ich Geld zu unserm Ringe! Darum mein Mühen und Sorgen um den Kitt unsres Gebäudes!
Louis entgegnete, dass die Männer, die er gefunden, auch ohne die Ermunterung und Schadloshaltung durch irdische Mittel sich der Ritterschaft des Geistes widmen, Helm und Harnisch antun würden für den Kreuzzug der idee ...
Um so besser, sagte Dankmar. Aber nennen Sie Niemanden! Sammeln Sie, werben Sie im Stillen! Ich bin so glücklich gewesen, dass ich wohl schon von zwanzig edlen Männern sagen kann: Sie sind die Unsrigen.
Louis staunte ...
Von Leidenfrost und Werdeck hab' ich brieflich gleiche Ergebnisse. Noch haben wir uns nicht konstituirt, noch fehlt uns die Symbolik, über die ich in nächtlichen Stunden grüble, wie einst Muhammed mag gegrübelt haben, was er von Zoroaster, Christus, Sokrates brauchen könne; noch sind mir nicht die Engel der rechten Erleuchtung erschienen und schon finden wir segensreiche Wirkungen. Lesen Sie nicht schon von vielen Orten her, dass die gefangenen Volksfreunde Mittel finden, zu entfliehen? Mancher, der das Schicksal einer Untersuchung nicht ahnt, wird bei zeiten gewarnt. Jene Beamte, die kürzlich ihre Ämter niederlegten, weil sie mit ihrer Abhängigkeit in Widerspruch gerieten, wurden schon von uns unterstützt. Es finden sich Liebesgaben, die wie wasser aus einem Felsen springen. Moses' Zauberstab wirkt Wunder. Es sind Herzen versöhnt worden, unbekannte Freunde zusammengeführt, Warnungen, Ratschläge empfängt man von unbekannter Hand und schon setzen die Vertrauten an die Spitze ihrer Briefe vier Punkte, die das vierblättrige Kleeblatt der seltenen Freundschaft bezeichnen. Alles regt sich schon, ein neuer Frühling des Geistes, ein Hoffnungslenz der Gesinnung beginnt; nur Siegbert schlummert noch. Nicht wahr, den fanden Sie wohl tief unter Träumen wandelnd? Glauben Sie, dass uns auch Siegbert Mannschaften zuführen wird?
Louis staunend über diese Schilderung konnte nichts versichern, bezweifelte es aber fast, da er sah, wie Dankmar gewirkt hatte und wie Der glühte vor innerer Befriedigung.
Siegbert wird uns Frauen nennen, die er gewinnen möchte, sagte Dankmar lächelnd. Er hatte dabei auf dem Herzen, nach Selma zu fragen ...
Schon lange lag ihm ein Wort über Selma auf den Lippen. Er wagte es nicht auszusprechen. Er war von der beklemmenden Vorstellung gedrückt: Wie, wenn sich Das, was Du mit Melanie erlebtest, bei Selma wiederholte?! Siegbert ist liebenswürdig. Er wird von Ackermann mit Zuvorkommenheit aufgenommen werden. Selma wird ihn sehen, ihn lieben. Und Siegbert? Kann sein Herz in Wahrheit bei Olga weilen, jenseits der Alpen? Kann er einer solchen Phantasie nachjagen? Auch die Fürstin Wäsämskoi, obgleich sie in unsrer Abwesenheit fast täglich hier anfragen liess, wann wir zurückkämen, kann Die ihn für's Leben fesseln? Nein, nein, das Schicksal spielt unserm Herzen zum zweiten Male eine Prüfung zu. Siegbert und Selma finden sich und dieses Band darf ich nicht lösen, wie ich die Irrung zwischen Siegbert und Melanie löste!
Und so fest stand diese Vorstellung bei Dankmar, dass er in der Tat nicht den Mut hatte, nach Selma zu fragen und auch aus Furcht, von ihr zu hören, Louis' Mitteilungen über des Bruders Lebensweise rasch unterbrach und ihn nach seinen eignen Angelegenheiten fragte. Da hatte denn Louis die Erzählung über Murray und die Bitte um Dankmar's Rat und Beistand schon eingeleitet, als man die Treppe herauf Männerschritte hörte.
Frau Schievelbein, die eben das heisse wasser in einem summenden Teekessel bringen wollte, öffnete und ein Herr im grauen Militärmantel trat auf den Vorplatz, gefolgt von einem andern, der sich Schnee und Regen aus einem dicken langzottigen Tüffelrocke abschüttelte ...
Die Kommenden waren Major Werdeck und sein Freund Max Leidenfrost.
Achtes Capitel
Das Wachsen des Bundes
Wann kommen wir All' uns wieder entgegen,
Im Blitz und Donner oder im Regen?
rief Leidenfrost, als er Louis erblickte und sich der Major über das glückliche Zusammentreffen der vier im geist Verbundenen innigst zu freuen schien.
Wenn der Wirrwarr höher steigt
Und wer Sieger ist, sich zeigt!
antwortete Dankmar, auch die Macbetexen parodirend, rückte Stühle heran, nahm dem Major den Mantel ab und schüttelte den Freunden, die er noch nicht gesehen, die hände.
Graulieschen! sagte Leidenfrost zur Frau Schievelbein, Graulieschen, was brau'st du da für ein namenloses Werk?
Erlauben Sie, sagte die Alte, um so empfindlicher über diese Anrede eines Mannes, dessen "Komplimente" sie kannte, als sie wegen eines hohen Offiziers ihrer Toilette eingedenk wurde, erlauben Sie, ich heisse Eulalia und Das wird Kaffee, wenn Sie nichts dagegen haben, Herr Leidenfrost.
Eulalia! Menschenhass und Reue! fuhr Leidenfrost im patetischen Tone fort. kommt Einer da wohl heraus aus seinen teatralischen Reminiscenzen? Ich studire gerade Goete's Faust ein und komme aus dem Arrangement der Hexenküche.
Frau Eulalia Schievelbein brummte auf's Neue über sotane Anspielungen, beeiferte sich aber, die comfortabelste Erweiterung ihrer Arrangements möglich zu machen und suchte darin wirklich zu hexen.
Wir erfuhren, dass Sie wieder da sind, Wildungen, begann Werdeck. Und in Trauer! Wir kommen, um Sie teilnehmend zu begrüssen ... Ihr Verlust ...
Nur keinen Grabsermon! fiel Leidenfrost ein. Ich hab' ihm Alles geschrieben, was ich über die notwendige Fütterung der Würmer denke und über die Seelenwanderung. Die Citronen, die die Leidtragenden in der Hand halten, werden am besten in aller