wir ihn wiedergefunden haben, oft den Shawl und die Operngläser tragen. Ich glaube, dass er dies, so lächerlich es ist, gern tut, weil er die Tante liebt. Aber die gute Helene wird nie mehr lieben. Ihr Andenken ist dem unvergesslichen Egon geweiht, den ich doppelt und dreifach hasse, weil er so viel Zärtlichkeit mit Geringschätzung erwidern konnte. Oft weint meine gute Helene, nimmt mich dann auf den Schooss und erzählt mir, worin Alles Egon so liebenswürdig gewesen ist. Seine Seele war kindlich und rein, spricht sie dann, er tändelte durch's Leben und Alles, was er wie im Spiele ergriff, hatte hohe Bedeutung. Ich weiss es auch, wenn ihn jetzt der Beifall eines ganzen volkes begrüsst und sein König ihm gestattet, alle Orden der Welt zu tragen und ihm den besten, den er selbst besitzt, umhängen mag, sein Herz wird nicht Ruhe haben. Ich weiss es, selbst im Besitz der schönen Melanie wird ihm oft weh um sein Inneres werden und in stillem Schmerze wird er ausrufen: Helene! Helene! Und dann tröst' ich sie, so gut ich es kann, indem ich ihr von den Schicksalen Valentinen's, Indianen's, Faustinen's erzähle. Auf alle diese edlen Frauen, deren Leiden Georg Sand und die deutsche Gräfin beschrieben haben, senkte sich das himmlische Manna der Ergebung und Erlösung herab. Ach, Papa Rudhard! Warum zürnst du so den Mönchen und Nonnen! Klöster hab' ich gesehen, Klöster ... mit Gärten, mit kleinen Cellen, mit heiligen Kirchen, in denen die Lichter brennen und Weihrauchdüfte die Seele emporziehen. Ach! so einen stillen Platz wie in Florenz und Genua oft die frommen Schwestern haben, Weinranken um das kleine Fenster, jeder Schwester ein Blumenbeet gehörend und das Alles jetzt, wo bei Euch der Winter schon tobt, noch so frühlingsfrisch, so maiblühend ... ich bin gewiss, die Tante bliebe in einem solchen Kloster, wenn sie nicht in Paris noch gebunden wäre" ...
Aha! sagte Dystra, Das ist das bekannte Ende! Das arme Kind wird metodisch ruinirt!
Aber Bitte! sagte Siegbert. Das noch einmal! Gebunden in Paris?
Dankmar und Dystra mussten gestehen, dass der Ausdruck: "Wenn sie nicht in Paris noch gebunden wäre" für eine eheliche Verpflichtung ein Triumph der modernen gesellschaftlichen Freigeisterei war. Siegbert aber im Stillen war über die Klosterschwärmerei seiner Olga doch tief ergriffen; denn er fühlte, dass diesem Triebe alles Das zum grund lag, was ihn selber beseligte, mochte er auch mit Klöstern nur in ästetischer und kunstidealer Verbindung stehen.
Wir sind sogleich zu Ende, sagte Dankmar und schloss die Vorlesung:
"Ich wünsche Rurik und Paulowna die besten Weihnachtsgeschenke und bitte dich, Papa Rudhard, aus meiner Sparbüchse etwas für sie zu kaufen. Herr von Dystra hat sie, wie ich höre, sehr reich beschenkt. Es ist die Art der Menschen, die" ...
Lesen Sie nur! sagte Dystra, als Dankmar stockte ...
"Es ist die Art der Menschen, die nicht durch sich selber Interesse einflössen können" ...
Abscheulich! ... Dystra trat vor den Spiegel, seine Toilette musternd und auf den Fussspitzen sich erhebend ...
"Sich auf die wirkung ihrer Geschenke zu verlassen. Wenn dieser Herr glaubt, dadurch auf mich vorteilhaft zu wirken, so bedaur' ich die Verblendung. Nach Allem, was ich von dem Baron höre, glaubte er in mir ein Kind zu finden, das ihm für seine Liebe die Hand küssen würde. So habt ihr mich ihm dargestellt ... nein, ich will diese Zeilen mit keinem Miston schliessen. Sie kommen aus dem land der Harmonieen! Grüsst Die, die mich verstehen! Und wo meine Seele weilt, weisst du, Vater Rudhard! Ein Gott und eine Liebe! Das ist der Wahlspruch Eurer Olga Wäsämskoi."
Als Dankmar geendigt hatte, bemerkte Dystra, zu
Siegbert gewandt, der nachdenklich das Haupt stützte:
Sie werden gestehen, dass mich diese kleine Eman
zipirte sehr falsch beurteilt, wenn sie glaubt, dass ich nur gemeiner Empfindungen fähig bin! Gibt es etwas Heroischeres, als den Reiz, den mir dieser allerliebste Flüchtling verursacht, unterdrücken und dem mann, dem sie ihr Herz so offen und frei anträgt, den ganzen Einblick in ihr Inneres zu gönnen, ja dasselbe ihm darzubieten? Ich bitte mir aus, dass Sie einen Dichter für diesen Gegenstand interessiren!
Herr Baron, sagte Siegbert und drückte dem wirk
lich trotz der Ironie bewegten Dystra die Hand, ich selbst werde volle Kraft besitzen, diese Neigung in mir zu ersticken. Wenn Olga unter allen Schmeicheleien, denen sie sich durch ihren gewagten Schritt ausgesetzt hat, die Ägide einer ihr heiligen Neigung durch mich sich schmiedete, so ist Das auf dem gefährlichen Boden, Heinrichson gegenüber und in der Umgebung der excentrischen Helene, vorläufig vorteilhaft. Ich bin der Stab, an dem das Pflänzchen aufwachsen mag. Ist es erstarkt, so wird es Ihnen ohne mich blühen. Warum sollten Sie nicht der Gatte Olga's werden? Es wird so kommen, nicht anders und seien Sie versichert, Ihre Güte, Ihr Vertrauen ist an keinen Unwürdigen verschwendet ...
Dystra schien nicht ohne Trauer. Offenbar waren seine Scherze über dies verhältnis nur Deckmäntel seiner wahren Gesinnung, die in der Tat in alle Dem, was der