sein Wuchs, die Farbe seiner Haare, sein Wesen und Benehmen ....
Nach Allem, was man hier und da von dem Prinzen erfahren hat, sagte sie mit trockenem ironischem Humor, muss man wohl darauf rechnen, in ihm eine grosse Ähnlichkeit mit Sr. Excellenz zu finden.
Diese Bemerkung fiel natürlich allgemein auf.
Wie so? In der Tat? Mit Excellenz?
Da wir nicht hoffen können, fuhr der Schalk fort, dass der Prinz mit meinem guten Vater, den er zu hassen scheint, weil er sein Herz nicht kennt, verkehrt, so bleibt uns nichts übrig als uns an Diejenigen zu halten, die ihm ähnlich sehen. Man rühmte mir schon oft den eleganten Fuss und die kleine weisse Hand des Fürsten ....
Über diese Spitzbüberei brummte die Mutter etwas erschrocken vor sich hin und Alle fühlten, dass Melanie die Gesellschaft auf Kosten eines Mannes, der den Spott nicht merkte, unterhalten wollte. Harder errötete, er wurde unruhig. Er rückte mit dem Stuhl und schien plötzlich sprachunfähig.
Auch Eugen Lasally erschrak. Er schien an Melanie's Komödienstreichen keinen Gefallen zu finden und drückte Dies genugsam durch die Schärfe des Tones aus, mit dem er das Wort ergriff und sagte:
Prinz Egon gilt unter den Leuten, die ihn kennen, für einen halben Gelehrten. Manche seiner Universitätsfreunde nennen ihn überstudirt. Er soll erst die Rechte getrieben haben, jetzt aber ein Narr sein. Man sagt, er hat drei Handwerke, Tischler, Schlosser und noch eins gelernt, ich weiss nicht, Horndrechsler, Friseur, Kammmacher oder welches andre solide Metier!
Während jetzt besonders Herr und Frau von Zeisel über diese Äusserung eines kecken jungen Fremdlings erschraken, bestand Melanie sogleich darauf, diese dritte Profession müsste die Kammacherei sein ....
Das Haar ist die schönste Zierde des Menschen, rief sie. Ob ein Haar sich gefällig lockt oder schlicht am Scheitel fällt, ob es die Stirn bedeckt oder ihre Fläche frei erglänzen lässt, immer ist es der lebendigste Sprecher für den Charakter, der in dem Kopf unter ihm schlummert. Kammmacher, nicht wahr, Excellenz?
Herrn von Harder war diese Bemerkung allein gewidmet. Sie galt seinem Haar. Aber, im haus des Gehenkten ist nicht gut von Stricken reden. Der blick auf seine pariser Bagno-Perrücke, die Franz, sein Bedienter, wie das natürlichste Haar zu kräuseln verstand, erschreckte ihn doch. Es war ihm daher nur erwünscht, dass man vom Scherz auf Ernstes zurücklenkte ....
Wir lachen, sagte der innerlich etwas entrüstete Justizdirector von Zeisel mit beklommener stimme, wir lachen über die wunderlichen Sagen, die man sich von Sr. Durchlaucht, meinem gnädigsten Prinzen Egon erzählt. Soviel steht allerdings fest, dass Prinz Egon ein ... ein ... ein sehr unglücklicher junger Mann ist. Denn ... erlauben Sie die Bemerkung ... denn denken Sie sich eine Jugend, die allerdings nicht behaglicher, angenehmer sein konnte, als noch die reichen Mittel des Vaters, ich sage, als diese noch ... noch beisammen waren. Aber schon im genfer Pensionat muss er gefühlt haben, wieviel ... sozusagen ... wieviel Störungen in dem Hauswesen seiner Ältern eintraten. Als er, es war gerade Winter und die Fürstin in der Residenz, von Genf zurückkam ... entdeckte er ohne Zweifel die gewaltige, wie soll ich's nennen? allerdings ... die Zerrüttung des schon lange gestörten ... oder ist Das zuviel gesagt? ... nein! allerdings – des gestörten häuslichen Friedens zwischen den beiden hohen Personen. Wir sahen ihn hier gar nicht. Er bezog sogleich im nächsten Frühjahr die Universität. Nach seinen akademischen Studien lebte er mit seiner Mutter einige Wochen auf den Gütern der Familie, über die sie damals noch ... hm! hm! ... ja noch! ... im obern Gebirge frei ... ja allerdings – frei zu schalten hatte. Dann ist er, wie ganz richtig erzählt wurde, sozusagen verschollen, und was man von ihm erfuhr, war in der Tat ein wunderbares Durcheinander der seltsamsten Dinge, die er, wie man erzählt – hm! hm! treiben, wenn man diesen Ausdruck brauchen darf – treiben soll und unter Anderm allerdings auch die Nachricht über seinen Entschluss, sich ... wie soll ich's nur nennen? ja allerdings ... sozusagen, sich mechanische Fertigkeiten anzueignen.
Und niemals war er in Hohenberg? fragte man, nach dieser höchst discreten Rede eines taktvollen und feinfühlenden Beamten, allgemein erstaunt und sah dabei auf Guido Stromer, der noch immer abwesend und wie in Träumen verloren schien.
Herr Pfarrer! Herr Pfarrer! hiess es, wo waren Sie?
Ei! ich wette, sagte Melanie, Sie sind noch immer bei der Scene mit dem Maler Heinrichson. Ja! Ja! Sie überlegten, wieviel Genuss Ihrer verstorbenen Freundin, der Frau Fürstin, die Bekanntschaft mit dem Album der Frau von Trompetta verschafft haben würde.
Guido Stromer war allerdings noch bei jener Scene, aber im völlig andern Sinne. Dennoch sammelte er sich und sagte:
Ich leugne nicht, dass ich das Vertrauen der Fürstin in seltenem Grade besass, und überlegte bei mir im Stillen, wie sie wohl eine so erpresste Wohltätigkeit, von der fräulein Melanie erzählte, beurteilt haben würde. In ihrem geist sagte ich mir: Wenn der Künstler soll