als er nach haus zurückkehrte und die Frau Wirtin etwas schmollend von – durchnässten Fussböden anfing. Durchnässt waren die Fussböden in Hackert's Zimmer durch nasse Tücher, die er sich Abends wieder um sein Bett legen musste ... Sein Vater hatte ihn nach den Eisenstäben der früher von ihm bewohnten Zimmer gefragt und mit Schaudern und Wehmut von seiner Mondsucht gehört ... O, hatte er ihm seufzend gesagt, mein Sohn, auch darüber sollst du Aufschluss haben, wenn es Zeit ist, dir Die zu nennen, die dir das Leben gab! Ich bin Schuld auch an diesem grauenvollen Übel! Und als der Sohn darüber erstaunte, hatte Zeck erklärt: Dunkel und tief ist das Reich der natur. Wie ich dich so wiederfinde, mein Sohn, bist du wie unmittelbar erst aus der Hand der Schöpfung hervorgegangen. Du bist noch wie ein Kind vor Angst und Gelüst. Ein Zauberer würde dich erziehen mit hülfe eines reinen Lichtwesens, das unter Musik aus den Wolken steigen und dich sänftigen müsste. Ach, deine Eltern sind dein Schicksal! Wo anders her kann es kommen, dass dich ein schlimmer Geist der Unruhe mitten im Schlafe befällt und dich dir selber unbewusst von deiner Schlummerstätte treibt, woher anders, als dass deine Mutter in jener Nacht, als sie dich unter dem Herzen trug, von einem Entsetzen ergriffen war – einem Entsetzen – doch genug –! ... Hackert hatte auch nicht forschen mögen. Er ehrte den Wunsch seines Vaters, ihm mit allen seinen Entüllungen Zeit zu lassen. Und einstweilen hatte der wunderliche Alte mit dem Sohne fast einen ähnlichen Pakt eingegangen, wie mit Auguste Ludmer, die er nach seinem festen Glauben zu einem Engel umgewandelt hätte, wenn ihm nicht Mangold und die Intrigue seiner Feinde den Rettungsplan zerstört hätten. Auch so, sagte er sich oft zum Troste, auch in diesem Irrsinn, der sie dahin raffte, war sie reiner denn vordem. Was ist Irrsinn? Wer deutet dies Dunkel? Auguste kam ihm immer nur wie im weissen reinen Gewande vor die Seele, nicht als die verworfene Sünderin. Grade dass ihr der Himmel den irdischen Verstand nahm, machte ihm in der Erinnerung den Eindruck, als hätte sie eben die Sprache des Urgeistes schon reiner verstanden als die vernunftklaren Menschen.
An Paul, seinem Sohne, entdeckte Zeck freilich bald alle moralischen Fehle und schauderte vor seinem geistigen Tod. Er hatte gefürchtet, in seinem kind, wenn es noch lebte, vielleicht einen gemeinen Verbrecher zu finden. Das war Hackert nicht. Er hatte aber, wie Zeck sagte, an seiner Seele tiefen Schaden gelitten und bewies ihm dies, als Hackert ihm gestand, in welchem Incognito, vor aller Welt verborgen, er lebte. Ein Spion, hatte er ihm gesagt, allmächtiger Gott! Ein Spion ist nach meinem Begriffe eines der elendesten Geschöpfe der Welt! Du bist in diese Bahn geraten aus sittlichem tiefstem Verfall. Du liebtest nur sinnlich. Dieser Schlurck hat durch seinen Leichtsinn und seine Schwäche, die er Herzensgüte nannte und die es wohl auch ist – denn, ewiger Gott, schaltete Zeck ein – die Geheimnisse der Seele sind unergründlich! – durch diese Mischung von Gut und Böse hat er dich um dein wahres geistiges Wachstum gebracht. Deine Seele, mein Sohn, kommt mir vor wie jenes Tuch, das einst dem Apostel Petrus in der Stadt Joppe vor den Augen vom Himmel nieder gelassen wurde. Darin sah er allerlei Getier der Erde, schlimmes Gewürm, aber auch Vögel des himmels. Und er hörte eine stimme, die sprach zu ihm: Stehe auf, Petre, schlachte und iss! Petrus aber sprach: O nein, Herr; denn es ist nie Gemeines noch Unreines in meinen Mund gegangen. Aber die stimme antwortete Petro zum andern Male vom Himmel: Was Gott gereinigt hat, Das soll dir nicht gemein sein. Das geschah aber dreimal und als Petrus vom geist getrieben war, eben der stimme zu folgen, da ward Alles in dem Tuche wieder hinauf gegen Himmel gezogen.
Hackert hatte diese und ähnliche Reden seines Vaters, die er von einem Andern nicht ohne lachen würde haben vernehmen können, ruhig und befremdet hingenommen. Er fühlte, dass grade sein Herz ein solches Tuch voll unheimlicher wimmelnder Unruhe und ängstlichsten unreinen Lebens war. Murray aber nahm ihn noch, wie er war und ohne dass er einzuräumen brauchte, er sollte sich verachten oder hassen. Der Vater beschloss, ihn gewähren zu lassen, so lange er wollte und wie er wollte. Fahre in deinem Leben so fort, sagte er. Verlange Geld von mir! Ich bin nicht reich und würde die grosse Bürgschaft des edlen Otto von Dystra nicht sogleich haben leisten können, aber ich habe so viel, um leidlich auszukommen. Und versprich mir, jeden Morgen aufrichtig zu erzählen, was du am Tage vorher getan, wofür du Geld ausgegeben, was du mit Pax verhandelt hast! Ich werde dich über Nichts tadeln, ich versichre dich, mein Sohn, über Nichts. Ich werde auch Nichts verraten. Aber die notwendigkeit, dich auszusprechen, wird dir lehrreich sein. Du wirst dadurch, dass du nicht Alles in dir ersterben, ersticken lässest, dein Herz zum gegenstand deiner längeren Betrachtung wählen und dir selbst in's Auge sehen. Wo ein Geist der Spiegel des andern ist, findet sich der Eingang zur Wahrheit ... Und für seinen ängstlichen Zustand des träumenden Wandelns und Aufstehens gab ihm der Vater den einfachen und praktischen Rat