Siegbert unbehindert zum schloss empor und ruhten von einem schönen dankenswerten Tage aus.
Neuntes Capitel
Die Stimmschraube
In der Zeck'schen Schmiede standen schon am frühen Morgen drei Arbeiter beschäftigt.
Der junge Zeck und die beiden neuen Gesellen, die jedoch, da sie den gehegten Erwartungen nicht entsprachen, hier heute zum letzten Male arbeiteten ...
Es waren in der Tat zwei alte Bursche, von denen man nur der Blindheit des alten Zeck und seiner überhäuften arbeiten wegen begreifen konnte, wie er sie in seine Werkstatt hatte aufnehmen können. Ohne Zweifel trieb ihn nur eine rastlose Gewinnsucht, die ihn wiederum nicht für ihn selbst, sondern für das künftige Schicksal seines beschränkten, unanstelligen Sohnes zur Tätigkeit spornte. Er machte sich anheischig, Ackermann auch Schlosser- und Klempnerarbeiten zu liefern und würde, wenn er die Kräfte hätte auftreiben können, sich zu allen Geschäften, die nur mit dem Feuer zusammenhingen, erboten haben. Es war eine Gier nach Besitz in ihm, die den Alten gefährlich erscheinen liess.
Die beiden fahrenden Arbeiter hatten bei ihm vorgesprochen und erhielten für Ackermann's amerikanische Mühle genug zu hämmern und zu feilen. Aber gleich nach dem ersten Tage merkte Zeck, dass ihnen die Arbeit nicht flink von der Hand ging und dass sie lieber plauderten, assen, tranken und recht im Wandern und Fechten steifgewordene Vagabunden waren. Er hatte mit Dem, was sie fertigten, bei Ackermann wenig Ehre eingelegt und von diesem sich müssen sagen lassen:
Alter, ich lobe Euern Eifer zum arbeiten und Geldverdienen, allein ich kann Euch die unangenehme Erklärung nicht ersparen, dass mit dem monat März, wenn nur erst die Lüfte ein wenig milder werden, allerhand neue Schmiede, neue Schlosser und Spengler hier eintreffen werden, die ich mir, natürlich auf einige Wochen nur, verschrieben habe. Der erste Grundsatz eines Geschäftsmannes muss sein, sich nicht aus Rücksicht auf Diesen oder Jenen, den man zu kränken sich fürchtet, mangelhafter Arbeit auszusetzen.
Ach, Herr, hatte Zeck darauf kurz und gefasst erwidert, ich bin ja blind! Aber wenn Sie Pferde kaufen ...
So versprech' ich Euch, Zeck, dass Niemand anders an ihren Huf kommt als Ihr oder Euer Sohn.
Mit diesem Troste aufrecht erhalten, aber doch innigst ergrimmt, hatte Zeck den beiden Arbeitern erklärt, dass er zwei so alte faule Schlingel nicht länger beschäftigen könne ...
Der Schlosser raspelte an einigen alten Krammen, die kleiner werden sollten. Der Klempner nietete einige Blechstücke zu einem kleinen dach zusammen. Der junge Zeck schmiedete Hufeisen und kehrte den beiden Andern, die er ohnehin nicht hören konnte, oft den rücken.
Der Schlosser sagte zum Spengler, dem er heimlich aus einer Flasche zu trinken gab:
Gott sei Dank! heute' Abend haben die Narrenspossen ein Ende –
Mich bringt Keiner mehr zu so einer Commission -erwiderte der Andre und trank ...
Ich habe immer gedacht, fuhr der Schlosser fort, Handwerk hat einen goldnen Boden. Aber meiner ist eingeschlagen. Ich könnte keinen Schlüssel mehr zu stand bringen.
Das ist gut für Ihre Ehrlichkeit!
Der junge Zeck merkte, dass beide Arbeiter die Lippen bewegten und roch wohl auch den Duft des Getränks ...
Faullenzer! unterbrach er sie. Denkt Ihr, dass Ihr heute nichts mehr zu schaffen braucht, weil's Gott sei Dank der letzte Tag ist? Nicht einen Groschen zahlt Euch der Alte aus, ihr Taugenichtse!
Schöne Complimente! bemerkte der Klempner.
Manchmal, sagte der Schlosser und raspelte, hab' ich doch schon gedacht: Du nimmst einen Hammer und klopfst Dem oder dem Alten ein bischen auf den Schädel. Verloren wäre doch nichts an ihnen.
Man muss es tragen, weil's Dienstsache ist –
Ja, wären die Diäten nicht ...
In diesem Augenblick kam der alte Zeck die Stiege herunter. Er blieb ohne fehlzutreten eine Weile an der untersten Stufe stehen, als wollt' er sich erst in der Werkstatt zurechtfinden und hören, ob Jeder an seiner Arbeit wäre. Dann ging er an den Blasebalg und schürte das Feuer, das ihm matt vorzukommen schien.
Die Müllerin ist gestorben, sagte er vor sich hin. Gott hab' sie selig ...
Seinem Sohne diese Nachricht mitzuteilen, war im Lärm des Klopfens, Feilens und beim Brausen des Blasebalgs nicht möglich ...
Um zehn Uhr auf's Schloss! sagte er wieder nach einer Weile vor sich hin.
Was brummt der Alte? flüsterte der Spengler.
Er sagte etwas vom Schloss – meinte der Andre.
Anneliese! schrie der Alte plötzlich wie mit einer Stierstimme, dass die beiden Arbeiter, die etwas schwachnervig waren, zusammenschraken. Besonders bekam der Spengler das Zittern ...
Anneliese! wiederholte der Blinde.
Nach einer Weile kam die alte Magd halb auf die Stiege herab und kreischte:
Meister!
Um zehn Uhr? fragte der Blinde.
Um zehn! bestätigte Anneliese und wiederholte die Erzählung der Einladung und Bestellung noch einmal.
Die beiden Arbeiter horchten auf. Der Blinde merkte Das am Ruhen ihrer Instrumente.
Nun, schrie er sie an, schlafen Euch die arme ein?
Scheert Euch zum Teufel, antwortete der Schlosser; Ihr seid ein Grobian! Und wenn Ihr uns in Gold auszahltet, bei Euch bliebe kein ehrlicher Arbeiter.
Die Worte: Ehrlicher Arbeiter und in Gold auszahlen machten einen eignen Eindruck auf den Blinden. Sonst schon hatte er bei solchen Zänkereien gesucht, den beiden Arbeitern nahezukommen und sie mit