natürlich überzeugt hatte, dass es ihm unmöglich war, einen Türken zu bekehren (aus Rücksicht auf unsre Bedienung, sagen Sie wohl nicht: Einen Mohren weiss zu waschen? schaltete der Chevalier unruhig ein und setzte seinen Curaçao auf den Tisch zurück), kehrte Ignaz nach Europa zurück und beschloss, das Kreuz unter den Christen selbst zu predigen.
Die inzwischen eingetretene Reformation bot ihm für diese eigentümliche Auffassung der Kreuzzüge – später haben die Freimaurer sehr geistlos dieses nach innen gewandte Tempelbauen und Tempelpflegen nachgeäfft – bot ihm, sag'ich ...
Rudhard biss sich auf die Lippen und räusperte sich.
Ich sage, fuhr der General fort, später bot ihm die Reformation ein günstiges Schlachtfeld und wiederum ehrte es den Krieger, dass er geistige Waffen vorzog –
Gift und Dolch! schaltete Rudhard heftig ein.
Voland liess sich nicht aus seiner Ruhe bringen.
nennen Sie Das Gift und Dolch, sagte er, dass Ignaz, ein drei und dreissig Jahre alter Soldat, in Barcelona sich in eine kleine Knabenschule setzte, unter Kindern ein Fibelschütz wurde und lateinisch lernen wollte? Ignaz zog nach Alcala und Salamanca als alter bemooster Bursch, in der einen Hand den heiligen Augustinus, in der andern seinen alten Hieber, der ihm noch manche schlimme Händel zuzog und manchen Rückfall in die alte Landsknechtssitte zu verantworten gab. Überall zog der alte lateinische Knabe ein consilium abeundi und wanderte mit ein paar Commilitonen nach Paris, wo er endlich mit den Wissenschaften Ernst machen musste und in seinen harten, des Denkens ungewohnten Kopf wenigstens so viel Logik und Scholastik hineinbrachte, dass man ihm bei den Jakobinern die Magisterwürde erteilte.
Bei den Jakobinern? bemerkte der Ritter Rochus künstlich erschreckend. Er war aus seinen Depeschen und Zeitungsnachrichten her gewohnt, mit diesem Namen jede Debatte abzuschliessen. Bei den Jakobinern, General? Schlimme Vorbedeutung!
Ignaz, fuhr aber Voland unbekümmert fort, Ignaz behielt seinen Zweck, einen neuen geistlichen Ritterorden, einen Orden des damaligen Geistes, zu stiften, im Auge, fand jedoch üble Aufnahme bei den bequemen Professoren der Sorbonne, die lieber in Ruhe ihre Pfründen verzehrten und die Ketzer mit Traktaten widerlegen wollten. Man drohte ihm oft mit Rutenstreichen. Dennoch fand er Anhänger. Nicht viel. Ihrer fünf bis sechs ...
Fünf bis sechs? fuhr fast unwillkürlich Dankmar auf, der gespannt zuhörte und den bekannten Tatsachen, die er von dieser Seite aus sonst nie beurteilt hatte, ein neues Licht abgewann.
Nicht mehr, HerrWildungen! erzählte der General. Mit diesen wenigen Männern verabredete sich der alte lateinische Haudegen zu einem Bunde, der später so allmächtig wuchs. Sie gingen aus Paris in ein entlegenes Kloster, stiegen dort in unterirdische Kapellen, nahmen das Abendmahl und schwuren, entweder nach Jerusalem zu wallfahrten oder nach Rom, um sich dem heiligen Vater zu Füssen zu werfen und ihre Dienste ihm anzubieten.
Sie zogen die kürzere Reise nach Rom vor, bemerkte Rudhard nicht ohne Bitterkeit.
Nicht ohne anderswo erst jene Anerkennung zu verdienen, sagte Voland, die sie später in Rom allerdings fanden. Sie gingen nach Venedig und andern Städten Oberitaliens, wo sie predigten, eine Art innerer Mission trieben und von Visionen sprachen, die ihnen geworden wären. Man hat diese Visionen für Lügen erklärt. Ich glaube wohl, dass sich die jungen spanischen und französischen Schwärmer selbst belogen. Aber ich weiss nicht, ob es nicht aufrichtiger, jedenfalls poetischer ist zu sagen:
Ich sah die Mutter Gottes und hörte ihre Worte, die mir Ermunterung zusprachen, mich im Dulden stärkten, mich mit der künftigen Märtyrerkrone trösteten, oder, wie dies bei den Freimaurern der Fall ist, mit geheimnissvollem Grauen und eleusinischen Entüllungen zu locken und das Nichtssagende, oft Triviale in ein Gewand allegorischer Bedeutsamkeit zu hüllen. Das Auge sieht den Himmel offen! So spricht der Mensch vermöge seiner höhern Inspiration und seiner Ahnung eines grossen Jenseits. Aber das Auge sieht einen Vorhang offen, eine Gardine, einen Lappen offen – welche Torheit!
Diese Äusserung verriet eine innere glühende Schwärmerei, die sich hinter Kälte und weltmännischer Glätte verbarg.
Wie kommen Sie zu dieser Polemik gegen die Freimaurer? fragte der Ritter Rochus. Die Freimaurer haben sich in jüngster wilder Zeit ausserordentlich bewährt!
Und ich fürchte fast, sagte der Wirt, der seine kurzen Beine übereinanderschlug und in einer Sophaecke fast verschwand, Rudhard ist selbst ein Freimaurer ...
Ich muss in diesem Falle um Entschuldigung bitten, bemerkte angeregt der General. Ich bewege mich auf diesem ganzen Gebiete religiöser Wirren und Streitfragen nur als Dilettant und Geschichtsfreund. Allein das Kapitel von den geheimen Gesellschaften führt unwillkürlich auf Vergleiche und ich weiss den Orden der Jesuiten mit keiner andern historischen Erscheinung in Analogie zu bringen, als dass ich ihn an die alten geistlichen Ritterorden anknüpfte und endlich andeutete, wie der letzte Versuch, die Templerei wieder in Schwung zu bringen, eben die Freimaurerei ist. Lassen Sie uns alle Ausartungen des Jesuitenordens bei Seite stellen, vergleichen Sie, was dieser Orden, der, als ihn der Papst bestätigte, zehn, sage zehn Mitglieder zählte und was die Freimaurerei bewirkte?
Ich bin, nahm Rudhard jetzt das Wort, kein leidenschaftlicher Maurer. In Russland sind alle geheimen Gesellschaften verboten und mit Recht. Die Menschheit soll in offner Form leben und ihr Licht da leuchten lassen, wo es die Finsterniss bedarf. Sie hören daraus nochmals, dass ich kein leidenschaftlicher Maurer bin. Aber Sie sind ungerecht, Herr General! Die Jesuiten hatten in ihrer Art trefflich gewirkt. Der Kreuzzug gegen die Ketzer