Handschriften ganz in der Gewalt und auch für diese idee, obgleich sie vielleicht von der ihm nicht sehr zusagenden quecksilbernen Frau von Trompetta angeregt, von dem geistreichen artistischen Tonangeber, dem Probste Gelbsattel, den Voland wie alles luterisch Kirchliche nicht gern zu üppig und breit aufkommen liess, unterstützt war, lautete sein Votum doch durchaus empfehlend. Für den Leonardo da Vinci aus Wachs hatte Voland sogar schon einen Platz in der Privatkunstkammer des Königs, wo bereits mehre Kunstwerke standen, die Voland bei seinen Reisen durch österreichische Klöster gesammelt hatte. So vermuteten die Tiefern, die Bedeutenden und Ahnungsvollen .... Doch gestehen wir, dass es auch noch eine andere sehr nüchterne, kalte und rationalistische Partei bei hof gab, die diese Acquisition ganz vom finanziellen Standpunkte beurteilte. Diese sahen eine dem überschuldeten Fürsten Waldemar von Hohenberg aus der königlichen Chatulle gezahlte Summe von dreitausend Talern rein als eine einfache Unterstützung an, die man dem vom höchstseligen Landesfürsten abgöttisch verehrten tapfern Husaren Waldemar von Hohenberg, einem der glorreichsten Haudegen der Armee, in dieser harmlosen Form wollte zufliessen lassen, und darauf das Mobiliar der Fürstin als eine Verpfändung. Um den Bruder des Königs, den Prinzen Ottokar, der den Oberbefehl der Armee führte, gruppirten sich Diejenigen, die sich für diese nüchterne Auslegung verbürgen wollten und die Mission des Geheimrats Henning von Harder zu Harderstein als eine einfache, nur dem königlichen Kämmerer, der die Chatulle verwaltete, bekannte finanzielle Eintreibung einer verfallenen Schuld ansahen.
Dann begreif' ich aber nicht, hatte Bartusch, das Factotum des Justizrats Schlurck zu diesem noch vor einigen Tagen auf Schloss Hohenberg gesagt, dann begreif' ich nicht, wie Herr von Harder mit so ungestümer Eile, mit so ängstlicher Sorgfalt von dem Inhalt dieser drei Zimmer Besitz nehmen konnte. Wie rasch die Siegel an die Zimmer gelegt wurden! Kaum, dass der Fürst die Augen geschlossen, lag schon das Siegel der Hofkanzlei auf Tür und Fenster. Jetzt, statt einfach einen Commissar zu senden und den Inhalt auf Treu und Glauben verladen zu lassen für dasjenige Schloss, wohin jene Schnurrpfeifereien nun bestimmt sein mögen, kommt die Excellenz da mitten in der Nacht in höchst eigener person, einen Tag darauf folgt ein grosser Meubles- und Transportwagen, wie für ein Paar Elefanten, und jetzt soll Einer die Angst sehen, mit der zwei Bediente über die drei Zimmer wachen, dass auch nicht eine Stecknadel hinaus kann. Was steckt dahinter?
Sie kennen, hatte dagegen Schlurck zu seinem treuen Bartusch gesagt, Sie kennen die ängstliche Gewissenhaftigkeit dieses musterhaftesten aller Staatsdiener. Henning von Harder, der nichts von Dem sehen und hören will, was die närrische Pauline in seinem haus täglich anrichtet und in der Welt schon Alles angerichtet hat, weiss dennoch mit genauester Bestimmteit, ob gerade in dieser Minute ein Rhododendron in dem königlichen schloss zu Buchau am Rheine blüht oder geblüht hat oder blühen wird. Dieser Mensch ist eine Uhr. Im Gefühl seiner Pflicht einmal aufgezogen, schnurrt er sich in matematischer Genauigkeit Minute um Minute ab, bis er sich mit dem Gefühl seiner Würde wieder neu aufzieht und wieder da anfängt wo er geendet hat.
Hm! Hm! Hm! hatte damals der kluge und schlaue Vertraute aller Schlurck'schen Geheimnisse für sich in den Bart gebrummt und dann noch diese oder jene Vermutung einstreuen wollen ..... Schlurck aber hatte kurz vor seiner schnellen Abreise nach der Residenz einfach die Weisung gegeben:
Bartusch, behandeln Sie die Excellenz mit all der achtung, die ihrem einflussreichen stand, noch mehr aber der gefährlichen Intrigue seiner uns sonst innigst zugetanen Frau gebührt! Ich würde fürchten, nicht mehr lachen zu können, wenn diese leicht verletzbare Frau, die mich jetzt verehrt und schätzt, zufällig meine Feindin würde. Lassen Sie ihn die besten Zimmer bewohnen, bieten Sie den beiden Schlingeln von Bedienten die freundlichsten Worte und getrost soviel Wein wie sie wollen. Mein Princip ist auch das, immer die Häuser von unten aufzubauen. Wissen Sie noch, Bartusch, ich habe darüber einmal in der Loge zu den drei Triangeln eine Rede gehalten, als das beste Princip aller zünftigen und unzünftigen Maurerei? Mit der übrigen Gesellschaft, die sich hoffentlich auch bald verzieht, wird sich der vornehme Herr wenig in Gemeinschaft setzen. Darauf aber mach' ich Sie aufmerksam: Einen gewaltigen Fehler hat er – alle königlichen Gärtnermädchen wissen davon zu erzählen – der schon alte Knabe ist sehr verliebt. Melanie liebt Spässe ... und die, hoff' ich, werden nicht in Ernst ausschlagen. Ich will keinen Kastellanposten in Buchau oder Sansregret oder Solitude haben, verstehen Sie, Bartusch! Sagen Sie Melanie Das: Ihr Vater will nicht königlicher Schlosskastellan werden. Und noch Eins! wenn die Zimmer geöffnet sind, so behalten Sie ...
Die Familienbilder, fiel Bartusch mit Nachdruck ein.
Wohl, sagte Schlurck, die Familienbilder. Denn die Clausel steht in der Verkaufsurkunde: die Familienbilder gehen sämmtlich an den Prinzen Egon zurück.
Damit hatte sich Schlurck seinem treuen Geschäftsbeistand Bartusch empfohlen und in der Tat raffte Dieser, ein sonst nicht sehr glatter, wenn auch geriebener Weltmann, alle ihm ungewohnten, nur aus alten dienenden zeiten ihm erinnerlichen Höflichkeitsformen zusammen, um gegen den Intendanten der königlichen Schlösser und Gärten möglichst unterwürfig zu sein. An diesem Morgen, nach Schlurck's rascher durch irgend ein ihm unbekanntes Erlebniss veranlassten Abreise hatte Herr von Harder die drei Zimmer öffnen und mit Unterstützung des Justizdirectors von Zeisel, der unten in Plessen wohnte, ein Inventar aufnehmen lassen, das