das man nur mit fletschenden Zähnen hervorbringen konnte. Der Alte war gewiss fern von aller ursprünglichen Bosheit, aber im Punkte seines Stolzes und seines Eigennutzes kannte er nichts, was seine Empfindung milderte.
Vorläufig hoff' ich, sagte Ackermann, dass Euer Sohn General wird und seinen Abschied erst auf dem feld der Ehre nimmt. Das von wegen des Hauses.
Nun, sagte Sandrart beschwichtigend, für drei Jahre, Nachbar, ist's ja Euer! Wenn er eine brächte der Heinz, die mir gefällt, muss sie erst noch ...
Hier hinter dem grünen Kachelofen mit Euch schmoren, unterbrach ihn Ackermann. Ich sag' Euch, Nachbar, gebt Euren Eigenwillen auf! Der Heinz tut einmal nicht, was Euch gefällt. Was habt Ihr ihn Flöte blasen lassen! Wer Flöte bläst, Alter, setzt sich hier nicht im Winter unter Eure Lerchen da im Bauer, die bei jedem Sonnenblick denken: draussen ist Frühling und stossen sich den Kopf, weil sie singen wollen! Der sucht die Lerchen draussen auf dem Feld! Rechnet doch auf Kinder nicht, die sich verlieben und im Kummer Flöte blasen können! Seid froh, wenn ihn nicht das Auswanderungsfieber befällt ...
Das wäre? sagte der Alte zum Tod erschrocken.
Nun?
Ein Vagabund!
Oho!
Ja so, Nachbar! Vergebt! Das hatte' ich ganz vergessen ... Ihr war't auch draussen. Aber ... lest mir den Brief, wenn Ihr die Güte haben wollt!
Ackermann nahm das Papier, das der Bauer in Händen hatte, warf einen verstohlnen blick auf den mannichfach bewegten Louis und las ein Schreiben vor, in welchem zuvörderst nur von Schinken, Würsten, Butter und Käse die Rede war. Der Feldwebel liess danken, drei Unteroffiziere dankten, Alle versorgte der Bauer aus dem Ullagrunde mit Lebensmitteln. "Vater, hiess es aber nun weiter, Vater, ich muss Sie recht um Gottes Willen bitten, seien Sie christlich mit der Franziska, die nun jetzt doch zu ihrem Onkel nach Plessen ist! Sie hat von mir in Güte Abschied genommen und mir gesagt: Sandrart, wenn ich im Frühjahr noch lebe und Sie kommen zu Ihrem Vater, so will ich Ihnen recht gut werden, wie eine Schwester. Ich weiss nun auch, dass sie gern einen Andern möchte lieber leiden, aber ich habe doch von Märtens, die grüssen lassen, auf Ehre und Seligkeit gehört, dass es bei dem nur guter Wille ist und Freundschaft, aber keine reelle Absicht. Sagen Sie ja in das Försterhaus hinein, dass ich Franziska grüsse und ihr wünsche, dass ihr die Zeit nicht sollte lang werden bis zum Frühjahr und dass ich keinen Ball in diesem Winter besuche. Lieber Vater, ich habe dieser Tage ein grosses Malheur können haben. Ich muss es Ihnen doch auch schreiben, was es war. Es war wieder, wo ich Ihnen schon öfters geklagt habe, von wegen meinem Lieutenant. Ich hatte, weil die Franziska nun abgereist ist, die Flöte mitgenommen in die Kaserne und Alle hören gern, wenn ich manchmal des Abends blase. So blas' ich vorgestern Abend um fünf Uhr, wie's schummrig ist, und da kommt der Lieutenant hereingestürzt und der Portepéefähnrich auch und sie fluchen ein Donnerwetter über das andre, weil ich hätte ein demokratisches Lied geblasen. Das war aber nur die Melodie gewesen, die ich ...
Ackermann meinte, hier wäre etwas verwischt.
Blus! sagte der Bauer; blus – blus – heisst es wohl.
Blus?
Blus! Blus! wiederholte der Alte. Nun? setzte er drängend hinzu.
Allein, fuhr Ackermann fort zu lesen, was ist es meine Schuld gewesen, dass die Soldaten nun Alle laut ein Lied sangen, das auf diese Melodie gar nicht gesetzt ist? Der Lieutenant schimpfte uns einen Strauchbuben und Demokraten über den andern, worauf ich ärgerlich wurde und ihm etwas sagte, was er sagte, dass ich es ihm schon einmal gesagt haben sollte. Ich sagte aber nichts, als: Herr Lieutenant, wir sind jetzt nicht im Dienst! Da wurde er fast toll, zog die Plempe und schrie, dass ich ein Landesverräter und alle Tage wohl capabel wäre, dem König meinen Eid zu brechen! Und eher wollt' er mich niederstechen, wobei ihm der Portepéefähnrich, Sie kennen ihn ja, es ist der kleine blonde, er heisst von Flottwitz, den Arm hielt, dass er nicht so schändlich konnte ausführen, was er drohte. Aber eine Rede hielt er nun, dass er schon längst wisse, was die dritte Compagnie zum Abschaum in der Armee mache und dass wir die Cocarde verlieren sollten und solche niederträchtige Sachen mehr, bis er dann sagte, dass er alles Dieses aufschreiben und mich wegen meiner Rebellion auf acht Tage in Mittelarrest bringen würde. Das nahm auch seinen Fortgang. Beim Appell wurde ich vorgerufen und mein guter Major, der Herr Major von Werdeck, für den das Bataillon sein Leben in die Schanze schlägt, sagte mir: hören Sie, Sandrart, ist es wahr, Sandrart, sagte er, dass Sie ein demokratisches Lied geblasen haben? Herr Major, sagt' ich, ich habe eine Melodie geblasen, auf die die Soldaten einen Vers sungen, der darauf passte wie die Faust aufs Auge. Was blusen Sie? fragte der Major. "Wenn ich in stiller Mitternacht", sagte ich. Und was sungen die Soldaten? "Was