aufmerksam machte, dass das fräulein merkwürdig oft nach Excellenz sich erkundigt hätten, als Excellenz heute früh mit der Registratur des Nachlasses der Fürstin Amanda beschäftigt gewesen wären ....
Nur eine Persönlichkeit war ihm bei der schönen Hoffnung eines Erfolgs ein gefährlicher Nebenbuhler, jener Schwager des Commerzienrats von Reichmeier, Eugen Lasally. Dieser nicht mehr ganz junge Mann war ein öffentlicher Charakter der Residenz. Völlig abweichend von Dem, was christliche Spottsucht über die Juden einmal festgestellt zu haben glaubt, war Eugen Lasally im Gegenteil eine höchst chevalereske Erscheinung. Nicht gross, von behendem Körperbau, leichten, zarten Gliedern, hatte er sich früh eine grosse Fertigkeit in Leibesübungen erworben. Er schoss, focht, ritt auf eine Art wie der geübteste junge Dandy der vornehmen Welt. Seine Ältern gehörten den ersten jüdischen Familien an und hätten ihm gern die übliche artistische Bildung dieser Kreise gegeben, ihn zum Maler, zum Musiker bestimmt. Doch zeigte Eugen für diese Berufswege nicht die geringste Empfänglichkeit, ebenso wenig wie zum mercantilischen Fache oder zu irgend einem wissenschaftlichen Studium. Als seine Ältern starben, ging sein ererbtes Vermögen sehr rasch auf die Lebensweise hin, die er seit seiner ersten Selbständigkeit ergriffen hatte. Cavalerieoffiziere, junge Stutzer, Adelige waren sein alleiniger Umgang. Durch eine Reihe mutig bestandener Duelle hatte er gelernt, sich in dieser Sphäre zu behaupten, und als er durch Spiel und Vergnügungssucht an den Rand des Abgrundes gebracht, von seinem Schwager Reichmeier nur noch soviel erhielt, um aus einem der ersten Wettrenner fast in Verzweiflung erst ein "Pferdekenner", dann ein Pferdehändler und zuletzt Errichter einer Reitschule zu werden, blieben ihm seine alten gefährten getreu. Das Pferd ist auch darin ein so edles Tier, dass es fast Alles adelt, was mit ihm umgeht. Ein Bedienter mag sich höher dünken als ein Bereiter. Mehr Mut und männliche Entschlossenheit, mehr Charakterstärke findet sich gewiss bei Letzterm. Eugen Lasally war als Besitzer einer Reitbahn und was damit zusammenhängt sogar Pferdeverleiher, doch nur um so enger mit einer gewissen fashionablen Gesellschaftsclasse im Zusammenhang, und wäre nicht sein aristokratischer Tic gewesen, seine Sucht in Allem und Jedem es mit seinen Freunden aufzunehmen, der alte Levi, den er sich aus einem mecklenburgischen Pferdemäkler zum ersten Bereiter umgeschaffen hatte, würde ihn gewiss durch seinen Fleiss und seine Umsicht und kluge Geschäftskenntniss oben erhalten haben. Er war aber im Sinken begriffen. Die Verzweiflung, dass ihm seine Plane nicht gelangen und er von Gläubigern unablässig gehetzt wurde, machte ihn oft zornig und gab ihm einen menschenscheuen finstern Charakter, der zuweilen ins Brutale ausartete. Er war auch gefürchtet wie der schlimmste Gast.
Als auch ihn der Intendant der königlichen Schlösser und Gärten so mismutig durch die Lorgnette betrachtete und dabei die höchst vernünftige Vermutung äusserte, dass ihn wohl hauptsächlich die Speculation auf Melanie's grosses Vermögen an diese "bunte kleine Schlange" fesselte, sagte eben Eugen zu einem seiner Jockeis, der die Pferde hinübergeführt hatte und nun heraufkam, um die Küche zu besuchen:
Kannst du dich nicht entsinnen, Jack, was mit dem Einspänner im wald war?
Der Einspänner? wiederholte Jack, ängstlich vor dem immer misgestimmten, zum Zorn gereizten Herrn ....
Kannst nicht hören? sagte auch Dieser sogleich aufbrausend. Der Einspänner im wald – es sprang Einer vom Bock herunter – ich hab's deutlich gesehen – hast du die Augen zugehabt?
Als der peitschenscheue Jack sich noch nicht recht zu besinnen vermochte, sagte Eugen Lasally:
Er ist ein blinder Hess'! Scher' Er sich!
Jack wollte gehen ....
Lasally rief ihn noch einmal zurück und schwang die Reitgerte.
Jack blieb in einiger Entfernung.
Führe die Laura, sagte dieser, in die Schmiede unten! Das Tier hat Etwas. Es quihnt. Die Rackerei mit schlechten Reitern schadet einem guten Pferd. Es wird selbst ängstlich, wenn Einer auf ihm Angst hat. Der Schmied soll der Laura Rhabarber geben. Aber mit dem Alten sprich –
Mit dem Blinden?
Mit Dem! Der Blinde ist pfiffiger als der Junge, der taub ist.
Jack, zwar ärgerlich, dass er nicht in die Küche konnte, wo Melanie's Mädchen, Jeannette, die Manieren ihrer Herrin nachahmte und unter der Dienerschaft ebenso belebend und animirend wirkte, wie Melanie in ihrem Kreise, wandte sich jedoch gleich wieder um, sklavisch ergeben, stieg wieder den Schlossberg abwärts und wollte die Laura in die Schmiede bringen.
Lässst die Laura keine Minute aus dem Auge! rief ihm Lasally noch nach.
Wie Jack ging, wandte sich Lasally an Bartusch, der gerade vorüber wollte:
Wissen Sie, wen ich im Wald gesehen habe, Bartusch?
Eine alte Hexe, hör' ich ja.
Lieber den Teufel selbst, sagte Eugen – Hackert hab' ich gesehen.
Ach! meinte Bartusch mehr komisch als ernst verwundert; was denken Sie?
Ich gebe Ihnen mein Wort! Nehmen Sie's mit der Canaille nicht so leicht!
Wie käme Hackert ...
Ich will beschwören, dass auf einem kleinen Einspänner Hackert sass und als er uns bemerkte, ins Dikkicht sprang ....
Dass dich –! Aber was wäre dabei zu fürchten?
Zu fürchten? Seit dem Abend ... seit dem Vorfall hinterm Zaune ... in der Königsvorstadt ...
Es war auch arg genug, Herr Lasally!
Arg? Ich begreife Euch nicht! Ihr schont diesen Menschen.
Schonen, Herr Lasally? ...
Es kommt mir