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, vornehme Empfehlungen hinzu und ich versichre Sie, er wird Helenen fesseln, für Egon entschädigen, eine Verbindung mit der Gräfin anknüpfen und Olga, dies junge, noch reine Gemüt, Olga, dieser Engel, soll jetzt schon Zeuge solcher elenden modernen Verirrungen werden, soll ...

Sie sehen zu weit! unterbrach Louis den trostbedürftigen Siegbert, der seine lebendigste Liebe für Olga nicht verbergen konnte. Ich kann nicht glauben, dass ein Weib, das einen Egon liebte und von ihm wieder geliebt wurde, so sehr das Bedürfniss eines zärtlichen Verhältnisses verraten könnte, um diesen Tausch einzugehen.

O, rief Siegbert, in mir erhebt sich Alles, Alles, um diesen Verdacht zu bekämpfen. Jede Fiber meines Herzens spricht für die Unmöglichkeit solcher Gesinnungslosigkeit des Herzens am weib überhaupt, und doch klingen mir die Worte im Ohre, die Dankmar einmal zu mir sprach: O Das sind die Frauen, die mit ihrem Herzen Alles möglich machen können, wie mit Handschuhen, die man wäscht, färbt, umkehrt, wie mit Polypen, die man aufschneidet, herumwendet und die dennoch leben, auch wenn der Bauch ihr rücken, der rücken ihr Bauch geworden!

Bitter, sehr bitter und gewiss oft wahr! rief Louis erschreckend. Aber geben Sie diese trübe Vorstellung auf! Hoffen Sie auf eine schönre entwicklung des jungen Mädchens, das Ihnen so teuer ist! Oder treten Sie mit Entschiedenheit bei der Fürstin auf ...

Bei der Fürstin? wiederholte Siegbert in einem Tone, der Louis bestimmte, fragender, als er sich sonst erlaubt hätte, auf seinen Freund zu blicken.

Weshalb hab' ich mich wohl entschlossen, sagte Siegbert, das geistlose Gesicht jenes reichen Gutsbesitzers in Randhartingen zu malen? Wissen Sie, dass ich von Schönau geflohen bin! Die Fürstin liess mich einen Besuch in dem kleinen Orte erwarten.

Himmel! rief Louis erschreckend.

Wohl wusste sie über diesen Entschluss, fuhr Siegbert fort, den Mantel einer glaublichen Entschuldigung zu werfen. Sie sprach von einer Verwandten ihrer Mutter, die in der Nähe wohne, von Otto von Dystra's Verlangen, mich kennen zu lernen, doch mit den Vorwürfen, die sie mir über meine Flucht machte, verglichen, glaube' ich fast, sie will sich selbst überzeugen, ob ich wirklich in Schönau bin oder nicht gar mit Olga und Helenen irgendwo schwärme ...

So wünsch' ich, sagte Louis lachend, sie kommt nach Schönau, findet Sie nicht und reist, wie es sich gebührt, ihrer Tochter nach Italien nach, einem Aufentalt, an den sie nicht glauben will.

Das Seltsamste, schreibt mir über diese Dinge mein Bruder Dankmar, das Seltsamste ist dabei, dass in diesen Frauenköpfen von den Lebenspflichten des Mannes so gut wie gar keine Vorstellung existirt. Der Weltbau kann in Trümmer gehen, wenn nur noch Platz zu ihrem Glücke übrig bleibt. So unersättlich sind diese Leidenschaften in der grossen Welt, dass man zuletzt wirklich mit Wonne vor einem beschränkten Mädchen stehen bleibt, das noch Sternblümchen zerzupft und dabei fragt: Liebt er mich, liebt er mich nicht?

Mit diesen Worten schwenkten die beiden Freunde an der Eiche rechts zur Wiese hin, an deren rand das Forstaus vor ihnen lag. Es war schon dunkel geworden. Doch sah man unten kein Licht. Die Hunde bellten der Annäherung der Fremden entgegen.

Heunisch wird zu haus sein! sagte Louis und beschleunigte die Schritte.

Ich bin begierig, diese stille Liebe kennen zu lernen, sprach Siegbert erwartungsvoll und verschob seine Mitteilungen aus Dankmar's und Leidenfrost's Briefen auf den Abend, wo er mit Louis im schloss allein zu sein hoffte.

Wir sind allein! bestätigte Louis, nicht ohne Verlegenheit, wie er es mit Murray halten würde.

Fränzchen hatte die Ankommenden trotz der Dämmerung erkannt und kam ihnen unter der Haustür fragend entgegen.

Siegbert freute sich an dem zarten, blühenden Mädchen und dem romantischen Aufentalte. Der Wald, die Wiese, das Jägerhaus, die liebliche Bewohnerin schienen ihm zusammenzupassen wie ein Märchen von Grimm.

Für ein Bild sehr romantisch, sagte Louis. In der Wirklichkeit ist es aber besser, dass Fränzchen in den Ullagrund zieht. Herr Ackermann ist einverstanden und erwartet Sie schon jetzt, schon für heute. Er ist in Plessen und nimmt Sie sogleich mit.

Franziska sprach so laut ihre Freude aus, dass Heunisch, der eben mit der Pfeife aus der Haustür trat, schon unter der Tür hörte, dass der neue Pächter eingewilligt hatte. Er dachte dabei mit Spekulation an den alten Sandrart und hatte seine vollkommenste Freude an diesem Ausgang.

Jetzt aber rasch! sagte Louis. Das Nötigste trag' ich selbst und das Übrige schaffen Sie nach, Herr Heunisch!

Da liegt schon vorläufig ein Bündel, warten Sie, ich lege meine Pfeife weg

Bleiben Sie nur, bedeutete ihn Louis, Das trag' ich selbst, da ist keine hülfe nötig.

Damit hob er den Bündel auf, der mit der nötigen Wäsche versehen war.

Franziska sagte:

Wir wechseln ab. Nur fort! Adieu Onkel! Behüte Sie Gott und kommen Sie gleich morgen!

Heunisch hatte nicht das geringste Mistrauen in dies verhältnis zwischen Franziska und dem jungen Fremdling, der sich ihrer Angelegenheiten so teilnehmend annahm. Er sagte:

Die Katze kriegt doch noch ein Pfötchen? Sieh, wie sie sich anschmiegt! Komm, Mutz, gib dein Patschchen! Der fremde Herr macht sie confus. Ja, Herr, so wohnen wir hier im wald .