, die uns zusammenhält, obgleich noch kein Eid uns bindet, keine Symbolik in Bücher oder mündliche Tradition niedergelegt ist, wirkt doch schon der Geist im Stillen und die Liebe sehnt sich mächtig, die Ihrigen zu umfangen. Ich weiss, Leidenfrost und Sie, bester Major, haben Würdige gefunden. Die Namen nennen wir nicht. Wir wissen nicht, wir glauben nur. Und dass Ihr Vertrauen sich nicht täuschte, beweist z.B. dieser Brief, den ich gestern empfing. Er ist ohne Namen. Lesen Sie diese Worte.
Damit zog Dankmar einen Brief aus dem Portefeuille, das er auf der Brust trug, entfaltete ihn und zeigte ihn am Tisch rundum. Er lautete, eingeführt mit den vier Kleeblattpunkten:
**** "Sie verlieren die zweite Instanz Ihres Prozesses! Dieser Tage erhalten Sie das erkenntnis. Wagen Sie den Versuch der letzten Entscheidung bei'm Obertribunal! Der alte Nestor unsres Justizwesens, der greise Herr von Harder, interessirt sich für diesen Gegenstand. Die Stadt rüstet sich bereits, die Möglichkeit zu erwägen, wenn sie den Prozess verlöre. Der Rat hat in geheimer Sitzung diskutirt, ob für diesen Fall nicht die Verausgabung von zwei Millionen Stadtkammerscheinen erlaubt werden dürfte."
Man freute sich über diese Mitteilung. Sie kam jedenfalls von einer wohlwollenden Persönlichkeit, die Dankmar vielleicht nicht einmal kannte. Man prüfte die Handschrift und Niemand wusste, wo er sie hinbringen sollte.
So wächst denn unsre Saat, fuhr Dankmar fort, und die Ernte wird immer grösser werden. Ich gewinne Meinungsgenossen, diese schon Andre und so dehnen sich die Glieder einer Kette aus, die wir nicht mehr ganz übersehen können. Wer weiss, ob diese Worte nicht von einem mann kommen, der uns durch Sie, Major, oder durch Leidenfrost gewonnen wurde.
Leidenfrost bemerkte, dass er werbe, aber schwerlich so glückliche Erfolge haben würde wie die Andern. Dennoch hätte auch er schon Zeichen empfangen, dass man ihn als einen Bundsgenossen kenne; auch er müsse einen Brief vorlegen, den er mit demselben Symbole der vier Kleeblätter erhalten hätte und offenbar wäre er von einer andern Hand als der, die an Dankmar geschrieben.
Der Brief, den er hervorzog und mitteilte, lautete:
**** "Werben Sie für unsre grosse Sache, aber suchen Sie nur Männer zu gewinnen, die in der Gesellschaft Ihnen gleich- oder über Ihnen stehen! Sie sind in der Rangordnung Ihres Verdienstes vielleicht ein König, nichtsdestoweniger werden Sie einräumen, dass in Ihrer gesellschaftlichen Situation Sie noch hoch emporzublicken haben. Vertrauen Sie die Sache des Bundes, die Kennzeichen, den Namen der Beteiligten Keinem, der unter Ihnen steht, keinem Handwerker, keinem Mitgliede der Arbeitervereine, am wenigsten jenen Künstlern, mit denen Sie seit einiger Zeit verkehren. Schauspieler haben noch immer von ihrer alten gesellschaftlichen Lebensstellung soviel an sich haften, sind noch so beengt und eingeschüchtert von dem alten Vorurteile, das ihren Stand verfolgte, dass Sie in dieser Sphäre bei jedem Worte des Vertrauens, das Sie schenken, voraussetzen müssen, man brüste sich mit ihm. Nur die Schauspieler, die eine un-bestrittne Meisterschaft besitzen – und wie wenige sind Deren! – rühmen sich ihrer Protektionen nicht; auch sind zuviel unter ihnen Freimaurer, vor denen wir uns aus Gründen zu hüten haben. Wenn Sie den Grundsatz festgehalten hätten, dass der Gesell nur einen Meister gewinnen soll, nie der Meister Gesellen, so würde' ich nicht nötig haben, Sie auf's Ernstlichste zu warnen. Sie stehen auf der Liste der von den Behörden Beaufsichtigten. Ihre Reden in den Arbeitervereinen müssen Sie einstellen. In dieser Weise wirken Sie nichts und entziehen der guten Sache Ihre frische Kraft, deren Misbrauch auf der Breterwelt hoffentlich nur ein vorübergehender sein wird."
Leidenfrost trug diesen Brief so komisch vor, dass er trotz seines ernsten Inhaltes Lächeln erregte. Alle drei seiner Bundesgenossen gestanden zu, dass er eine wenn auch einseitige, doch gute Lektion bekommen hätte. Man riet, von wem dieser Brief kommen könnte. Wer weiss, ob nicht von Jagellona Kaminska! sagte Dankmar und verriet damit, dass der Major seiner Frau wohl geplaudert hätte. Leidenfrost errötete fast und Werdeck lehnte jeden Verdacht der Indiskretion ab. Louis Armand aber erschrak so heftig über diesen Namen, den Dankmar nannte, dass er sich nicht länger halten konnte, sondern seine Vermutung aussprach, wohl gar mit dieser Polin verwandt zu sein. Die Genealogie des jungen Franzosen wurde erörtert, die Familientradition bis auf ihre ersten Ursprünge verfolgt und zu allgemeinster Überraschung stellte sich über allen Zweifel heraus, dass die Majorin von Werdeck die Tochter jenes Stanislaus Kaminski war, der 1794 nach der Schlacht von Maciejowice von den Russen gefangen, nach Sibirien geschleppt wurde und auf einem Fluchtversuche im Jahre 1812 um's Leben kam. Ein Enkel des glücklicheren Taddäus Kaminski war Louis Armand. Voll Liebenswürdigkeit umarmte der Major seinen Anverwandten und drang in Louis, ihn seiner Gattin vorstellen zu dürfen. Nur aus Schonung für Leidenfrost brach man diese Erkennungen ab, die den blick wie auf einen wunderbaren Baum eröffneten, dessen Äste und Zweige, wenn auch vom Blitze gespalten, doch sich zu nahen wussten und in inniger, neuer Verschlingung auf dem uralten Stamm die heiligen Schauer weckten, die wir vor dem geheimnissvollen Walten in Zeit und Raum empfinden.
Wer nun auch dieser strenge Warner sein möge, lenkte Dankmar ein, die Schutzgeister der toten oder der Lebendigen, die schon aus allen zeiten und Zonen über uns zu wachen scheinen, sie haben einen