zu gehen. Aber Ihr seid geschickt. Man weiss es. kommt!
Vater und Sohn wollten vorschreiten. Da hielt Louis, mit rascher Wendung, den Jüngsten zurück mit den Worten:
Aber, mein Bester, schämt Ihr Euch nicht? Putzt man sich die Stiefeln so schlecht, wenn es friert? Das geht nicht! Bleibt draussen! Wir wollen uns dem Vater schon verständlich machen.
Der Alte zankte über die Unsauberkeit des Sohnes und gab ihm einen tüchtigen Tritt in die Seite, auf die Stiefeln zeigend, an denen der gestrige Kot festgetrocknet war.
Der Junge glotzte verdutzt auf seine Füsse und verstand erst durch die handgreifliche Sprache des Vaters, was an ihm getadelt wurde. Der Ullagrunder Lehm lag fingerdick auf diesen Stiefeln und gab ihnen eine Kruste, die die Wärmehaltigkeit des Leders noch unterstützte.
Der Junge blieb im Corridor. Louis führte den Alten erst durch sein Schlafzimmer und dann in das Eckzimmer, wo Murray in ziemlicher Entfernung von dem Instrumente an einem Fenster sass.
Louis pochte das Herz. Er konnte sich die Empfindung seines gefährten denken, wie er den blinden Bruder, den er nach seinem Sohne fragen wollte, eintreten sah. Sie hatten sich verabredet, zu tun, als wenn Murray nicht zugegen war. Ein blick auf Murray überzeugte ihn, wie tief auch er es empfand, den Bruder wiederzusehen, der durch ihn das Augenlicht verlor.
Seht, sagte Louis – doch, was rede' ich – ich sage: Seht! Ihr bewegt Euch so sicher, Meister, dass man versucht wird, Euch für keinen Blinden zu halten.
Zeck erwiderte darauf nichts.
Da er sich denken konnte, dass er am Klavier stand, fasste er es an.
Hier, sagte Louis, dächt' ich, um die saiten anziehen zu können – Ihr kennt doch so einen Kasten, der Musik macht?
Zeck nickte.
Diese eisernen Stäbe, fühlt Ihr sie –
Zeck nickte wieder.
Diese kleinen eisernen Stäbe halten die saiten, die man schärfer anziehen muss, wenn sie nachlassen. Um aber die Stäbe rundumzubekommen, muss man einen Schraubstock haben mit einem Griff und einer Höhlung, die hinlänglich lang ist, um die Stäbe fassen zu können ... versteht Ihr?
Ganz wohl!
Könnt Ihr so ein Eisen schmieden?
Gebt mir nur die Weite, Herr! Die Weite der Stäbe!
Das ist sie! Grade wie dieser Faden! Eine solche Öffnung! Und so lang, wie etwa ein halbes Fingerglied muss die Weite sein.
Gut, gut –
Wann haben wir das Eisen?
Bis heute Abend! Ich will gleich dran gehen –
Damit wollte sich Zeck zur Tür wenden ...
Wie Bescheid Ihr wisset! War't Ihr schon öfters in diesem Zimmer? begann jetzt Louis, ihn aufhaltend –
Herr! Da ist der Ofen! Nicht wahr? lachte Zeck.
Ganz recht –
Da steht ein Kanapè –
Ganz recht –
Da sass die Fürstin – –
Der Lehnsessel steht noch da –
Da ist ein Fenster in den Hof, dort zwei in den Garten –
Als wenn Ihr durch sie sehen könntet, so trefft Ihr's –
Da sass Herr Stromer – hier standen und sassen wir ...
Wer?
Die geladen waren – zum Beten – hier wurde gesungen und gebetet, Herr!
Und Ihr kam't gerne dazu?
Da am Fenster war immer mein Stand ... dort ... ich kann noch den Stuhl zeigen –
Damit schritt der Blinde geradezu gegen das Fenster, wo auf dem stuhl, den er, der Frage nach dem Beten ausweichend, zeigen wollte, Murray sass.
Oho! rief Zeck. Da steht ein Tisch, der stand sonst nicht hier.
Er war auf den Tisch gestossen, an dem Murray arbeitete. Aber Murray, der sich geschützt glaubte, erschrak nicht wenig, als sein Bruder dabei auf die Kupferplatte stiess, an der er geätzt hatte. Der Blinde fuhr über das Metall hinweg und sagte erschreckend:
In der Mühle, Herr, erzähltet Ihr von einem Kupferstecher! Ist das der Tisch des Kupferstechers? Ich fühlte eine Platte –
Louis besann sich auf Das, was er von seinem Begleiter in der amerikanischen Mühle gesagt hatte.
Eine Liebhaberei meines Freundes, erklärte er, der dort am Fenster sitzt und das Schicksal Eures Sohnes teilt, etwas schwer zu hören.
Zeck starrte nach dem Fenster. Der Gedanke, nicht allein mit Louis zu sein, war ihm peinlich. Er suchte wieder die Tür ...
Setzt Euch doch ein wenig, Meister! sagte Louis. Ich bin ein Abgesandter Sr. Durchlaucht. Ich soll hier nach dem Wohl und Wehe aller Menschen fragen. Geht es Euch gut?
Zeck sah nur nach der Kupferplatte ...
Versteht Ihr Etwas von der Kunst in Kupfer zu stechen?
Zeck richtete die Augen auf Louis und setzte sich mechanisch in den Sessel, den ihm Louis hinrückte ...
Mein Freund da hat sich die Augen verdorben beim Ätzen einer Platte. Es ist ihm gegangen wie wohl Euch, als Ihr blind wurdet. Wovon kam Das?
Vom Feuer, Herr! Ein Eisen, dem Auge zu nahe gebracht –
In der Schmiede habt Ihr Euch verglüht –
In der Schmiede.
Diese Unterredung machte Zeck allmälig sichrer. Über die ersten Wendungen war er nicht wenig erschrocken gewesen ...
Wie lange lebt Ihr schon in Plessen, Meister? fragte Louis im vertraulichsten Tone.
Sechzehn Jahre, Herr!
Immer glücklich,