doch nicht? fragte Ackermann eine alte Magd.
Sie schüttelte den Kopf, neugierig auf einen Fremden lugend, den heute Herr Ackermann mitbrachte.
Ackermann öffnete eine Tür, aus der der Qualm des überheizten grünen Kachelofens ihnen entgegenströmte. Die Decke des Zimmers war niedrig. Die Wände hingen voll geringer Kupferstiche und bunter Farbenklexereien.
Hinterm Ofen sich ausdörrend sass der alte Sandrart in einem Sorgenstuhl und erhob sich. Eine kleine stämmige Gestalt in kurzer Jacke mit grossen silbernen Knöpfen. Dem runden, ziemlich ebenmässigen Antlitz konnte man seine gewöhnliche Physiognomie nicht entnehmen, da der Alte verdriesslich schien und gleich voll Zorn auf einen Brief wies, den er heute empfangen.
Zuerst, bester Nachbar, sagte Ackermann mit spielender, ironischer Leichtigkeit, zuerst stell' ich Euch einen Besuch aus der Residenz vor, Herrn Louis Armand.
Sandrart wusste nichts von diesem Namen und nickte mürrisch verlegen ...
O mein Sohn, fing er sogleich an, mein Sohn, mein Sohn, Herr Nachbar!
Schon wieder Kummer über Euern Sohn? Schon wieder Schlimmes von ihm?
Louis horchte mit grosser Spannung und setzte sich auf einen der gepolsterten kattunüberzogenen Stühle, die in dem Zimmer standen.
Ich wette, es ist wegen der Heirat Eures Sohnes, Nachbar. Ich hab' es immer geraten, Nachbar, lasst ihn freien, wen sein Herz begehrt!
Die nicht! Die nicht! sagte der Alte; und wenn sie sich auch dicht hier schon an die Haustür hergepflanzt hat!
An die Haustür schon? sagte Ackermann sich umblickend. Da sehe' ich nur Eure wilden Hunde, denen es bald zu kalt werden wird.
Drüben im Forstause ist sie ja!
Im Forstause?
Sie haben ja nicht geruht, bis sie nur noch einen Sprung in meinen Waizenkasten hat.
Sie müssen wissen, Herr Armand, sagte Ackermann immer launig und scherzend, Vater Sandrart's Waizenkasten ist sein Geldkasten. Ich möchte doch wohl wissen, wo er steht, Nachbar, der Waizenkasten!
Sandrart lachte pfiffig in sich hinein. Wenn man von seinem Gelde sprach, wurde er immer launig, aus einer Art von Schabernack. Heute fiel er aber bald wieder in seinen grimmigen Ton zurück.
So viel weiss ich, drüben in's Forstaus kommt der Waizenkasten nicht. Ich hab's auch heute dem Heunisch gesagt ...
Waren Sie drüben? fragte Louis angeregt.
Das fehlte noch! antwortete der Bauer hochfahrend. Ich Dem nachlaufen? Hier ist er gewesen, der Heunisch und hat wieder von der geschichte angefangen. Ich leid's nicht. Heinrich soll sich nach seinem Stand umsehen und mir ein Mädchen bringen, die mehr versteht als Staatshauben.
Ackermann war einigermassen über diese Verwicklungen unterrichtet.
Ist das Mädchen im Forstause? fragte er. Franziska Heunisch, die Nichte des Försters! Aber Alter, hört doch! Fränzchen Heunisch, wie Das hübsch klingt! Fränzchen! Das müsst' Euch ja sein, wie wenn ein Kätzchen um Euch wäre und Euch streichelte! Denkt nur, wenn so eine weiche Hand da über Euren Bart fährt, wie gut Euch Das täte. Ist sie schmuck? Sie kennen sie ja, Herr Armand! Wollen Sie nicht ein gutes Wort für diese Verbindung einlegen?
Louis war in Verlegenheit ... Doch lobte er Fränzchens Schönheit.
Ah, glatt hin, glatt her! sagte der Alte. Ich habe sie ja gesehen vor drei Monaten. Eine Mamsell passt nicht für die Diele draussen. Soll ich mit einem Jäger in Freundschaft kommen?
Das ist wahr, sagte Ackermann, ein Lohndiener des Fürsten und Ihr ein Freiherr vom Ullagrunde. Nein, Das wäre nicht nach der Ordnung. Aber, Nachbar, die Ordnung könnt' Euch am Ende eine Tochter in's Haus bringen, die wohl Batzen, aber garstig rauhe hände hat, mit Euch zankt, Euer Leibgericht nicht kochen will, und warum? Weil ihr selbst die Klösse im Magen drücken.
Sandrart lachte.
Ich ging' einmal von der Ordnung ab ...
Der Bauer schüttelte den Kopf.
Jetzt erst recht nicht, sagte er; wo ich keine Ruhe vor ihr haben soll, wo sie schon angezogen kommt und sich in der Nachbarschaft will sehen lassen. Jetzt grade nicht!
Aber, Nachbar, wie ist mir denn, so viel ich weiss, ist das Mädchen Eurem Sohne nicht einmal zugetan. Jeder Brief, den ich Euch vorlesen muss, erzählt von seinem Kummer, dass es Fränzchen mit ihm nicht mehr mag wie sonst.
Heimtückerei! sagte Sandrart. Sie wird wohl Gott danken, wenn sie meine Permission kriegt. Mit dem Förster! Mit denen da in dem Forstaus verwandt? Mit dem Blinden in der Schmiede?
Die haben Geld!
Wer weiss, wie gewonnen! Landläuferisches Volk! Wenn mir der Heinrich so käme ... wozu hab' ich denn das Haus aufgerichtet, das Ihr bewohnt, Nachbar? Wozu liess ich ihn, den Jungen, denn was lernen, lesen, schreiben, rechnen; er bläst Flöte ... er wird Soldat ... das musst' er ... nimmt seinen Abschied, er bringt mir ein Mädchen zu aus Randhartingen oder Schönau, wo die fettesten Bauern sitzen. Will ich sie doch hier nicht in dies alte Haus führen, obgleich es vor zehn Jahren erst renovirt ist, ich lege den Bau da oben an und nun, für wen? für die da im Forstause? Nein!
Dies Nein hatte etwas im Ton,