Begriffen des Intendanten keineswegs.
Das hat ihm Jemand so oft vorgesagt, bis er das schwere Wort behielt und sich Etwas darunter vorstellen konnte! murmelte Bartusch vor sich hin, und in der Überzeugung, dass es mit den Zimmern der Fürstin eine doch sonderbare, seine ganze Neugier spannende Bewandtniss haben müsse, lenkte er nachdenklich seinen etwas schlorrenden und schleichenden Schritt dem Tempel zu, wo er mehre von den Damen, die jetzt das Schloss bewohnten, Andere, die es eben besuchten, erblickte, wie sie nickend mit Tüchern in die Ferne wehten. Dieser Gruss galt Melanie und ihren Begleitern, die soeben von ihrem Spazierritt im vollen Trabe zurückkehrten.
Elftes Capitel
Melanie Schlurck
Das war ein Lärmen, ein lachen, ein Jubeln, als die schöne Amazone vom hohen Sattel gehoben wurde und die dampfenden Pferde um sie her im hof des Schlosses stampften und wieherten. Reichmeier's und Lasally's Bediente und Jockeis hielten die Renner am Zügel und führten sie nach den unten am fuss des berges gelegenen Ställen zurück, nicht ohne dazwischengeworfene, den Pferden gespendete Liebkosungen oder Scheltworte, jenachdem die Reiter mit ihren Tieren zufrieden gewesen waren oder nicht.
Die Tiere gingen à merveille! rief Melanie unter fortwährendem Gelächter, das dem klagenden und trostlosen Commerzienrat galt; man muss nur reiten können!
arme Laura, sagte sie zu dem von Reichmeier gerittenen Pferde, es streichelnd; du hattest es so gut mit deinem Reiter im Sinn! Er sollte dir deine Gedanken ablauschen und du lauschtest sie ihm ab. Du sprangst, du stutztest vor jedem Ast, du schlugst mit den Ohren hochauf, wenn ein Vögelchen geflogen kam, du schwenktest dich anmutig nach der rechten Seite hin, wenn auf der linken ein Hund kam und bellte, und alles Das will die gefühlskalte Geldseele jetzt nicht anerkennen und schilt dich, arme Laura! Fliehe die Commerzienräte! Diese Menschen verstehen nicht, was sensible Naturen sind.
Die ältern Damen, die unten im Tempel gewartet, hatten sich auch inzwischen oben am schloss eingefunden und begrüssten die ziemlich lange Ausgebliebenen in dem hintern hof.
Ohne Spass, sagte der Commerzienrat zu seiner ihn ängstlich anblickenden Gemahlin, einer Dame in rauschenden Stoffen, ich habe meine Not gehabt. Man hat mir bei Gott das wildeste Pferd gegeben. Eugen hätte auch mehr Einsicht haben sollen.
Frau von Reichmeier warf einen vorwurfsvollen blick auf ihren Bruder, den Stallmeister Lasally, der sich indessen nur mit Melanie beschäftigte und dieser "Querelen" nicht achtete.
Ging es mir denn besser? sagte der Justizdirector von Zeisel, eine lange, hagere Figur mit grauen Haaren und zugeknöpftem blauen Frack mit gelben Knöpfen, eine Bureaugestalt voll Höflichkeit und geschmeidig. Ging es mir denn besser? Mir platzte der Sattelgurt! Denken Sie sich, Frau Justizrätin, mein Malheur, wie ich plötzlich ins Schwanken gerate und auf meinem Fuchs hin- und hertaumele. Ist mir nur in jüngern Jahren passirt! Die Geistesgegenwart des liebenswürdigen Herrn Eugen hat mich gerettet, sonst wär' ich, ich kenne Das, vielleicht geschleift worden.
Billigerweise hätte Frau von Zeisel, geborene von Nutzholz-Dünkercke, die sich gleichfalls unter den Begrüssenden befand, diesem möglichen und glücklich abgewandten Unglück ihres Gatten die teilnehmendste Aufmerksamkeit schenken sollen, aber die noch sehr anmutige und von den runden wohlgenährten Körperformen noch jugendlicher, als sie war, aussehende kleine Frau nahm wenig Notiz davon und überliess es der guten Madame Schlurck, die Möglichkeiten eines solchen Unfalls teilnehmend zu durchdenken, während sie mit dem inzwischen herzugetretenen Bartusch sprach und sich über das betrübende Ereigniss der plötzlichen Abreise des immer so liebenswürdigen und jovialen Justizrats Schlurck nicht trösten konnte.
Eine sehr unbedeutende und nur mit lächelndem Nichtssagen zugaffende Rolle spielte die reiche Madame Pfannenstiel, geborene Drossel, die die frühere Wirtschaftsinspectorin nicht verleugnen konnte, trotz ihrer dicken goldenen Erbskette und der grossmächtigen Brillantuhr, die sie fast bis unten auf die Hüfte ihres schmächtigen Körpers trug.
Melanie war die Seele dieses bunten Kreises, den das Geld hier zusammengewürfelt hatte. Geist, Neigung, hatte sie früher gesagt, bringen Gleichartiges zusammen. Das Geld kann nur Vermittler des Zufälligen sein. So beschloss sie denn, Geist und Neigung in diese widerstrebenden Elemente zu bringen. Es gelang ihr aber nur teilweise und durch nichts Anderes als durch ihre eigene Persönlichkeit.
Wie reizend stand sie da im Schlosshofe! Das lange, enganschliessende Reitkleid war von einem silbergrauen leichten Stoffe und liess die lieblichsten Formen der schönen Gestalt bewundern. Von der Halskrause, die über dem ganz oben geschlossenen Kleide zierlich gefältelt lag, bis zu den Hüften herab zeigte sich das schönste Ebenmass der äussern Bildung. Die Schultern hoch und gerundet. Wenn sich der holde, liebliche Kopf, mit den braunen brennenden Augen, dem schönen mund und den weissen Perlenreihen der Zähne lächelnd über die Schulter wandte, gab der Winkel, der sich dann aus dem Kopf und der Schulter bildete, die reinste Schönheitsform. Halb noch auf den schwarzen, hinten über Flechten zurückgekämmten Locken, sass ein kirschrotes, silbergesticktes kleines Sammtgewinde, über dem der Reitut mit blauem Schleier gebunden war. Längst hatte sie diesen Hut weggeschleudert. So hoch Melanie und fast mit dem Wuchse der Pappel aufgeschossen war, so behend liessen doch ihre Bewegungen. Ihr Fuss schien kaum den Boden zu berühren, so schwebte sie dahin, mit der linken Hand die lange Schleppe des Kleides nach vorn an sich drückend, mir der Rechten die am Griff von blauen Steinen geschmückte elegante Reitpeitsche in die hohe kräftige Hüfte stemmend. Mit innigster Herzlichkeit gab sie ihrer Mutter einen