! sagte Louis.
Eine Hexe nennen sie sie; meinte der Blinde. Sie weiss viel, Das ist wahr. Alles aber auch nicht. Nicht wahr, Anneliese?
Die kleine garstige person, bei der Louis gestern die Bestellung gemacht, begleitete sie vor die Tür.
Lasst Ihr die Schmiede so allein? Wo sind Eure Gesellen? fragte Louis.
Die Taugenichtse sind abgelohnt. Sie verstanden nichts, assen Faullenzerbrot.
Damit lehnte Zeck die Tür der Schmiede an, schärfte Anneliesen Aufmerksamkeit ein und verbot, dass die beiden entlassenen Gesellen noch einmal in die Werkstatt kämen.
So schritt er vorwärts.
Louis musste staunen, wie sicher Zeck ging. Die Erbschaft hatte ihn völlig in Schwung gebracht. Alle sorge hatte ihn verlassen. Er lachte vor sich hin und schlug sich auf das Schurzfell, das er, so hinderlich es war, vorbehalten hatte. Auch in eine Ritze des Oberteils vor der Brust griff er und versicherte sich eines starken Hammers, den er zu sich gesteckt hatte. Er tat wie ein Mann, der sich vor keiner Gefahr scheut, wenn er seine Waffen bei sich hat.
Es ging ein scharfer Wind, der vom wald her das abgefallne Laub ihnen entgegentrieb. Links die kleine Buchenschonung liessen sie liegen, sie gingen gerade auf das Tannengehölz zu, wo Louis Murray schon wartend fand.
Murray stand in einem alten grauen Mantel, gebückt, fast gespenstisch.
Er winkte Louis, so zu tun, als wenn er nicht zugegen wäre.
Still gingen sie an Murray vorüber, still folgte dieser.
Den Kupferstecher, sagte Zeck, habt Ihr daheimgelassen, Herr? Nicht wahr?
Er ist nicht nötig, sagte Louis und winkte Murray, der die Worte hörte – er ist nicht nötig, hab' ich mir überlegt. Doch kommt er vielleicht später nach oder ging schon voraus.
Zeck musste jetzt von der Taubheit seines Sohnes Manches erzählen und suchte überhaupt seiner inneren Freude durch Gesprächigkeit einen Ausdruck zu geben. Er blieb dabei, dass der junge Baron Grimm, wie er Murray's Sohn lachend nannte, tot wäre, schien es auch nicht anders zu wissen und verliess sich gänzlich auf die Aussagen seiner Schwester, von denen er freilich seinem Begleiter gleich sagen zu müssen glaubte, dass er eben nicht auf viel Vernunft bei ihr rechnen dürfe. Sie hätte die Jahre, um schwach zu sein. Und was bei ihrer Narrheit nicht von den Jahren käme, das hätte der einsame Wald getan.
Und wohl der Doktor Lehmann; setzte Louis hinzu.
Ja, musste Zeck bestätigen, da hat sie Bücher gelesen, die Manchem schon den Rest gaben, Wunder-, Kräuterund Heilbücher.
Und die rechten Heilinstrumente, die Richtmesser, die Schwerter, die Räder ...
St! ... Zeck winkte mit der Hand und meinte, Louis möchte davon nicht reden.
Murray folgte in einiger Entfernung und hörte Alles, was Zeck, der aus Gewöhnung seines Sohnes wegen immer sehr grell sprach, durcheinanderschwatzte. Der Gedanke, wie gierig die Habsucht sich in diesem tierischen Menschen zeichne, erfüllte ihn mit Schmerz. Er musste dabei vorsichtig folgen und immer berechnen, wann Zeck still stand. Hätte er dann nicht auch im Gehen eingehalten, so würde ihn das raschelnde Laub verraten haben. Jedesmal, wenn er das Stillstehen nicht gut berechnet hatte und einen Schritt weiter ging, fuhr Zeck auf und sah sich um. Da Murray aber gleich still stand, war dem Verdachte, er möchte mit Louis nicht allein sein, keine Nahrung gegeben. An Louis bewunderte Murray die treue Hingebung, dies eifrige, herzliche Bemühen, ihn für die Vernachlässigung dieser Tage, von der nicht er, sondern Louis sprach, schadlos zu halten. Wenn er ihm nahe genug war, drückte er ihm die Hand zum innigsten Danke dafür.
Die sehr naheliegende Erörterung, wer die Mutter des gestorbenen Knaben gewesen, kam nicht zur Sprache. Louis schonte das geheimnis Murray's und Zeck selbst schien den Namen der Mutter nicht zu kennen. Die Schwester wuchs Louis an Bedeutung durch die Hartnäckigkeit, mit der sie den Schmied von der Kenntniss ihn nur mittelbar berührender Dinge ausgeschlossen hatte. Auch sagte Zeck: Das ist wahr, wer's der Urschel einmal im Guten angetan hat, für den geht sie durch's Feuer! Der Satans- Marzahn war hoch hinaus und hätte sie bald um den Jungen meines Bruders sitzen lassen ...
Wieso sitzen lassen? fragte Louis, blieb stehen und winkte Murray näher zu kommen.
Zeck stand still und wandte sich erstaunt, da er im Laube noch Fusstritte rascheln hörte.
Der Wind geht! sagte Louis, als er das Staunen des Schmieds bemerkte. Warum sitzen lassen? Wie alt wurde das Kind?
Es wurde, wenn ich's sagen soll, bemerkte Zeck sich umsehend und erst allmälig beruhigend, es wurde –
In dem Augenblicke musste Murray, der sich durch den Aufentalt am geheizten Ofen der frischen Luft entwöhnt hatte, unglücklicherweise husten.
Wer ist da? rief Zeck mit einer heftig erschrockenen Gebehrde und griff sogleich nach dem Hammer in seinem obern Schurzfell –
Ah! Sieh da! Mein Freund ist nachgekommen! rief Louis, sich sogleich fassend ...
So – so – sagte der Blinde, riss die Augen auf und drehte sich wie Einer, der seinen rücken nicht sicher glaubt.
Stosst Euch nicht an den Bäumen! kommt vorwärts, Meister! bedeutete Louis. Also wie alt wurde das Kind Eures Bruders, von dem