Reichmeier hat 50.000 Taler noch von der grossen Lotterie her zu fordern ....
Lasally hat doch wohl schwerlich dabei eingeschossen ... meinte der Geheimrat; sein Stall ist ja, soviel ich weiss, sequestrirt; seine Pferde auf dem Rennen gewinnen nicht mehr. Lasally muss ganz im Misère stekken ....
Weiss ich nicht, antwortete Bartusch diplomatisch – die Pferde, die er mitbrachte, reiten sich gut. Dies bemerkte gestern fräulein Melanie ....
Hat Pferde mitgebracht! Famose idee! Warum – Pferde?
Man glaubte, der Aufentalt würde sich in die Länge ziehen, man rechnete auf ein fröhliches Beisammenleben. Da sollten Bälle gegeben werden, soweit die Jahreszeit und die plessener Musik das Tanzen möglichmachte, da sollte gehüpft, gesprungen, gesungen und geritten werden. Jeder versprach seine rosenfarbene Laune mitzubringen und Freunde, soviel deren von verträglicher Sorte nur aufzutreiben waren. Was ist nun geworden? Einer versteht den Andern nicht und mit Schlurck's Abreise ist Alles wie auseinandergesprengt.
Der Intendant sagte:
Brave Leute Das hier, aber kein Ton! Graf Bensheim, Frau von Sengebusch eingeladen – wie war Das möglich! Pure Dissonanz! Haltung – Haltung ist viel – sehr viel ist Haltung. Feste zu arrangiren, erfodert Kopf und wie gesagt .... Geburt ....
Was Feste arrangiren heisst, sah man am letzten Geburtstage der Königin, bemerkte Bartusch mit höflicher Verbeugung. Das arkadische Schäferfest suchte seines Gleichen, Excellenz ....
Recht schön gewesen, äusserte der Intendant geschmeichelt und fast gleichgültig. Ich war wegen der Costüms selbst in Dresden – wissen Sie – um mir die Porzellansammlung anzusehen. Alle Menschen ... sehr hübsch wie von Porzellan gewesen – war sehr niedlich und richtig! Alles nach echtem meissner Porzellan. Professor Lüders hat Alles sehr richtig gefunden.
Nur eine stimme darüber! bemerkte Bartusch. An uns gewöhnliche Menschen kommt davon nur so ein blick durchs Gitter und auch der ist verboten; aber Excellenz sollen sich in dem Porzellanball wirklich selbst übertroffen haben.
Als der Intendant lächelte, verbeugte sich der schlaue Graurock, der es in der Kunst, mit allerlei "Gemenschel", wie er zuweilen verächtlich sagte, umzugehen, weit gebracht hatte. Doch kaum hatte er sich empfohlen, kehrte er, da er Etwas vergessen zu haben schien, zurück und sagte zu dem Intendanten, der seinen blick unverwandt in die Gegend schweifen liess, von wo die Cavalcade zurückkehren musste:
Noch ein Wort, Excellenz. Die Bilder wollt' ich doch gehorsamst erinnert haben –
Bilder? Was für Bilder?
Die Familienbilder! – Morgen bei der Verpackung! betonte Bartusch.
Welche Familienbilder? sagte Herr von Harder plötzlich mit Amtsmiene und fast ungehalten.
Bleiben bei der Masse – testamentarische Verfügung –
Weiss Alles. Schon gut –
Dürft' ich mir erlauben, diese Stücke an mich zu nehmen und zur weitern Verfügung zurückzubehalten?
Verfügung? Zurückzubehalten? Wer verfügt? Ich verfüge!
Bartusch erstaunte über diese kategorische Antwort, die von einem so bösen blick begleitet war, dass die ganze freundliche Herablassung des vergangenen Gesprächs wie in Nichts verronnen erschien. Bartusch stand einen Augenblick ratlos, ob er unterwürfig bleiben sollte oder entschieden auftreten. Noch zog er den ersten Ton vor und sagte:
Excellenz kennen des seligen Fürsten letzte Bestimmung, dass die Familienbilder von dem Kauf ausgeschlossen sind. Es war das Gewissen, das aus ihm sprach, die Ehre ....
Familienbilder! sagte der Intendant mit grossem Nachdruck, und verriet durch seine Sicherheit, dass er hier nicht aus sich, sondern nach einer Instruction sprach. Se. Majestät werden den letzten Willen Sr. Durchlaucht wohl zu ehren wissen, ... indessen, mein lieber Herr – was reden Sie von Gewissen, von Ehre? Herr – ...
Bartusch! ergänzte dieser, als der brüske Intendant den Namen suchte.
Bartusch, mein lieber Herr Bartusch! Der Intendant sprach diese Worte mit einem Anflug von Schlauheit, der den starren Zügen etwas höhnisch Lächelndes gab – Was sind Familienbilder?
Bilder der Fürstin, des Fürsten, des Prinzen Egon – fiel Bartusch erregter ein.
Haben Sie den Fürsten gekannt?
Ich denke wohl – antwortete Bartusch malitiös.
Die Fürstin haben Sie nicht gekannt.
Wenn nicht ich, so kennt sie im dorf jedes nicht zu kleine Kind.
Kind ... im dorf? Ist das eine Autorität? Eine Autorität für einen allerhöchsten Specialbefehl, den ich zu vollziehen die Ehre habe? Kannten Sie die geborene Gräfin von Bury, welches die Mutter der Fürstin gewesen ist? Kannten Sie den k.k. österreichischen Generalfeldzeugmeister Grafen von Hohenberg, der in zweiter Linie mit dem Fürsten von Hohenberg Durchlaucht verwandt war? Familienbilder sind ein sehr allgemeiner Begriff – mein lieber Herr Bartusch – ein sehr allgemeiner. Man wird die Bilder nach der Residenz nehmen, alle – alle – alle – und Prinz Egon, Prinz Egon wird entscheiden, welche davon zur Familie gehören oder nicht. Haben sie verstanden, Herr Bartusch? ... Wer verfügt? Ich verfüge! Verstanden?
Mit diesen kurz abgestossenen, kalten, schneidenden, bösen Worten entfernte sich der vornehme impertinente Mann. Bartusch hatte Mühe, ansichzuhalten. Er besass Verstand genug, einzusehen, dass diese Überlegung nicht aus Herrn von Harder's kopf kam, sondern der Wortlaut einer ausdrücklich ihm gegebenen Instruction war. Die Wendung, die so kräftig betont wurde: "Familienbilder sind ein allgemeiner Begriff" entsprach den