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die Maschinen nicht einmal ansehen?

Nein.

Sie sind possierlich.

glaube's.

Der Nachbar macht Euch Alle tot.

Wir wollen's erleben.

Hört doch auf! Zum Donnerwetter! Seht doch ein bischen 'runter! Was sagt Ihr denn zur Franziska?

Franziska? Was ist Das? Auch so eine eiserne Bestie?

Ritsch! Ratsch! Der Bauer schnitt ruhig seinen Häcksel weiter.

Seid Ihr toll, ich meine meine NichteSie ist ja beim Nachbar. Ihr seid kein freundlicher Nachbar ...

Ich sehe nicht in andrer Leute Töpfe.

Indem mehrte sich die Scene. Fränzchen's inzwischen erfolgte Ankunft hatte Heunisch am Gebell der Hunde und dem Knarren des Torwegs erraten.

Ja! sagte eben eine alte Weiberstimme hinter Heunisch, der dabei durch die Bodenluke sah, von welcher eine Leiter in die Scheune herabführte. Ja, aber andre Leute sehen in unsre! He, Sandrart!

Wie so, Jungfer Rosine? fragte Heunisch sich umwendend.

Die Regentin des Sandrart'schen Bauernhofes berichtete, dass die Mamsell von drüben da wäre und um ein Dutzend Eier bäte und wenn's möglich wäre, auch um drei Hühner.

Oben war Alles still; auch die Häckselbank schwieg.

Ein Dutzend Eier wollen sie drüben und wenn's möglich wäre, drei Hühner! wiederholte Jungfer Rosine kreischend, weil sie glaubte, der Alte oben hätte den Wunsch nicht verstanden.

Ein Dutzend Eier, Sandrart, und wenn's möglich wäre, drei Hühner! wiederholte Heunisch.

Ich höre schon! schrie der Bauer ...

An seiner stimme merkte man seinen Zorn und den geschmeichelten Übermut.

Rosine, die die abschlägige Antwort voraus wusste, grinzte verschmitzt und wollte schon mit den Holzschuhen davonklappen.

Indem hüpfte Fränzchen herein, im wollenen Kleidchen, ein Mäntelchen übergeworfen, zwei Körbe in der Hand, erwartungsvoll, nicht ohne Hoffnung ...

Nun, rief sie in die Scheune tretend, ist der Herr Nachbar so gütig?

Die Mamsell! betonte Rosine die Leiter hinauf.

Sandrart, statt aller Antwort, fing wieder an Häcksel zu schneiden.

Die Mamsell! schrie Rosine.

Wer? Welche Mamsell? rief der Bauer. Das fräulein Mamsell?

Rosine antwortete höhnisch:

Die Kammerjungfer!

Meine Nichte, wenn Ihr's wissen wolltergänzte Heunisch mit Nachdruck und stieg eine Sprosse an der Leiter höher, indem er mit der Flinte auf die Bodendecke klopfte.

So? rief der Bauer. Kompliment an den Nachbar! Es geht auf Weihnachten. Mein Sohn kommt. Wir brauchen da das Unsrige. Vielleicht legen seine Maschinen Eier.

Fränzchen begriff so viel Grobheit nicht.

Und unsre Hühner, fuhr die Magd fort, sind unsre Kinder ... die würgen wir nicht unnütz ...

Alte Gluckhenne! polterte der Jäger und stiess mit dem einen Fuss rückwärts, wenn die Hühner nicht mehr legen, macht Ihr Euch auch nicht Suppe davon? He! Sandrart? He! Euer Nachbar hat Gäste! Ihr werdet doch nicht so ungefällig sein? Der Teufel nein! Soll's denn immer heissen: Grob wie Bauernvolk?

Sandrart kehrte sich an diese Wendungen nicht, blieb ungefällig, verweigerte Hühner und Eier und schnitt wieder Häcksel.

Der gereizte Jäger äffte ihm nach:

Ritsch! Ratsch! Schneid' Er Häcksel in Teufels Namen! Geb' Er Antwort, Alter!

Sandrart schnitt Häcksel und die Rosine ging lachend aus der Scheune.

Fränzchen konnte nicht umhin, zu dem Onkel, der wieder eine Sprosse niedriger gestiegen war, zu sagen:

Sehen Sie da, Onkel, wie töricht Sie handeln, mich zu einem Verhältnisse zu zwingen, wo ich das unglücklichste Wesen von der Welt wäre. So achtet man mich! So verlangen Sie, dass das Kind Ihres Bruders beschimpft wird?

Und fast weinend, aus Jammer über das Mittagsessen, wollte sie schon mit ihren Körben gehen und die traurige Nachricht, dass sie leer komme, heimtragen.

Heunisch aber, gedenkend, wie notwendig heute vorerst die Eier waren, wie ferner sein Hase, den er zur Tafel geliefert hatte, doch nicht das einzige Fleisch sein durfte, das Herr Ackermann seinen Gästen vorsetzte, hielt sie zurück und rief laut, dass der Alte oben, der ruhig seinen Häcksel fortschnitt, es hören musste:

Wäre der Heinrich hier, Franziska, der Heinrich, der dich liebt, der Heinrich Sandrart, Sergeant bei der dritten Compagnie Leibregiment, der zöge die Plempe und ging' in die Speisekammer und schlüge alle hundert Schock Eier, die da liegen, in einen gelben Brei zusammen und im Hühnerstall dreht' er allen Hühnern die Hälse um!

Dies Kraftwort, unterstützt durch das Pochen der Flinte am Heuboden, bewirkte, dass der Alte oben zwar nicht antwortete, aber doch mit Häckselschneiden innehielt und sich die Möglichkeit einer solchen von seinem Sohne vorausgesetzten Eierverwüstung still überlegte.

Abscheulich! fuhr Fränzchen weinerlich fort. Wir brauchen die Hühner zu einem Ragout. Selma hat das Dutzend Hühner, das sie sich erst drüben angeschafft haben, zu lieb und will keines schlachten lassen und hier gackert's von Morgen bis Abend, dass man sich die Ohren zuhalten möchte.

Ich möchte nun gleich, fuhr der Jäger zornig fort, ich möchte nun gleich hier die Leiter nehmen und sie zusammenrütteln, dass der Alte mit sammt der Häckselbank durch die Decke fiele!

Er tat Das auch, selbst auf Gefahr, in eigner person herunterzufallen.

Nein, nein, wir müssen uns auf's Bitten verlegen