Stille mit nach haus genommen, wo sie zum Punsch verwendbar sind. Dankmar, wenn Siegbert da wäre, würde ich anständig condoliren. Da Sie es sind, denke' ich nur wieder:
Sie hätte auch gelegner scheiden können – es hätte
Sich bess're Zeit für solches Weh gefunden.
Das wohl! sagte Dankmar und setzte nach einer Weile hinzu: Aber Sie sind ja schon im besten zug Ihrer teatralischen Carriere, mengen Macbet und Faust zusammen wie Kaffee und Sahne – bedienen Sie sich, meine Herren!
Das Beispiel meines Chefs, der ästetisch solchen Milchkaffee liebt, sagte Leidenfrost, die Cigarrenbüchse hervorziehend, steckt mich an! Herr von Harder, mein gegenwärtiger Schiffspatron, steuert immer Nord-Nordost, wenn die Boussole der Literatur, Kunst und gesunden Vernunft Süd-Südwest zeigt. Schiller und Goete ist ihm ein- und derselbe verschwommene, allgemein klassische, kassenverderbliche Begriff, nur dass er wenigstens aus den ästetischen Anfragen der Hofdamen herausfühlt, dass in der grauen Nebelgegend, Schiller genannt, etwas mehr Sittlichkeit herrscht, als in der grauen Nebelgegend Goete und umgekehrt, dort mehr Zeitgeist, als hier. Es ist prächtig. Auch Faust und Macbet, die er beide einmal gesehen haben muss, in Wien, München oder Vaduz, rinnen ihm in demselben Hexenkessel zusammen. Heute auf der probe des Faust erschien die Excellenz in selbstpersönlichster person und wollte sich um das Arrangement der Hexenküche Verdienste erwerben. Wo kommen denn die Könige her, die dem Faust erscheinen, fragte er mich mit dramaturgischem Vorstudium und die Künstler lauschten, sich auf die Lippen beissend, in demütiger Entfernung. Welche Könige, Excellenz? fragt' ich dienst-untergebenst. Nun, ich denke, ich habe Das schon einmal gesehen, sieben oder acht Könige, die – wie heisst der Teufel–Mephistopheles, Excellenz? Mephistopheles, ganz recht – durch einen Spiegel – vor dem Doktor Faust erscheinen lässt – ich hab's in Wien gesehen – macht sich sehr gut – es ist gleichsam, sozusagen, der ganze genealogische, der ganze genealogische – Sie meinen, Excellenz, der ganze künftige genealogische Kalender von England, Schottland, Irland – Ganz recht, von Irland – Excellenz irren sich, sagte der tollkühne, oppositionswütige Regisseur, der vortrat, Sie verwechseln Faust mit Macbet – dies kühne Wort der feindseligen gegen die Intendanz verschwornen Regie entrüstete den Geheimrat und veranlasste ihn, einen vielsagenden blick zu mir hinüberzuwerfen, ob ich ihn nicht aus Irland durch allerhand kleine Seitenwege doch dahin führen könnte, dass er diesem impertinenten Allesbesserwisser, den er nächstens ohnehin absetzen wollte, gegenüber Recht behielt – der Spiegel, sagt' ich, ist hier zur Rechten, Excellenz. Ich glaube, dass Sie auf Veranlassung des Spiegels ... Ein kleines Kind kommt vor, fiel Herr von Harder determinirt ein, ich weiss es aus Wien, ein kleines Kind kommt vor mit einem Spiegel, der Spiegel da ist zu gross und überhaupt, seien wir vorsichtig mit diesem kleinen kind – es ist gekrönt, ich weiss es sehr gut – es ist gekrönt und bedeutet die fruchtbare Dynastie von England – Sehr wahr! Aber – bemerkte der über meinen Beistand erschrockene Regisseur ... Die Dynastieen von England, sagt' ich, sind sehr fruchtbar, Herr Döbereiner; aber was wäre daran Gefahr ... Ja, sagte Excellenz, ich muss Ihnen bemerken, dass die jungen königlichen Herrschaften nicht gern an ihre liebsten Hoffnungen, an die Täuschung ihrer liebsten Träume – Excellenz wünschten die Descendenz-anspielung, das gekrönte Kind, fortzulassen? ... Er: Herr Döbereiner, streichen Sie das Kind weg – es ist für die Herrschaften störend! Der Regisseur: Aber Kindermord? Ich: Excellenz können ja auch die ganze Genealogie wegstreichen und bloss den grossen Spiegel nehmen lassen, worin Faust bloss das Bild Gretchens sieht, nachdem er den Hexentrank zu sich genommen – Er: Ganz Recht, ganz Recht, Hexentrank! Aber, es müssen drei Hexen sein – ich weiss, es waren in Wien drei Hexen – Ja wohl, Excellenz, es sind drei Hexen, allein man nimmt doch gewöhnlich nur eine; sie kommt aus dem Schornstein durch eine Flugmaschine, die ich anbringen werde und für die beiden andern Hexen nehmen wir vier oder fünf Meerkatzen, die den Brei kochen, die bekannten breiten Bettelsuppen – hm, hm, räusperte sich der Intendant und warf dann einen blick auf den Regisseur mit den Worten: Herr Döbereiner, geht Das? Es ist sogar vorgeschrieben, Excellenz, sagte dieser mit Entsetzen nach der Uhr sehende und seine Suppe und Hausfrau bedenkende Mann, seufzend vor Ungeduld. Meerkatzen? bemerkte der Intendant plötzlich und verfiel in ein nachdenkliches Grübeln; wie machen Sie denn Meerkatzen? Excellenz, sagte der geplagte Mann, dort die fünf kleinen Jungen vom Ballet werden in zusammengenähte Felle gesteckt und machen ihre Sache Abends ganz charmant! ... Excellenz: Ja, aber, bester Freund, Meerkatzen! Meerkatzen, Das ist leicht gesagt. Ich weiss sehr wohl, das sind Affen. Ich bin dafür, dass Alles vollkommen ist und die Kunst soll fortschreiten. Da ist hier der Maler Heinrichson gewesen.
Er ist jetzt in Italien! Der hat die Lady gemalt – wissen Sie, die Lady, die mit Apollo oder so einem Gott unter einer Decke spielte – wissen Sie, es war eine Muse – Wir verstehen Excellenz vollkommen – Also diese Lady hatte ein verhältnis, wo Apollo immer in Gestalt eines Schwanes zu ihr kam