, nun ein Fürst: reich und ein Fürst! Ein Kampf der Rücksichten! Gegensatz auf Gegensatz! Die Mutterliebe streitet mit der Liebe zu Rodewald, die Furcht, die Besorgniss übermannen sie. Die Entschliessung verzögert sich. Der Augenblick des Geständnisses wird verschoben, verschoben die Möglichkeit einer Ehrenrettung vor der Welt und endlich ganz versäumt. Die Fürstin Amanda, damals noch weltlich, noch flatternd wie ein Schmetterling, denkt an die Zukunft ihres Kindes, träumt, dass es eine glänzende, glückliche sein könnte, und auch Rodewald ... nicht wahr, er ist an seine Kette zurückgekehrt?
Nein, Sie Grausamer! unterbrach Pauline den vor sich hinstarrenden und diese Geständnisse nur kurz so ausstossenden Egon. Nein, zurückgekehrt an ein Sterbebett! Ich war dem tod nahe ... Ich erfuhr von Rodewald's Untreue, aber ich glaubte nicht. Ich wollte nicht glauben. Noch jetzt, Egon, wenn nicht Heinrich's Auge, seine Stirn, sein gang, sein eigenstes Wesen sich in Ihnen abspiegelte ...
In der Tat? bemerkte Egon seufzend und richtete das Haupt zu Paulinen auf, indem er sagte:
Wie bin ich doch gefangen, Pauline! Der stolze, ehrgeizige, weltstürmende, weltschirmende Egon hat eine Meisterin über sich, die ihm, wie Sie einmal sagten, die Hölle werden könnte!
Sie sind der Sohn Ihres Vaters!
Bastard von Hohenberg! Wie mich Das schüttelte! Wie mich Das eingeengt hat! Wie bin ich sogleich stolzer, eitler geworden, als in meiner natur liegen durfte. Ich hatte sogleich einen stillen Mahner in mir, den ich nicht anders betäuben konnte als durch Luxus und adlige Anmassung. Die Wahrheit der Legitimität, die in der Form, im Zugeständnisse liegt, hab' ich erst jetzt verstanden, jetzt erst gewürdigt. Ja, die Tatsachen entscheiden, nicht die Untersuchungen. Von dem Tage an, wo ich erfahren musste, dass ich nicht des Fürsten echter Sohn bin, hab' ich den Fürsten, meinen scheinbaren Vater, angefangen beinahe hochzuehren, beinahe liebzugewinnen, bin den Spuren seiner rohen Bildung fast mit Interesse gefolgt: Ich war Fürst mit Leib und Seele, des Fürsten echter Sohn im geist. Wie rätselhaft ist doch Alles im menschlichen Gemüt!
Wenn diese Geständnisse Ihrer Mutter, sagte Pauline, bewirkt haben, dass Sie Ihres Standes und Berufes eingedenk wurden, unpassende Freunde und Genossen aus Ihrem Umgange entfernten, Ihre Stellung behaupteten, so haben Sie mehr erreicht, als Amanda beabsichtigte –
Ich bin reif in ein Kloster zu gehen oder den Propheten zu spielen und die Welt in Flammen zu setzen um meines Glaubens willen ...
geben Sie mir die Hand, Egon! Seien Sie besonnen! Was verdank' ich Ihnen nicht? Sie erquicken mein verschmachtendes Gemüt, Sie stillen noch einmal den Durst eines verzweifelnden Gefühles der Nichtbefriedigung! Wie lebe' ich mit Ihnen! Wie folg' ich Ihrer grossen, bewunderungswürdigen Bahn! Wie sonn' ich mich in Ihrem Glanze! Diese Leidenschaften, die mich sonst darüber unglücklich gemacht haben würden, dass ich in Ihnen die Züge Heinrich Rodewald's wiederfand, schlummern nun ... Wie können Sie von einer Hölle reden!
Egon schwieg, blickte nieder und sagte zuletzt träumend:
Wo mag mein Vater jetzt weilen? Lebt er wohl noch? Wer ist das junge Mädchen gewesen, das Sie, Pauline von Ried, ihm selber gaben, um zu verhindern, dass er zur verhassten Amanda zurückkehrte? ...
Wie treu Ihr Gedächtniss ist, Egon! Sie müssen diese Blätter oft lesen!
Ja, Pauline, sagte Egon gerührt, ich lese sie oft, sie sind ein Gedicht. Sie sind die Bekenntnisse einer wirklich schönen Seele. Ein junges, unerzogenes Mädchen, dumpf hinlebend, verheiratet, weil sie schön war, ohne Vermögen, ohne viel Bildung, ohne viel Lebensansprüche, nun gequält und die Qual ihres Looses für das allgemeine Frauenloos nehmend ... Da endlich jene Reise nach Landeck! Die Stelle, wo die Mutter mir schreibt, dass sie von Heinrich Rodewald zum ersten Male auf den Schlag der Nachtigall wäre aufmerksam gemacht worden, les' ich täglich; denn ich kann sie auswendig. "Philomele scheidet nun, sagte Heinrich und auch wir werden uns trennen! Unbekanntes Land, das uns die Sängerin des Haines birgt, bis sie wiederkehrt! Ach, wir kennen unsre Heimat, wir kennen das Land unsres Winters, aber wir werden uns nicht wiedersehen." Pauline, diese Denkwürdigkeiten ... ich lese sie oft; sie stärken, sie erheben mich. Ich begreife jetzt, warum sich meine Mutter zuletzt in die Fluten einer ungewöhnlichen Andacht warf. Sie wollte nicht bloss die Sünde, sie wollte auch das nur einmal blühende Lebensglück vergessen. Sie wollte vergessen, wie die Erde so schön ist! Und gestehen Sie, waren Sie nicht erstaunt, dass ich nicht beschämt sage, als Sie auch nicht ein Wort der Anklage, nicht eines des vernichtenden Vorwurfes für Sie in jenen Papieren entdeckten?
Pauline schwieg finster; denn fremde Güte drückt ... Über die Lösung des Knotens, fuhr Egon fort, fand ich nichts als die Worte: "Pauline erkrankte aufs Neue. In dem Glauben, sie würde ihrem Übel erliegen, in der Voraussetzung, mein Geliebtester würde schonungsvoll und edel meine Schwäche verzeihen und sich zu mir, der Treulosen, die dem Reichtum und Glanz ihres Kindes zu Liebe ihren Schwur brach und Alle, Alle betrog, in