im Jahre 1310 in Deutschland de jure, aber nicht de facto aufgehobenen Tempelherrenordens, begann der General sogleich im sichersten Vollgefühl der Tatsachen. Jener Tempelstein diente mehr der ritterlichen Bestimmung des Ordens, während die an seinem Rükken gelegenen Trümmer einer Abtei angehörten, an die sich die kirchliche Bestimmung desselben schloss. Der Tempelstein lieferte die zahlreichsten Contingente nach dem gelobten land und entsprach in dem im Ganzen schon damals geistig trägen westlichen Teile Deutschlands noch am Meisten der Bestimmung der Tempelhöfe, nämlich nur Werbeplätze zu sein für die Kreuzzüge. Da sollte die Trommel mit der Predigt, das Exercitium auf dem Waffenplatz mit der Messe abwechseln ...
Der Ritter Rochus lachte über die beginnende Salbung des Vortrags und die Fährte der Ideen, in die hier der General geriet ...
Ganz so wie manche fromme Generäle es jetzt bei Euch hier halten wollen, bemerkte Otto von Dystra zu nicht geringem Erstaunen des fein lächelnden Dankmar, der entweder bei ihrem sonst so freundlichen Wirte eine offenbare satyrische Absicht auf den General voraussetzte oder annehmen musste, dass Otto von Dystra die gegenwärtige ideelle Stellung seines Jugendfreundes nicht kannte ...
Vom Beten, bemerkte Rudhard, mag damals doch wohl nicht viel geworden sein, soviel Breviere die Ritter auch in ihrem Sattelzeuge versteckt haben mochten. Die Templer sind als übermütige Kumpane im ganzen Mittelalter verschrieen gewesen und das Sprichwort ging überall: Er trinkt, wie ein Templer!
Diese rationell-kritische Bemerkung streifte natürlich den Duft sehr von den Erinnerungen ab, auf die General Voland mit besondrer Vorliebe einging.
Ausnahmen! sagte er, den dunkelschwarzen Kaffee schlürfend. Späterer Verfall! Unter den Johannitern schlummerte leider der grosse weltistorische Zweck dieses Ordens immer mehr ein und zur Zeit der Reformation waren seine Besitzungen nur eine Beute der Habgier und Gewissenlosigkeit von Seiten der untreuen Ritter selbst. Ihr Ahn, Hugo von Wildungen nur, blieb mannhaft und stät ...
Wir sind hier in der Stadt Rom, bemerkte Dystra, der die Genealogie der Wildungen'schen Ansprüche nun kannte. Stocken Sie nicht, Voland! Man darf hier Das scheinen, was man ist.
Die Weine des Hotels schienen auf ein gewisses Negligé der Verhältnisse und Äusserungen gewirkt zu haben.
Doch nicht Jesuit? sagte Rudhard gereizt. Ich gönne unsern Freunden Dankmar und Siegbert alle Schätze dieser alten Verlassenschaft aus dumpfen und geistesunfreien zeiten, aber im grund stammen Ihre Ansprüche von der jesuitischen Pfiffigkeit her, dass Rom sagte: Hugo von Wildungen hat mannhaft und stät gehandelt, wie der Herr General sagen, allein die Klugheit gebeut, in partibus infidelium, unter den Ketzern, festen Fuss zu behalten. Wir dispensiren ihn von dem Ordensgelübde persönlichen Nichtsbesitzes und gestatten ihm, sein teil zu nehmen, wie die andern Räuber auch.
Ritter Rochus, der im Cigarrendampf sich etwas unbehaglich fühlte, horchte auf. Dieser Erguss sprach seine Ansicht aus, er kam ihm nur etwas zu scharf stylisirt vor. Er war solcher Derbheiten im Urteilen entwöhnt und hatte sie früher nur als Gelehrter oder in Korrespondenzen an Zeitschriften gekannt.
Ich bezweifle, sagte General Voland mit der ihm eignen Ruhe, dass diese Licenz des päpstlichen Stuhles eine jesuitische Einflüsterung war.
Ich bezweifle es nicht, sagte Rudhard mit Nachdruck;
aber der General erwiderte:
Mein Grund ist der, dass jene Licenz des Komturs Hugo von Wildungen aus dem Jahre 1539 stammt, die Bulle aber, die den Orden der Jesuiten bestätigte, vom Jahre 1540 herrührt, dem 27. September 1540.
Dankmar staunte teils über die Bekanntschaft mit seinen Angelegenheiten, teils über des Generals vielseitigste Kenntnisse, und Dystra musste über diese treffende Widerlegung lachen. Er bat den Pfarrer, sich mit dem General, der sehr wenig gegessen hatte, an dem Brete mit Dessertweinen zu versöhnen, das eben Spartakus voll kleiner geschliffener Gläser servirte und damit den ganzen Beifall des Ritters Rochus fand, der über Weine und Süssigkeiten so scharfsinnig sprechen konnte wie ein Philolog über verschiedene Lesarten.
Rudhard war aber in seinem Fahrwasser. In solchen Ideengängen gab er sich nicht zufrieden und stiess mit Niemand gleich versöhnt an. Er behauptete, es hätte Jesuiten gegeben, lange vor der förmlichen Anerkennung des Ordens. Der Jesuitengeist, sagte er sogar mit Paradoxie, ist älter als Loyola. Hildebrand und Innocenz waren schon Jesuiten ...
Wenn Sie es so meinen, Herr Pfarrer, bemerkte der Chevalier vom Westen, so haben Sie Recht. geben Sie nach, Herr General! Bei einem Glase so vortrefflichen Curaçao kann man die Jesuiten nur deshalb leben lassen, weil sie sich um die Bodenkultur Amerikas verdient machten.
Der General war aber in seinem Vorteil. Siegreich wie ein Wörterbuch, majestätisch wie ein Conversations-Lexikon, äusserte er Folgendes:
Loyola nahm die idee der geistlichen Ritterorden wieder auf, aber in andrer Gestalt. Er wollte mit den Waffen des Geistes kämpfen. Der Geist jener zeiten war der Glaube. Loyola, selbst Soldat, von unbestrittner Tapferkeit, ist – ich teile seinen Fanatismus sonst nicht, ob ich gleich Katolik bin – Loyola ist deshalb ein so merkwürdiger Mensch, weil er im stand war, als Krieger die Macht der geistigen Waffen anzuerkennen. Es verrät viel Einsicht, dass er fühlte, wie sehr das Rittertum der Waffen im Abnehmen war. Er ahnte schon das Schicksal des Don Quixote, den Cervantes zum letzten Ritter des Mittelalters machte, und zog für sich ganz allein nach dem gelobten land, um die Türken nicht mit dem Schwerte, sondern durch den Glauben zu bekehren. Er war ein Kreuzfahrer auf eigne Hand. Als er sich