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an einem kostbar gestickten Schellenzuge klingeln und hatte schon den krystallnen Ring in der Hand ...

Hackert lehnte ab ...

Wie Sie wollen! sagte der freundliche Wirt und lenkte zu den Geschäften ein. Schmelzing erzählt mir ja Wunderdinge von dem Karl Eisold'schen Begräbniss. Er hat alle Namen aufgeschrieben, die er erkannte

Ich sah Schmelzing nicht

Er war zugegen. Es ist erstaunlich, was sich für Menschen kompromittirt haben. Der Staatsanwalt wird zu tun bekommen.

Es ist viel gesprochen worden, sagte Hackert ruhig, aber Aufregendes?

Hackert, entgegnete Pax herablassend, aber doch drohend. Sie haben keine Neigung für politische fragen. Sie sind Schmelzing überlegen in der Auffassung, aber Schmelzing beobachtet schärfer ...

Ohne hören und sehen zu können?

Pax lächelte und schlürfte seinen Mocca, den er stark trank, da es ihm an Bewegung nicht fehlte ...

Sie wissen doch, sagte er, dass es in der Gaunersprache der Revolutionärs ein Auf- und Abwiegeln gibt. Nichts ist gefährlicher als das Abwiegeln. Da werden die Leidenschaften zurückgedrängt und brechen nur um so gefährlicher in unbewachten Augenblicken hervor ...

Aha! sagte Hackert ruhig.

Leidenfrost soll in dieser Art am grab abgewiegelt haben.

Er ist, berichtete Hackert, mit einer Sendung von Maschinen auf die Güter unsres Premierministers, um sie dem dortigen Generalpächter Ackermann zuzuführen. Zwei Arbeiter, Heusrück und Alberti, begleiten ihn ...

Der dritte im Bunde, Danebrand, soll sitzen ...

Man beschuldigt ihn, den Karl Eisold durch eine Heldentat haben rächen zu wollen, die an die bekannte geschichte von Arnold von Winkelried erinnert. kennen Sie diese geschichte, Herr Oberkommissär?

Der ehemalige Wachtmeister schien die geschichte der Schweiz nicht studirt zu haben, ob er gleich mit ihr in naher Verbindung stand und einen lebhaften Briefwechsel über das "Treiben" der Flüchtlinge daselbst unterhielt.

Die Geliebte Danebrand's hat einen andern Verehrer gefunden, fuhr Hackert fort; einen Inspektor auf dem königlichen schloss Buchau. Es ist derselbe Mann, der jene Auguste Ludmer heiraten wollte ...

Apropos, Hackert, unterbrach Pax die unangenehme Erinnerung an seine Pseudo-Schwester, ich habe ein Briefchen von der Familie des Geheimrats von Harder vorgefunden. Man dankt mir sehr für Ihre Empfehlung; aber Sie haben sich einem Auftrage nicht unterzogen, den man Ihnen daselbst erteilte

In Betreff jenes zweideutigen, falschen Engländers

Ganz Recht! Das Briefchen ist schon einige Tage alt. Dieser Mensch ...

Den man auf Caution freigelassen hat ...

Etwas voreiligAssessor Müller liess sich von hohen Personen imponiren

Die Identität des Individuums, das jene charmante Dame, Madame Ludmer, zu erkennen wünscht, passte nicht auf diesen Murrayes sind völlig verschiedene Personen ... auch wollte mich Müller in keiner Beziehung zur Justiz anerkennen.

Hm! Ich meine denn doch, der Fall war wichtig. Ich habe in Hohenberg diesen Mann mit grossem Aufwand beobachten lassen und seine Gefangennehmung ist mit einem Verbrechen verbunden gewesen.

Gegen alles Das hat ein ehemaliger Diplomat, Baron von Dystra, durch sein zeugnis und eine enorme Kaution den Beweis besseren Sachverhalts geführt.

Hab' ich gehört und beauftrage Sie auch, diesen Dystra in's Auge zu fassen. Alles, nachgrade Alles wird verdächtig!

Einstweilen weiss ich, dass dieser Sonderling sich beim königlichen schloss Buchau ankaufen will und eine gewünschte Parzelle dazu erhalten hat. Er interessirt sich für das Unglück der Eisold'schen Familie und hat Louisen vorgeschlagen, sie möchte in seinem Auftrage mit ihren Geschwistern nach Buchau gehen und ihm dort Vorbereitungen treffen, dem Bau, den er auf der Ruine Tempelstein für den Sommer vorbereitet, mit Bequemlichkeit anwohnen zu können.

Sie sind gut unterrichtetsagte Pax. Doch find' ich darin nichts Staatsgefährlicheswenn nicht diese Nähe von Demokraten bei einem königlichen schloss ...

Ich meine, sagte Hackert mit bittrer Ironie, es ist sehr nützlich, dass eine neue Tochter Jephta's, eine Jeanne d'Arc der Arbeiter, von hier entfernt wird

Pax schwieg bedeutungsvoll. Er stellte sich, als verstünde er die geschichtlichen Anspielungen seines Volontairs, der eigentlich mit ihm wie die Katze mit der Maus spielte.

Das Mädchen wird schon dieser Tage gehen, erzählte Hackert. Mangold ist voraus und Baron von Dystra hat den Tempelstein gekauft. Er wird ihn im Frühjahr ausbauen lassen. Einstweilen sammelt er Handschriften, was bedenklich ist ...

Wie so?

Er sammelt Handschriften! wiederholte Hackert trocken. Ich fürchte, er wird einmal einen gewissen Brief des Majors Werdeck finden und dann einen Brief von Schmelzing's Hand mit ihm zusammenlegen und einen Kenner fragen, ob beide hände Ähnlichkeit miteinander haben oder nicht.

Hackert hatte diese Worte ruhig hingeworfen.

Pax aber blickte gross auf und schien überrascht ...

Was ist Das? Schmelzing, Werdeck?

Ich wollte nur bemerken, sagte Hackert ruhig und sehr einfach, dass Schmelzing zwar ein durchtriebener Spitzbube ist und die Kunst, falsche Handschriften nachzuahmen, aus dem grund versteht, aber er soll sein Geschäft vorsichtiger betreiben und nicht Aldenhoven, Lieutenant Flottwitz, Major Türk und ähnliche Mitglieder des Reubundes zu oft besuchen

Hackert! Hackert! sagte Pax erstaunt. Sie haben Katzenaugen! Ist gegen den Major von WerdeckWas ist denn? –

Hackert schwieg ...

Werdeck ist ein eid- und pflichtvergessner Offizier, fuhr Pax heraus. Er hat einen Umgang, den ein Mann in seiner Stellung nie