "Boutike" die Fürstin ...
Noch Eins! sagte fräulein von Flottwitz. Beruhigen Sie mich, dass Sie sich nicht in Gefahren begeben. Vermeiden Sie diesen Louis Armand, diesen Leidenfrost, den verräterischen Major von Werdeck