müssen wissen, dass mir Ackermann oft erschien wie ein den höchsten Ständen angehörender Flüchtling. Sein Incognito war sozusagen wie das eines Fürsten. Bei jeder Lüftung seines Rockes glaubte man einen Stern auf der Brust zu sehen ...
Louis erzählte von den Huldigungen, die man dem Fürsten Egon dargebracht hätte, verweilte aber am längsten bei der überraschenden Begegnung mit Siegbert Wildungen. Das, was Murray am meisten interessiren musste, Fränzchen's Übersiedlung aus dem Forstause, schien er ganz zu vergessen ...
Endlich kam auch Louis auf diese und konnte nicht umhin, von Murray's Schwester eine Schilderung zu machen, die Niemanden mehr bekümmerte als diesen selbst.
Ist sie, sagte er, wie ich fast für gewiss annehmen muss, in einem kindischen Zustande, denkt ihr Geist nur an das Nächste, wie soll ich von der Vergangenheit etwas erfahren können! Was hoffen Sie überhaupt von meinen Absichten, lieber Louis? Ich sitze hier still in diesem Eckzimmer, lese, gravire, klimpere auch auf dem verstimmten Flügel ... wird der Zufall mir Das, was ich suche, in den Schooss werfen?
Ich fühle Ihren Vorwurf, Murray –
Keinen Vorwurf, junger Freund! Wenn ich mir zum Neide auch manchmal eine Tugend, die uns zum Guten spornen kann, denken muss, so kann ich wohl sagen: Wie beneid' ich Sie um diesen frischen sorglosen Genuss Ihrer kleinen anregenden Begegnisse! Wie frisch, wie herbstlich angerötet sehen Sie aus! Wie heiter scheint Sie all' dies Einblicken in fremde Herzen und fremde Interessen zu ergreifen! Und Sie lieben, Freund! Sie sahen einem jungen Mädchen in's Auge! Wie könnt' ich da verlangen, dass Sie auf die Busse denken, die ich mir für alte Sünden auferlegte. Vergeben Sie, dass ich Sie Ihren Fuss in meine finstern Kreise setzen liess!
Murray! Murray! Was reden Sie? Ich Ihnen vergeben? Vergeben, dass Sie mich in das innerste Getriebe Ihrer geläuterten Seele haben blicken lassen? Ach, ich lauer, träger Freund! Morgen versprech' ich Ihnen, dass wir Hand anlegen und zu einem Ziele kommen. Ich bin nicht so leichtsinnig gewesen, nur an mich zu denken. Ich habe überlegt ...
Mit Vorsicht?
Ich denke, wir knüpfen an das verstimmte Instrument an. Ich gehe und lade Ihren blinden Bruder ein mit seinem Sohne, der nicht hört ...
Aber sieht ...
Das ist schlimm! Ich möchte, Zeck träte hier ein – Sie sitzen in einer Ecke und beachten unser Gespräch – Ich beginne von Zeck's Verhältnissen und lenke immer mehr auf den Punkt hin, wo ich etwa mich stellen könnte, als wenn ich von Ursula Marzahn Dinge gehört hätte, die ich von ihm bestätigt wünschte ...
Dies System macht einem Inquirenten Ehre! sagte Murray lächelnd. Aber ich fürchte die Gegenwart eines Solchen, der mich sehen kann ...
Ich will etwas ausdenken, den Sohn zu entfernen und nur den Alten im Zimmer zu behalten ... er ist trotz seiner Blendung von einer bewunderungswürdigen Geschicklichkeit und wird an dem Instrumente bald erkennen, was wir wünschen –
Wohlan! Es gibt keinen andern Weg! Und wissen Sie, dass ich das Nächste, Beste wählen muss aus einem mir plötzlich doch aufgestiegenen, sonderbaren ängstlichen Gefühle ...
Fürchten Sie etwas?
Wenn ich den Gedanken an meine Sicherheit Furcht nennen soll, so fürcht' ich wirklich ...
Weil man nach unsrem Namen fragte?
Nein, weil man mich beobachtet. Sehen Sie dort zum Garten hinüber, hinter den büsche!
Louis stand betroffen auf und wollte an das Fenster, auf das Murray deutete.
Murray hielt ihn aber mit den Worten zurück:
Nein! Nicht so! Erst nehmen Sie das Licht und stellen Sie es an ein andres Fenster! Dann werden die Lauscher glauben, dass wir dort stehen, und da hervortreten, wo wir sie sehen können, ohne gesehen zu werden.
Ich bin erstaunt! ... sagte Louis, stellte das Licht gegen ein andres Fenster und folgte Murray hinter eine Gardine.
Sehen Sie hinter den entlaubten büsche jene beiden Männer?
Nicht deutlich. Es ist zu finster ...
Warten Sie eine Weile, bis sich Ihr Auge an die Dunkelheit gewöhnt hat. Sehen Sie nur starr in die Nacht hinaus!
Ich erblicke etwas –
Die Büsche bewegen sich –
Ich erblicke zwei Männer ... in niedergedrückten Hüten –
Die sich vorbeugen –
Und die Fenster fixiren! Das sind Landstreicher! Seien Sie unbesorgt! Ich habe schon gestern von Heunisch gehört, dass Anzeige gekommen ist, man möchte alle Fremden streng bewachen –
Schon gestern umschlichen diese beiden Männer das Schloss –
Lassen Sie! Ich gehe hinunter ...
Um's Himmelswillen! Setzen Sie sich keiner Gefahr aus!
Die Männer entfernen sich. Ich folge ihnen ...
Nein, nein! Lassen Sie!
Sie sind verschwunden ...
Genug, ich will nicht, dass Sie ihnen folgen. Bleiben Sie da!
Das kann ich nicht, Murray ...
Louis bat den Alten nun um Vergebung, dass er ihn heute Abend wieder allein lasse. Er wolle mit Siegbert bei Oleander den Abend zubringen.
O gewiss! Tun Sie Das! sagte Murray. Wenn drei so reine Flammen ineinander flackern, Das muss ein behagliches Licht geben! Gehen Sie! Aber erst nach einer Weile.
Murray fesselte Louis durch die Wiederholung Dessen