1850_Gutzkow_030_716.txt

, der grade rote Livreen nähte, in denen sich meine Mutter versah und sie mir an die Haare hexen liess ...

Nein, nein

Sie wollen mir nur aus Schonung verschweigen, dass meine Sucht bei nachtschlafender Zeit herumzutappen wie ein Wachender, von einer armen bettelnden Frau kommt, die des Nachts für die Reinlichkeit

Nichts da! Nichts da, Junge! Du stammst von einem hohen haus

Wo drei Balken einsam stehen, auf dem Rad die Raben krähen

Was? Wo?

Von da her, wo kein Gras im Grünen wächst und die drei Pferde, die ich umbrachte, in klappernden Knochengerüsten wiehern: Hackert's Vater handelte mit roten Hähnen!

Ah bah! Dummes Zeug! Hackert, wenn du einmal sicher bist, dass grade meine Leute in der Kirche sind, Sonntags, wenn Gelbsattel predigt oder du sonst glaubst, dass du mich allein triffst, komm' zu mir! Ich muss dir noch das Bettzeug geben, in dem du im bewussten Korbe lagst und ein Stück von einem zerbrochnen goldnen Ring, auf dem ein Buchstabe eingegraben war

Z. nicht wahr? Hinter'm Z. steckt nichts, Herr Justizrat!

Z. sagte Schlurck erstaunt. Nicht Z. mein Junge! Wenn es wirklich Z. wäre?

Warum nicht Z.? fragte Hackert.

Ein R. ist es und ich wette, vor dem R. stand ein v., als wärst du

Von Adel sogar? Justizrat, gute Nacht! Sie wollen mich um drei Taler bringen, die ich heute aus Cavaliervergnügen noch springen lasse oder Sie erleben, dass ich Ihnen jetzt vor Hochmut vorn in die Gesellschaft folge

Schlurck nahm den Scherz für möglichen Ernst und erschrak.

Bei leib nicht! Gute Nacht, Junge! Brauchst du Geld, sag' mir's. Und endlich! Einen Sonntag Morgen, wenn sie in der Johanniskirche am Bret Gesangbuch Nr. 514 singen sollen und die alten Weiber, die trübe Brillen haben, Nr. 814 singen und es doch geht, doch zusammenklingt zu Gottes Herrlichkeitdann komm' zu mir, Junge, und lass dir den halben Ring zeigen. Z. nicht. Ich glaube v.R. Ein V. gewiss! Verlass dich drauf!

Damit musste sich Schlurck entfernen. Denn eben schlug man auf dem Vorplatz eine Tür zu und deutlich hörte man, dass Jemand nebenan in's Wartezimmer kam. Zugleich hörte man vom türkischen Zelt den Frauenruf: Justizrat! Hier sind Se. Durchlaucht! Justizrat, wo stecken Sie denn? Es war die Geheimrätin. Im Nu war die Tür, die zum Zelte führte, geschlossen und zu gleicher Zeit trat die Ludmer ein, auf die in der Tat die vom Justizrat citirten Worte seines Lieblingsdichters Wolfgang Goete passten:

Welche von Phorkys' Töchtern bist du?

Denn ich vergleiche dich diesem Geschlechte!

Bist du vielleicht der graugebornen

Eines Auges und eines Zahnes

Wechselsweis teilhaftigen

Grajen Eine gekommen?

Die Alte, geschmackvoll gekleidet, liess sich erschöpft auf einen Sessel nieder und bat um Entschuldigung wegen ihres langen Ausbleibens. Sie begann dem geheimen Polizeiagenten Hackert, dem Schutzbefohlnen des so anerkannt gewandten Polizeioberkommissärs Pax, ihres zufällig abwesenden "Neffen", jetzt ein geheimes dringendes Anliegen vorzutragen.

Sechstes Capitel

Geisterfurcht

Herr Pax, fing Charlotte Ludmer mit schmunzelnder Freundlichkeit an, Herr Pax ist verreist

Ihr Herr NeveuIn Amtsgeschäften, antwortete Hackert, die Alte musternd ...

Und wird bald zurückkehren?

Unbestimmt, Madame ...

Vortrefflicher Staatsdiener, Pax! Ja, mein Neveu

Hat glücklichen Griff

Die Alte lachte über den humoristischen Agenten. So liebte sie die Menschen. Nur lustig, lustig! Sie liebte den Spass, fast ebenso sehr wie den Schnupftaback. Ihre Dose fuhr aus dem Rockschlitz hin und her. Sie nahm eben eine Prise ...

Pax, fuhr sie fort, hat für die Zeit seiner Abwesenheit mir geraten, etwaige Aufträge Ihnen zu erteilen, Herr Hackert

Schmeichelhaftes Vertrauen

Ich vermute daher, dass Sie über die Angelegenheit unterrichtet sind, die mich mit meinem Neveu

Hackert dachte an die vom Justizrat gegebenen Andeutungen über den entwendeten und im Auftrage der Ludmer gesuchten Taufschein des Paul Zecker glaubte daher mit einiger Bestimmteit, um die alte Dame sicherer zu machen, mit Ja! antworten zu dürfen:

Ich meine in der bewussten Angelegenheitwiederholte die Ludmer.

Vollkommen! sagte Hackert mit der ihm eigenen Dreistigkeit.

Man hat diesen zweideutigen Mann eingebracht, einer der dazu verwandten Gerichtsdiener, Herr Kümmerlein war bereitsAber haben Sie denn nicht getrunken? Bischof: nach einem Recept von mir selbst. Bischof! Trinken Sie doch!

BitteIhr Auftrag, Madame!

Es ist wahr, ich nahm Ihre Geduld schon zu lange in Anspruch. Also, mein Bester, von diesem Kümmerlein erfuhr ich denn vorläufig Alles, was sich bei seiner Verhaftnahme am Hohenberg zutrug

Hackert, sich schnell orientirend, verstand jetzt, dass nicht von Paul Zeck, sondern von jenem mann mit der schwarzen Augenbinde die Rede war ...

Er ist eingebracht, der falsche Engländersagte er forschend.

Auf unsre Veranstaltung! Ich weiss, dass dieser zweideutige Mann erst mit einem jungen vom Fürsten Egon protegirten Handwerker sich auf dem schloss verborgen hielt, dann mit einem blinden Schmied, Namens Zeck

Hackert staunte, dass nun doch Zeck genannt wurde. Doch milderte er sein Befremden.

Zeck oder ähnlich! Genug, ich weiss, dass