des jungen Mädchens? sagte Siegbert bewegt. Ich läugne nicht, dass Olga, von den ersten Regungen ihres jungen Herzens irre geführt, mir Beweise mehr kindlicher, als denkend empfindender Liebe gegeben hat ...
Die Eifersucht auf die Mutter hatte die Flamme genährt ... sagte Louis zurückhaltend.
Auch Das ist der Welt bekannt? rief Siegbert mit schmerzlicher Erregung. Alle, Alle sahen es. Nur ich Tor war verblendet und wiegte mich, dem trägen, schlummernden Goldkäfer gleich, in dem Kelche der Blumen. Wie bereu' ich diese glücklichen Tage! Wie viel qualvolle Stunden werden ihnen folgen!
Unerklärlich ist, wie Olga entfliehen konnte!
Doch nicht! sagte Siegbert. Rudhard hatte mit Gewalt beschlossen, mit ihr und den andern Kindern zu reisen. Noch hör' ich, dass ein von ihrem Vater ihr bestimmter Verlobter eingetroffen sein soll. Es blieb ihr nur die Wahl, entweder mit Rudhard zu reisen oder sich mit Otto von Dystra zu verloben.
Otto von Dystra? sagte Louis überrascht. Ein russischer Diplomat? Aus Amerika?
Ganz recht.
Ein Freund Ackermann's, ein Bekannter ...
Fast hätte Louis Murray's Namen, den er doch verschweigen wollte, ausgesprochen.
Wie sie Alle bestätigen werden, fuhr Siegbert fort, ein Mann, der nicht ohne Bedeutung sein soll.
Ein Sonderling! Unstät – Reisender! Überdies hässlich ...
Menschen von Geist sind nicht hässlich.
Einer solchen Verbindung könnten Sie das Wort reden?
Rudhard verschwieg mir nichts von den Wunderlichkeiten dieses Mannes; doch musste er ihn einen Philosophen nennen und gestand mir, dass grade eine solche natur im stand sein würde, Olga's Erziehung zu vollenden.
Nein! Nein! Abscheuliche Sklaverei! Erziehung in der Ehe! Philosophie, wo das Herz glücklich sein will! Wie lob' ich das entschlossene Mädchen, dass es den Mut hatte, zu entfliehen und das Herz zu retten, in dem Siegbert Wildungen's Bild lebt!
Sie brauchen fast dieselben Worte, lieber Louis, sagte Siegbert lächelnd, wie sie selbst ...
Sie schreibt Ihnen?
Aus der ersten Stadt, wo sie rastete. Es sind die lyrischen Ergüsse eines schwärmerischen Mädchens, das durch die Welt reist, um sie mit ihren Idealen zu vergleichen. Ich würde diese Wendung mit Freuden verfolgen, wenn nicht auch Helene von Olga mit leidenschaftlicher Liebe angebetet würde. O nur Helene weiss zu lieben, schreibt sie mir. Helene ist die Liebe selbst. Die himmlische, die in diese abscheuliche Erde nicht passt! Egon ist einer von diesen herzlosen Göttern der Erde, die Menschenopfer verlangen. Er ist kein Teufel und kein überirdischer Gott, er ist nicht ganz böse und nicht ganz gut, nur er selbst ist er, der Schatten seines Schattens, das Echo seines Echos, einer der herzlosen Dämonen, die Alles wegzuspötteln, wegzulächeln wissen und an Wahrheit erst glauben, wenn einmal ein betrogenes Weib den Dolch erhebt und sie für die Lüge ihres Geistes den Stahl einer wirklichen Rache empfinden lässt!
Ums Himmelswillen, rief Louis lachend, Das ist ja ein Plagiat! Das sind Worte, die Olga Helenen nachschreibt und Helene hat sie von der Phädra oder sonst einer wilden Heroine aus dem Téâtre Français!
Ich würde lachen, wie Sie, Louis, bemerkte Siegbert, wenn nicht diese Stylübungen eine neue Wendung erhielten durch den Trost, den Helene d'Azimont finden wird, suchen muss. Leidenfrost schreibt mir, dass der Maler Heinrichson, Sie kennen den schönen, allen Frauen gefährlichen Mann, nach Rom ginge, wie man sagte, um sich dort mit Gräfin Helene d'Azimont ein Zusammentreffen zu geben.
Verläumdung! rief Louis. Befürchten Sie Das nicht! Die Gräfin war leichtsinnig, als sie keinen Mann gefunden, der der Liebe einer Frau würdig war. Sie fand aber Egon. Trotz der Schmerzen, die mit diesem ihrem Glücke andern Menschen bereitet wurden, versichre ich Sie, dass nach der Liebe eines solchen Mannes Helene nicht im stand ist, Gefallen zu finden an einem so glatten Dandy, einer solchen geleckten Eleganz.
Sie irren sich, Louis! Heinrichson besitzt Esprit. Er weiss mit den Worten Fangball zu spielen und besitzt jene blasirte Kälte, die, mit Geist und schöner Figur verbunden, allen Weibern gefällt. Dazu ist er Maler. Ich erkenne an mir selbst, wieviel wir bei dem Glückke, das wir in der Welt machen – abscheulich; ich spreche wie ein Don Juan –
Fahren Sie fort! Ich kenne die Maler. Ich war in Paris täglich mit ihnen in Verbindung. Ich weiss, was sie ihrer Kunst zu verdanken haben.
Nun gut. Auch diesem Heinrichson fliessen alle Vorteile seines Talentes zu. Dabei kann man nicht umhin, sein Talent anzuerkennen. Er führt einen geschmeidigen, anmutigen, farbengrellen Pinsel. Es ist Lust und Leben in Dem, was er auf die Leinwand wirft. Was er auch malt, blenden, fesseln wird es immer. Befriedigen freilich kann es nur Die, die von Effekten gepackt sein wollen. Ich weiss nicht, ob Heinrichson in Rom bei den Kunstgenossen Glück machen wird. In Paris würde er's. Für Rom fürcht' ich, dass man ihn oberflächlich und frivol nennt. Er wird sich aber Anerkennung verschaffen durch Witz, Satyre. Man wird Angst vor ihm haben, weil er treffende Urteile schleudern kann. Genug, mein Freund, nehmen Sie noch ein seltnes Sprachtalent, Conversationston im Salon, vortreffliche Toilette