geht an Euren Pflug und ackert, nehmt die Elle in die Hand und messet Leinwand, was drängt Ihr Euch in die Hallen der Ratäuser und an die Stufen des Capitols? Wahrlich, Ihr müsst den Staatszweck platt treten bis zum Gemeinen, nur damit Ihr auf ihm lustwandeln, gerade Ihr in ihm behaglich wohnen könnt!"
Am entschiedensten aber trat Fürst Egon der Demokratie, den republikanischen und sozialen "Irrlehren" entgegen. Er hatte sie an der Quelle kennen gelernt und besass nun die vollkommenste Fertigkeit, sie auf ihre oft komischen Ursprünge zurück zu verfolgen. Er erklärte sie für die Folge zweier Veranlassungen, einmal der Trägheit und sodann des überwuchernden merkantilen Princips. Ackermann las einst mit grossem, wenn auch geteiltem Interesse die Worte, die er in der kammer sprach:
"Ein Fluch der modernen Gesellschaft ist die gewaltige Verehrung, die der Gott Merkur gefunden hat. Merkur beschützt die Handelnden und die Diebe. Ich habe alle Ehrfurcht vor der grossen und respektablen Zunft der Kaufleute, ich finde aber, dass sie viel zu tolerant ist und viel zu viel Gaunerei neben sich duldet. Die Krämerei ist eine Gaunerei. Meine Herren, ich fordre Sie auf, mit mir durch die Strassen der Städte zu gehen. Sehen Sie, Haus für Haus ein Laden! Laden für Laden, träge, auf Kundschaft wartende Verkäufer, die die Sonne angaffen und träumen! Meine Herren, der kleine Zwischenhandel steht zur Consumtion in keinem Verhältnisse. Wo Alles handeln will, wird Niemand mehr arbeiten wollen, und ich fordre Sie auf, geben Sie gesetz gegen den Kleinhandel! Er verteuert die Lebensmittel, die der Arbeiter braucht, er schlägt das Procent der Trägheit auf das kleine Kapital der Arbeit, dem es entzogen wird; er erschafft die Phantasieen des Kommunismus, der aus Zorn über den Kleinhandel von einem Grosshandel träumt, den die Gesellschaft, der Staat selbst übernehmen müsse; er erzeugt endlich eine Menge lungernder, träger Schwätzer, die man die Lazzaronis der Boutiken nennen muss".
Solche scharfe Lichter, die Egon aus seiner Kenntniss des Volkslebens auf die Debatte fallen lassen konnte, hoben oft wochenlang seine Erscheinung auch in den Augen Derer, die sich nicht verschweigen konnten, dass Egon vom hof verzogen wurde und wohl längst ein Ultra-Aristokrat war. Egon bestritt, dass wir im Zeitalter der notwendigen Revolution leben und nach einer unbekannten, neuen, Alle beglückenden Weltidee steuern müssten. Er bestritt die politischen Märtyrerschaften. Er nannte sie Plagiate, unerlaubten Nachdruck der grossen ruhmvollen Zeitalter. Er sagte: "Die Märtyrer in vergangenen Jahrhunderten waren bewunderungswürdig, weil sie die vergangne geschichte nicht kannten und nur für ihre eigne Rechnung, ihre eigne Erleuchtung starben. Die neuen Märtyrer aber haben alle vom Glanz der alten gehört und bilden sich ein, eine Zeit würde kommen, die auch ihnen Anerkennung brächte. Sie ahmen die Huss und Galiläi nach, ohne mit ihnen irgend etwas gemein zu haben als die Leiden, die Jene fanden und die Diese nur tollkühn und eitel suchen". Unter solchen Umständen konnte es nicht befremden, dass man von Verschwörungen und neuen drohenden Unruhen sprach. Egon erfreute sich einer guten Polizei und fügsamer Richter. Er verfolgte, kerkerte ein, verbannte, ganz wie jeder andre Politiker auch, der den Widerspruch unbequem findet und für jede Eingebung seines unduldsamen Zornes sogleich das Motiv des gefährdeten Gemeinwohls zur Hand hat. Ackermann nahm, trotzdem, dass er Selma's wegen nicht mehr laut über Egon sprach, doch im Stillen an allen diesen Verwickelungen grossen Anteil und verriet selbst in der tiefen Abneigung, die er gegen Egon zu fassen schien, das fast persönliche Interesse, das er für ihn hegte. Mit dem beginnenden Frühjahr setzte er nun vollends alle inzwischen gesammelten Kräfte für Egon's äussere Wohlfahrt in Tätigkeit. Seine Pflugund Säemaschinen erregten den Neid und das Staunen der Umgebung. Er hatte trotz der Maschinen eine grosse Anzahl auch von Feldarbeitern gedungen und sein Pachtof war so lebendig geworden, dass er schon wie eine kleine Kolonie auszusehen anfing.
Der Winter war streng gewesen und die Wonne des Frühlings von den Menschen endlich wohlverdient. Er kam mit dem März auf den feuchten Schwingen milder Südwestwinde. Der Schnee schmolz, die Ränder der kleinen Bäche verloren die Spuren des Eises, das sie noch vor Kurzem ganz gefesselt hielt. Die kaltdurchnässte Erde erwärmte die Sonne und die gewaltigen Furchen, die der Pflug schnitt, öffneten die Poren der Eisrinde, dass es war, als wenn das Centralfeuer von unten herauf nachhalf und den Sonnenstrahlen die unterirdische Flammenhand bot. Dieser frische Frühlingserdgeruch! Diese Kraft des Bodens, die den Menschen selber stärkt und die Fabel vom Antäus verstehen lehrt! Im wald brach das Eis der kleinen Seen, in deren Röhricht bald die Störche nach dem zum Leben erwachenden kleinen Getier suchen sollten. Das ganz braun und schwarz gewordene Laub vom vorigen Herbst vermengte sich schon mit der Erde und düngte zu neuem kräftigeren Wuchse. Das Gras wucherte, Schlüsselblumen, Schaafgarbe, Distelkraut erfreuten das Auge des nach jedem Fortschritt der Vegetation sehnsüchtig lugenden Wanderers. Von Tag zu Tag nahm ein gewisses Lüstre der Buchen- und Eichenwaldung zu und wurde grüner und immer grüner. Die Weiden, die längs der Ulla standen, schlugen mit jugendlicher Triebkraft aus. Zwar köpfte man sie, der frischen Gerten wegen, die man gewinnen wollte, aber auch von diesen kam eine dankenswerte Belebung in den erwachten Frühling. Die Bauernknaben schnitten aus der Schaale der jungen Weidenruten Pfeifen und ein Ton weckte mehrere, die Pfeife die stimme