schon jetzt damit in die Küche kommt, jetzt schon mit der Livree die Wände abschabt!
Er hat sie seit drei Jahren nicht getragen und freut sich, dass er stärker geworden ist.
Drum dehnt er sich so aus und reckt sich, dass alle Nähte platzen!
Die Magd, die durch das ganze Haus den Justizdirektor gerufen hatte, kam mit dem endlich Gefundenen zurück.
Kind, sagte er mit ängstlicher Miene, sechs ...
Acht! gab die Gemahlin gleich zu. Ich suche dich überall! Ich war im Keller und du bestimmst nichts, du sorgst für nichts, du bist für nichts, du denkst an nichts. Die roten oder die gelben? So sag' doch! Vier rote, zwei gelbe –
Aber Herzchen, wir sind –
Achtzehn –
Neunzehn!
Der Alte mit der schwarzen Binde kommt nicht –
Also siebzehn –
Was rechnest du denn!
Aber die Frau Pfarrerin Stromer! Pfannenstiel, hier, schreiben Sie einmal auf!
Pfannenstiel setzte sich zum Schreiben.
Erstens, dictirte Frau von Zeisel, Herr Louis Armand –
Der Schreinergesell! ergänzte Pfannenstiel.
Der Stand, bemerkte Frau von Zeisel empfindlich, der Stand ist hier nicht nötig. Wir waren nie stolz.
Die rechte Hand des Fürsten und Sekretair des Premierministers! bemerkte Herr von Zeisel und schnitt damit alle weiteren Erörterungen ab. Zweitens –
Herr Ackermann! bemerkte der Amtsvoigt kräftiglich.
Nun, nun, sagte Frau von Zeisel pikirt, der Name brennt Ihm ja recht auf der Zunge. Wer weiss, wie bald die Komödie zu Ende ist. Der Fürst wird bald erkennen, dass er es mit einem Projektenmacher zu tun hat! Den neuesten Briefen des Justizrates nach zu urteilen, wird die Welt binnen Kurzem von Dingen überrascht werden ...
Drittens, sagte der Justizdirektor –
Lass mich! unterbrach ihn seine Frau – Zweitens -Nummer Zwei, Frau von Zeisel, sagte Pfannenstiel, der sich in die Umstände zu fügen wusste. Nummer drei, Herr von Zeisel.
Nummer Vier, Herr Ackermann! sagte jetzt der Justizdirektor selbst.
Nummer Vier, Herr Oleander! unterbrach determinirt seine Gemahlin. Wer ist dieser Ackermann? Kann er sich einen Studierten nennen? Wer weiss, wo er herkommt und wo er noch hinfährt!
Nummer Fünf, die Frau Pfarrerin Stromer! bemerkte der Justizdirektor und um nur Ackermann ganz hinten zu bringen, setzte er hinzu:
Nummer sechs, Herr Doktor Reinick aus Randhartingen.
Nummer Sieben, Herr Ackermann! bemerkte aber der unermüdliche Amtsvoigt wieder, dem einmal dieser Name so wertvoll und bedeutend war wie allen Bewohnern des kleinen Fürstentums.
Nein! schalt Frau von Zeisel fast zornig.
Nummer Sieben, verbesserte ihr Gemahl, Herr Apoteker und Spezereihändler Sonntag aus Randhartingen –
Nummer Acht, fuhr seine Gattin fort, Herr Aktuar Weisse aus Plessen ...
Nebenan hustete Jemand, der unstreitig Herr Weisse war und sich gleichsam für die Ehre, der Achte zu sein, bedanken wollte.
Nummer neun, Ihr Herr Schwager, bemerkte der Justizdirektor verbindlich zu Pfannenstiel, Herr Drossel vom Gelben Hirsch – die Frau nebst Lenchen ist auf dem Heidekrug.
Also fräulein Emmeline Drossel und fräulein Alwine Drossel – setzte seine Gattin hinzu, als wollte sie sagen:
Unsre Herablassung!
Pfannenstiel verbeugte sich und bemerkte nur in den Bart hinein:
Macht Zehn und Elf oder eigentlich das Doppelte, denn Drossel speist und isst für Zwei – auf die heutige Zeitung hin vielleicht ...
Dann zwölf – unterbrach Herr von Zeisel, um seine Frau nicht durch einen vielleicht dreifach gesteigerten Appetit des gefürchteten Radikalen zu erschrecken.
Jetzt glaubte aber der Schwager des Wirts vom Gelben Hirsch in der Tat sagen zu dürfen:
Zwölftens, Herr Ackermann.
Aber wieder schnitt ihm die Justizdirektorin den Namen ab, indem sie fast gleichzeitig diktirte:
Zwölftens und dreizehntens, Herr und Frau Rentmeister von Sänger aus Randhartingen –
Vierzehntens, Herr A –
Herr Anverwandter, Ökonom aus Randhartingen, sagte Frau von Zeisel. – Mit seinem Besuche aus Schönau – wie heisst er doch? Dem Ortsvorstand Marx –
Macht fünfzehntens –
Und vielleicht noch dem Herrn Maler – bemerkte Herr von Zeisel.
Welchem Herrn Maler?
Den Marx mit nach Randhartingen gebracht hat, um Herrn Anverwandter zu malen – zum Weihnachtsgeschenk für seine Tochter –
Ich las den Brief so flüchtig ... ich besinne mich ...
Also fünfzehntens, Herr Marx, sechszehntens, der Herr Maler aus Schönau, recapitulirte Pfannenstiel und glaubte nun für ganz bestimmt endlich sagen zu können:
Siebzehntens, Herr Ack –
Aber auch hier beugte der besonnene Herr von Zeisel vor und bemerkte:
Siebzehntens, fräulein Ackermann – Achtzehntens –
Dies Auskunftmittel war sehr fein ... Nun verstand sich von selbst, dass der achtzehnte Herr Ackermann war. Denn es war auch wirklich der Letzte.
Jetzt begann die Erörterung der Weinvorräte.
zwölf Herren, sechs Damen, sagte Frau von Zeisel, seufzend über die notwendigkeit, einmal so unebenbürtige Menschen, nicht die Adligen der Umgegend, bei sich zu Tisch zu sehen.
Acht Flaschen auf den Tisch, liebes Kind, erörterte ihr Gemahl.
Und zwei in Reserve! bemerkte die vortreffliche Wirtin.
Hier räusperte sich Herr von Zeisel und sah Pfannenstiel an, als hofft' er von diesem Succurs.
Acht auf den Tisch, fiel dieser ein, und acht unter'n Tisch! Macht sechszehn. Wie ich gesagt habe.
Sechszehn? rief Frau von Zeisel. Das wäre ja ein Trinkgelag!
Frau Justizdirektorin, wenn die Männer lustig werden und für meinen Schwager