und aller Schwärmerei baaren und abholden Erzieher liegen mag.
Lieber Papa Rudhard, schreibt sie, lesen Sie! ...
"Lieber Papa Rudhard, dein Brief wurde uns nach Rom gesandt, in diese grosse und allmächtige Stadt, die Gott der Herr mit allen seinen himmlischen Heerschaaren selbst erbaut zu haben scheint. Hier ist nichts Gemeines! Hier ist Alles gross und unsterblich! Ach, Papa, ich las deine Warnungen und guten Lehren mit der Geduld, die man fühlt, wenn man Menschen reden hört, die Italien nicht gesehen haben. Es ist grade, als wenn du mir vom Nutzen eines transportablen Ofens sprächest und mir Vorwürfe machtest, dass ich nach Rom trotzdem, dass wir eine Espece von Winter auch hier haben, keine nordische Feuerung mitgenommen hätte. Ich bin, seit ich Italien sehe und alle diese herrlichen Kirchen, diese Villen, diese Paläste und den Baldachin des blauen himmels und die dunkle Azurfläche des grossen Meeres, mit Euch Allen eigentlich versöhnt und fühle nur noch Mitleid, keinen Hass mit Euch. Mein Tagebuch wird Euch vielleicht einst die Empfindungen sagen, die ich an jeder berühmten Statue, an jedem bewunderten Bilde, das ich sehe, in meinem Herzen belauschte. Ich ergreife alle Gelegenheiten, etwas zu lernen und antworte den dummen Stutzern, die uns besuchen und den Hof machen – es drängen sich in allen Städten besonders die Engländer und Russen an uns – immer mit antiquarischen Gegenständen, wodurch sie sich sogleich entfernen, wie Ungeziefer vor scharfen Gerüchen. Ich finde, dass ich dadurch vielen Vorteil vor andern Mädchen voraus habe, die sich nur darin gefallen, von hundert Männern immer dieselben faden Schmeicheleien zu hören. Diese Frauen sprechen immer nur von Musik, von schönen Gegenden, von guten Gastöfen, ich aber lese Homer und Virgil und spreche dann auch darüber, was die Elegants nicht gut vertragen können. natürlich wollen sie dann nicht ganz dumm erscheinen, aber sie wissen nur über England und seine Staatsverfassung, über Russland, den Kaiser und das Militär zu sprechen, was ich ruhig, aber kalt anhöre. Baron Krutusoff führt mich jetzt durch die Museen und muss mir Alles sagen, was er über die Museen von Paris und Wien gelernt hat. Ich erstaune oft, wie unterrichtete Menschen, und ein solcher ist Krutusoff doch schon, dennoch so fade sein können und einer jungen Frau gegenüber immer sogleich ihren Verstand verlieren. Die Tante hört, weil sie schon sehr viel weiss, diese Schmeicheleien ruhig mit an."
Weil sie schon sehr viel weiss! unterbrach Dystra lachend die Naivetät auch dieses Briefes. Dankmar und der Baron mussten Siegbert um Verzeihung bitten, der lächelnd erwiderte:
Wie könnt' ich über diesen Spott empfindlich sein! Ich habe Olga nie anders betrachtet, als wie ein gutgeartetes Kind, dem man nur Zeit lassen muss, seinen Weg zu gehen.
Darauf hin, sagte Dystra Beifall nickend, ist Ihr Bruder so gütig und fährt fort.
Dankmar las:
"Die Tante wird, weil sie schön und gut ist, von den eitlen Männern sehr belästigt, aber sie lebt nur ihren Erinnerungen und ihrem Schmerze. Oft beobacht' ich sie im Traume und höre, dass sie still für sich hinseufzt und ruft: Mein Egon! Mein Egon! Dann weint sie und ich weine mit ihr, weil ich sie ganz verstehe und ihr Schicksal in dem Leben selbst, in der natur und in der Kunst wiederfinde. Denn alles Schöne ist traurig, ihr Menschen! Immer, wenn ich sehe, dass Andre bewundern, möchte' ich weinen. Die schönsten Madonnen und die edelsten Physiognomieen unsres Heilandes sagen alle: Unser Erbteil ist der Schmerz und auf den weiten Ebenen, wo Kirchen, Kapellen, Ströme, Felder und Wälder sichtbar sind, liegt eine Melancholie ausgebreitet, die mich an meine früheste Kindheit erinnert, wo mir innerlich etwas wehe tat, ich wusste nicht was, wo ich weinen musste, ich wusste nicht wie, und wo ich nur Eines klar verstand: Deinen Tadel, Papa Rudhard, deine schneidenden Proteste gegen meinen stillen Hang zur Einsamkeit!"
Dankmar musste inne halten und voll Überraschung Dystra und den Bruder anblicken ...
Charmant! charmant! sagte Dystra beistimmend und fast von aufwallender Liebe bewegt. drei Männer, so die entwicklung eines Mädchens kritisirend, boten Siegbert fast den Stoff eines Gemäldes. Er selbst blickte tief innenwärts und gedachte des Augenblicks, wo dies träumerische Kind einst an seine Brust sank und mit den grossen braunen Augen ihn wie in eine unergründliche Tiefe blicken liess. Dann horchte er dem Folgenden:
"Viel Belehrendes über das Schöne erfuhr ich auch von Heinrichson, der ein berühmter Maler ist und uns in Mailand begegnete, weil er auch nach Rom reist. Dieser Mann ist sehr schön und ich höre ihn gern reden, weil er Kenntnisse und Witz besitzt. Auch lieb' ich an ihm, dass er ..."
Lesen Sie's nur! rief Dystra dem stockenden Dankmar zu, der Siegbert sich entfärben sah ...
"Ich liebe an ihm, dass er der Freund meines Freundes ist" ...
Das geht doch noch! sagte Dystra und nickte Siegbert zu.
Siegbert fand, um auszuweichen, es vollkommen im Charakter Heinrichson's, sich bei Olga unter dem Schutze einer Lüge einzuführen. Mein Freund! sagte er staunend.
"Die Tante, fuhr Dankmar zu lesen fort, ist gegen Herrn Heinrichson kühl und gleichgültig. Er muss uns jetzt in Rom, wo