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dummes Zeug dasaber gemalt macht sich's ... und diesen Schwan, den liess ich aus Dänemark kommen ... Und so mein' ich fast, auch die Meerkatzen müssten doch eigentlich ... Nun erinnerte ich ihn, da ich seine tiefen Absichten verstand, an seinen Vater und dessen kleine Menagerie in Tempelheidenein, sagte er, mein Papa hält keine MeerkatzenMeerkatzen sind Affennicht wahr, Affen? – Affen, Excellenz! ... Nein, Papa liebt die Affen nicht, der gute alte Herr hat die Manie, Tiere zu bilden, aber die Affen mag er nicht, weilich habe den alten Papa Das sehr oft sagen hören, weil ... weil ... Excellenz stockten; ich ergänzte: Weil die Affen an sich die Karrikaturen der Menschen wären und nur den tollgewordenen Verstand der Tiere bezeichneten? – Richtig, brav, Leidenfrost; aber ich habe eine andere Auskunft. Da ist der Baron von Dystra angekommen, ein kurioser Heiliger, der einige Mohren und unter Andern auch Meerkatzen ausich weiss nichtwelchem Weltteile von Australien mitgebracht hat. Zu dem will ich doch wegen dieser Scene gehen. Ich denke mir doch interessant, wenn wirUm Gotteswillen, Excellenz, rief Döbereiner, doch keine natürlichen Meerkatzen auf die Bühne bringen? Der Intendant stand still und sah forschend auf mich. Er hatte sich in der Tat im Stillen gedacht, dass eine Hexenküche mit natürlichen Meerkatzen viel aufsehen erregen, und da er sehr ehrgeizig ist, vielleicht in der Kunstgeschichte ihm einen Namen erwerben würde. Ich konnte aber doch, um die unglücklichen Schauspieler zu erlösen, nicht anders, als sagen: O auf dem Tanzsaale oben, Excellenz, lassen Sie diese Jungen nur die Kapriolen der Meerkatzen des Herrn von Dystra beobachten und jedenfalls die in der Garderobe für diesen Zweck vorhandenen Kostümes nach diesen gewiss höchst echten australischen Meerkatzen korrigiren, respektive ganz neu anfertigen ... Vortrefflich, sagte der Intendant, schob die Vorstellung des Faust, obgleich schon alle Billets vergriffen sind, wieder auf zwei Tage hinaus und begab sich ohne Zweifel direkt zum Herrn Baron von Dystra mit dem erhebenden und gewiss in der Königs- und den Prinzenlogen zur vollsten Anerkennung kommenden Bewusstsein, dass er aus Goete's Faust das in ihm gar nicht vorkommende gekrönte Kind meuchlings weggemolcht hatte, dagegen aber die Hexenküche mit treuen, fast lebendigen, jedenfalls der natur abgelauschten Meerkatzen neu bereicherte.

Diese mit dramatischem Talente vorgetragene Erzählung des humoristischen Malers versetzte die kleine Gesellschaft in heitre Stimmung. Man rauchte, man schlürfte den braunen Trank und tauschte seine Erlebnisse aus. Auch Louis musste erzählen und wurde von Werdeck besonders dazu aufgefordert, da der von ihm im Forstause erlebte Vorfall in den Zeitungen, die zu jener Zeit, um ihre plötzlich vergrösserten Spalten zu füllen, Alles und Jedes aufrafften, schon berichtet und verkehrt genug entstellt war.

Louis fand dadurch gelegenheit, über Murray zu sprechen und sein Interesse an dessen unglücklichem Schicksale durch eine Schilderung seines Charakters zu begründen. Er vermied dabei natürlich jede Andeutung über dieses Mannes wahre geschichte. Für Dankmar war seine Erzählung besonders auch deshalb unterhaltend, weil er die Lokalität dieses Vorfalles kannte, durch den blinden Schmied und seine Beihülfe zur Unterschlagung des Schreins selbst in die grösste Verlegenheit gekommen war und vor jener Ursula Marzahn nach Heunisch's Mitteilungen selbst Grauen genug empfunden hatte. Freilich fügte er hinzu, dass hier zu helfen schwierig sein würde und dass kaum etwas Andres möglich wäre, als den gang der Untersuchung abzuwarten. Bedenklich bliebe unter allen Umständen der Besitz eines Terzerols, die jähe, vielleicht übereilte Anwendung dieser Waffe, die zu einer vollgültigen Zeugenaussage unzurechnungsfähige Verstandesschwäche jener Frau, die ihm so hexenartig erscheine, dass, setzte Dankmar hinzu, Herr von Harder sie eigentlich noch für den neueinstudirten Faust auch benutzen müsste, wenn dann nur nicht wiederum eine neue Störung des Repertoirs würde einzutreten haben.

Da Louis zuletzt jenes Otto von Dystra Erwähnung getan und bemerkt hatte, ob ein Mann, der Murray so nahe stünde und einflussreich scheine, nicht auch in das Interesse einer Verwendung für den Gefangenen gezogen werden sollte, schloss Dankmar seine klare und rechtskundige Darstellung dieses Falles mit den Worten:

Ich billige vollkommen, dass man diesem die Not seines Freundes anzeigt. Wer die Freundschaft eines so vortrefflichen Menschen, wie Sie Murray schildern, besitzt, muss für edlere Dinge als die Kapriolen von Meerkatzen Sinn haben. Ich will Sie, da Sie es wünschen, noch heute Abend zu diesem mann begleiten.

Louis dankte erfreut. Ein Stein fiel ihm vom Herzen. Auch die Andern lobten ihn für seinen warmen Anteil und fanden es freundlich von Dankmar, dass er sich diesem Ersuchen nicht entzog.

Da Louis diese Last etwas erleichtert fand, hörte er jetzt mit um so grösserer Aufmerksamkeit den Erörterungen zu, die sich über die gemeinsame Angelegenheit ihrer Ordensstiftung erhoben. Der Gegenstand war zu wichtig, zu bedeutungsvoll, als dass er ihm nicht mit Freuden diesen Nachmittag hätte opfern sollen.

Wir haben uns, begann Dankmar, nach jenem Abend plötzlich getrennt, sind da- und dortin auseinandergestoben, aber der Funke begleitete uns und zündete. Auch am Sterbebett meiner teuersten Angehörigen beschäftigte mich unser grosses Ziel und von Ihnen AllenSiegbert ausgenommenhör' ich, dass Sie gewirkt haben. Meine Hoffnung, dem Bunde unser Erbe zuzuführen, wird immer schwankender, ich gebe sie auf. Dennoch, ob wir gleich noch nicht eine Form gefunden haben