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wo sie könnten angebracht werdenhofft er aus Ersparungen bei Dichterhonoraren zu bestreiten. Ich hoffe, die deutsche Literatur leidet nicht darunter, sonst nähm' ich die Tiere, die Cicero eben in den Dekorationsspeicher des königlichen Teaters gefahren hat, gern wieder zurück, so unausstehlich mir auch nachgrade ihre Capriolen und ihre menschenähnlichen Vertraulichkeiten wurden.

Ein lautes Schluchzen im Vorzimmer unterbrach

diese von dem kleinen im Vorzimmer gravitätisch auf und abschreitenden Mann launig vorgetragene Erzählung.

Mein Himmel, was ist denn Das wieder? rief der

Tourist, der sich gern einen Weltspaziergänger nannte;

heulen diese schwarzen Kaiserlakaiensöhne um

meinen verringerten Hofstaat?

Damit öffnete er, pfiff sein: Huit! und fragte auf

Englisch: Was gibt es da? Cicero, was plagt dich wieder? kommt dir wieder was vom bösen geist vor, den ihr schwarzen Engel in Angora als weiss angebetet habt?

Obgleich Cicero der Beredtsame hätte sein sollen, so war es doch Spartakus, der das Wort ergriff und mit untermischtem Schluchzen die Worte vorbrachte:

Popo fortWauwau fortZickzick fortPrinzess Pom-padour fortAlles fort

Um diese Kameraden macht Ihr den Lärm? Ihr Narren! Hol' Euch der weisse Geist und noch ein aschgrauer! Die ganze Stadt Rom hier wird über Euer Heidentum zusammenlaufenSchämt Euch

Nicht die Tiere kneipen uns, sagte der beredte Spartakus mit der goldnen Ringcravatte (Cicero trug eine silberne), nein, Massa! Du sagst auch: Spartakus fort! Cicero fort!

Ah, Das ist Euer Kummer? Ihr denkt, ich nahm Euch nur mit, um Euch an meine alten Freunde zu verschenken, wie meine Papageien und Boston'schen Windspiel-Pinscher?

Spartakus und Cicero schluchzten bejahend und verrieten, dass Das ihr ganzer Kummer wäre.

Hat Euch vielleicht der Geheimrat von Harder scharf in's Auge genommen?

Ja, Massa! sagte Cicero.

O Das ist einzig, wandte sich Dystra zu Mangold. Die Zauberflöte scheint Ihrem Chef zu Kopf zu steigen. Es ist ihm etwas von einem Mohren Namens Monostatos eingefallen. geben Sie Acht, er hat es in seinem wütenden Gründlichkeitseifer auf meinen Cicero abgesehen, um die Vorstellung vollkommen zu machen. Nein, nein, Ihr schwarzen Krausköpfe, ich hatte zwar so etwas im Sinne, dich Cicero an die Fürstin Wäsämskoi, dich Spartakus an Comtesse Olga zu verschenken, allein da Ihr doch so dumme Teufel seid und die Menschen liebt, die Euch nur ein moralisches Huit! mit der Zungenpeitsche geben, so will ich Mitleid haben und Euch so lange bei mir behalten, als wir Alle zusammen das Klima von Buchau hinterm Rheine vertragen können.

Wie die beiden Neger diese Trostesworte hörten, stiessen sie ein heulendes Freudengeschrei aus, küssten Dystra's hände und wollten sich vor ihm niederwerfen, was er aber mit den Worten verhinderte:

Gut! Gut! Es ist schon abgemacht! Sorgt für unser Diner und betrinkt Euch erst, nachdem Ihr servirt habt, hört Ihr?

Mit diesen Worten schloss Dystra die Tür und konnte nicht anders, als Mangolden Recht geben, der über diese Scene seine Freude äusserte ...

Welche Dankbarkeit! sagte Mangold. Welche Hingebung und Liebe! Sie würden lange bei uns suchen dürfen, bis Sie so viel anhänglichkeit fänden.

Diese Treue steht hoch und niedrig, wie man es nimmt, antwortete Dystra. Es ist die magnetische Gewöhnung dieser Menschen an meine Persönlichkeit und nicht nur die moralische Persönlichkeit, sondern gradezu die physische. Wir ignoriren in der Tat den Körper zu sehr, wir achten ihn zu gering und sind darum auch im geist zurückgeblieben. Wenn man die Menschheit immer nur dem geist nachjagen sieht, so kommt sie aus der Bahn ihrer natur und verirrt sich aus lauter intellectuellem Drange oft in's Grausame und Unnatürliche. Mir ist dieser ganze Wirrwarr in Europa ein unnatürlicher, dem innersten Menschentum entrückter. Wir haben uns zu sehr auf die Potenzirung unsrer Empfindungen verlassen, sind in den feinen Sonnenstäubchen der idealischen Welt zu sehr verloren! Niemand will irren, Jeder will wahr sein und Alles lügt. Ich suche Menschen, die das geheimnis des Daseins in sich selber suchen, in der entwicklung der natur, die ihnen die Geburt einmal mitgab, ich finde sie nicht. Ein Gespinnst von Ideologie, das hier Alle in Kirche, Staat, Gesellschaft beherrscht, umwickelt die Handlungen dieser ganzen Generation, die in himmlischen Leibern schon auf Erden wandeln will und in Zorn und Wut gerät, wenn sie an die Bedingungen ihres Daseins, die Luter doch den alten Madensack nannte, erinnert wird. Aber was wollte denn mein alter Freund der Intendant? Ich staune, wie gehänselt und genarrt ich diesen ehemaligen unanstelligen Mann verliess und was für ein grosses Tier ich in ihm wiederfinde! Diesem mann überträgt die unverbesserliche Etikette des Hofes die Fürsorge für ein geistiges Institut! Das erinnert mich an die russischen Generale, die man in Moskau zu Direktoren der schönen Künste und Wissenschaften macht.

Ich habe, berichtete Mangold, zehn Jahre mit diesem mann gemeinschaftlich die Gartenkultur der königlichen Lustschlösser gepflegt und ihn als einen zwar beschränkten und in der Erziehung vernachlässigten, aber dennoch ehrgeizigen und in seiner Art wirklich tätigen Menschen kennen gelernt. Da er das Grosse nicht fassen und übersehen kann, hält er sich an das Kleine und zieht alle Gegenstände seiner Amtssorge in diese geringe Sphäre herab, in der er vermittelst seiner adligen und Hofwürde doch gross erscheint. Als gehorsamst Untergebener liess ich ihn walten und schalten und tat doch Das, was getan werden