es nicht; der steht noch über diesem Dämon – gibt für seine Schlachten dem Menschen die ihm gebührende Stellung. Der Eine hier, der Andre dort. Wir haben nichts zu tun, als nach unsrer Fahne zu blicken und in den Kampf zu gehen, wenn unser Signal uns ruft. Es ist ganz in der Ordnung, dass auch Egon den ihm von dem vorigen kaufmännischen Ministerium hinterlassenen Prozess fortführt, ganz in der Ordnung, dass ich ihn verliere. Sie glauben nicht, was uns der Mensch als eine willenlose Maschine, als ein anorganisches Produkt erscheint, wenn man es abblühen und sterben sieht. Wir sind nicht frei. Wir glauben es zu sein und freuen uns nur des Quecksilbers, freier Wille genannt, das doch allein mechanisch in uns hin- und herrollt und uns alle unsre Bewegungen gibt!
Bei allen diesen Bemerkungen, die Dankmar unmutig und ungeregelt ausstiess, unterzog er sich einer gründlichen, von Frau Schievelbein unterstützten Vorbereitung zu einem gemütlichen Kaffee. Es gibt gar nichts Traulicheres, als wenn im kalten Novembersturm, auf engem, gut erwärmtem Zimmer junge Männer die kleinen Konsequenzen ihrer Garçonwirtschaft ziehen, den Frauen in ihre Vorrechte greifen, Haushälter spielen, Kaffee filtriren und ihn mit Cigarrendampf und guten Einfällen, in eine Sophaecke gedrückt, behaglich niederschlürfen.
Nun, sagte Dankmar lächelnd, als die Wirtin Tassen zurechtgestellt und erklärt hatte, sie würde bald das heisse wasser bringen, nun, wie ist es, Louis, haben Sie für das vierblättrige Kleeblatt geworben? Ist das Korn von jener Nacht aufgegangen? Fanden Sie Menschen, die würdig sind, in die kämpfende Brüderschaft vom geist zu treten?
Louis war auf Mitteilungen über Dankmar's grosses Unternehmen gefasst, nicht aber darauf, Bericht zu erstatten, was er selbst dafür getan. Er erschrak fast und geriet in Verlegenheit, ob er gleich an Murray, Oleander, Ackermann dachte.
Freund, fuhr Dankmar, als er sein Zögern bemerkte, fort, wir müssen vorläufig mit den Blicken werben! Das ist das Prüfzeichen der Wahrheit unsrer Ideen, dass wir vorläufig Menschen finden, die uns würdig scheinen, sich dem grossen, inneren Kreuzzuge anzuschliessen. Sonst lernten wir Menschen kennen, die an uns vorübergingen und von uns vergessen wurden, auch wenn wir ihnen schmerzlich nachsahen. Jetzt haben wir etwas, was uns solche Begegnungen werter macht. Einen edlen Menschen finden ist jetzt für uns eine Eroberung. Wir sollen es mit ihm machen wie Entdeckungsreisende, wenn sie Inseln im Meere finden, die Niemand kannte. Sie pflanzen das Zeichen ihrer Nation auf, nehmen feierlich im geist von ihnen Besitz und reisen weiter. Oder wie man Zugvögeln eine Kette umhängt und sie fliegen lässt, wohin sie wollen, in der Hoffnung, sie würden irgendwo über tausend Meilen durch jenes Symbol doch einen Menschen erfreuen, der da sagt: Seht, diesem Reiher hing ein Araber, ein Hindu eine kleine Kette, einen Ring um mit seinem Zeichen und dies Zeichen lautet: Ich grüsse dich, Bruder, Mensch, Freund in dem grossen Geist, ob er nun Gott, oder Allah oder Lama oder Jehova heisst. So sollen wir jeder uns verwandten edlen Intelligenz unsichtbar das Zeichen der Ritterschaft vom geist aufheften und dann ihn wandeln lassen seiner Wege. Sie führen schon zusammen zu einem Ziele!
Dankmar sprach diese Bemerkung mehr im halben Scherz, doch blickte der Ernst und die sichre Absicht durch, diese Werbungen wahr zu machen ...
Louis nahm keinen Anstand, ihm zu erklären, dass es auch ihm so ginge. Er wisse nun immer, was er mit den Menschen, die er im Leben sähe, beginnen sollte. So müssten einst die Apostel gewandelt sein und sich sogleich die Seelen herausgefunden haben, denen sie die Botschaft vom Menschensohne bringen wollten. Früher hätte er geprüft, ohne Zweck; er hätte die wertvollen Menschen vergessen oder sich ihrer nur mit jener freudigen Wehmut erinnert, die wohl den Schiffer ergreifen müsse, wenn auf dem Weltmeer ein Segel an ihm vorüberfahre. Ein Salutschuss und dann ewige Trennung! Jetzt aber halte er im geist Jeden fest und möchte ihn dauernd zu dem grossen Werke der Befreiung verbinden. Und wohl müsse er eingestehen, dass ihm auf dieser kleinen Reise schon Würdigste begegnet wären.
nennen Sie sie nicht! sagte Dankmar. Es soll unserm Bunde zur Förderung dienen, dass wir nicht wissen, wer zu ihm gehört. Jeder soll werben, Jeder soll an gewissen grossen Bundestagen Beweise dafür bringen, dass er Ritter vom geist gerüstet und gewappnet gefunden hat, aber die Erkennung sei eine zufällige! Keine Register! Keine Namen!
Louis hatte aber grade recht auf dem Herzen, von Oleander, Ackermann und besonders von Murray zu reden und Dankmar sah ihm seinen Drang dazu an.
Nicht wahr, sagte er, Ackermann scheint Ihnen würdig?
Im vollsten Masse!
Ein Grossmeister unsres Ordens! Treu, fest, wohlwollend, unabhängig. Ja, Louis, unabhängig! Das hab' ich gefunden, das ist der einzige Standpunkt, auf dem man denkt, klar denkt und für die Menschheit etwas in die Schanze schlägt. Doch hab' ich auch Viele gefunden, die edel sind und gern möchten, wenn sie könnten. Da sollt' ich helfen können! Da sollte mein Erbe, ausgehend von den geistlichen Rittern, den geistigen Rittern wieder zufliessen! Darum möchte' ich Schätze gewinnen, um die Schwachen zu ermuntern, Witwen, Waisen, die ihren Beschützer verloren, zu trösten, Unmöglichscheinendes möglich zu machen. Darum will