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hatte, Einspruch.

Lass es mit einer bewenden! sagte der Vater. Ich führe indessen unsern Gast noch einmal in das Gehöft meines Nachbars. Um drei Uhr mögen Sie dann mit unserm guten Oleander zurückfahren, der, wenn wir morgen bei Zeisel's sind, dann bis übermorgen von uns verschont ist und einige seiner lyrischen Winterschauer dichten kann.

Oleander setzte auch mit Selma, die sich mit leichter Verbeugung Louis empfahl, in ihrem Zimmer den gewohnten Unterricht fort, den er ihr nun schon seit zwei Monaten in geschichte, Erdkunde, Geschmackslehre, Literatur erteilte. Louis verstand die Andeutungen, die über den Vikar gefallen waren, hinlänglich, um sich zu entnehmen, dass er in ihm einen Genossen zu begrüssen hatte, einen Priester der dichtenden Muse. Nun begriff er erst, warum Oleander auf der Herfahrt tief in sich gekehrt war und an einzelnen flüchtigen Erscheinungen ein so lebhaftes Gefallen fand. Er gedachte des bitteren Gedichtes, das er heute früh selbst flüchtig entworfen und hielt es mit Recht anziehend, dass zwei ohne Zweifel im Geschmack sowie in der Bildung völlig entgegengesetzte Fähigkeiten unbewusst sich mit derselben Geistesübung beschäftigten, die Louis einen Akt des höheren Cultus im Menschen zu nennen pflegte. Wohl hätt' er gewünscht zu wissen, was wohl während dem, dass er an dem Frühling der Welt verzweifelte und von den Blumen eigentlich geringschätzend sprach, in diesem deutschen Gemüte entstanden sein mochte? Er war zu bescheiden, darnach zu fragen, hoffte aber, auf der Rückfahrt sich diesem einfachen und harmlosen mann, der ihm nichts Drückendes hatte, doch noch zu nähern.

Es hatte zwei Uhr geschlagen. Ackermann fragte die in der Küche waltende unpolitische Liese, ob für die Leute gesorgt gewesen wäre. Diese erwiderte:

Wir hatten heute nur acht drüben zu speisen. Wenn's nicht höher kommt, Herr Ackermann, verlier' ich den Kopf nicht. Auf dem Heidekrug hatte' ich in der Erntezeit oft dreissig Näpfe zu füllen.

Ackermann, der leider wieder den Regenschirm ergreifen musste, erklärte Louis, dass er sich dies gewandte Mädchen vom Heidekruge herübergenommen hätte, wo die Leute nicht bleiben wollten, seitdem Herr Justus überstudirt wäre.

Es ist nun einmal die Art des gemeinen Mannes, sagte er, dass ihm da nur wohl ist, wo er auf sein Wirken, und wenn es noch so klein ist, ein Auge gerichtet sieht. Als dieser Justus, von dem ich in den Zeitungen sehe, dass er keine geringe Rolle in der Politik spielt, noch Ökonom war und auf die hände seiner Arbeiter sah, hing ihm Alles an. Jetzt, wo er seinen Leuten grössere Freiheit, als bisher, lassen muss, sollte man glauben, sie gefielen sich in ihr. Nein! Sie wollen dienen, ohne Verantwortung dienen, sie wollen untergeordnet bleiben, und haben ihm von dem Tage gekündigt, dass er in die kammer trat und auf Monate Abschied nahm. Ein gewisser Drossel wirtschaftet nun bei ihm.

Links vom haus sich auf einen Weg abwendend, der durch ein Staket in's Freie führte, sagte Ackermann als Vorbereitung zu dem nun folgenden Besuch:

Ich will Sie zu meinem Nachbar führen, der gewohnt ist, dass ich täglich einmal bei ihm vorspreche. Ein rechter Dorfmagnat Das! Wenn Justus gescheit wäre, ging' er wie dieser nicht über seine Sphäre hinaus und genösse sein Wohlbefinden mit Behagen. hören Sie da das wohlgefällige Brüllen seiner Kühe aus den Ställen! Seine Schafe liefern eine solide deutsche Wolle! Dies ist einer der Menschen, die sich bei Lebzeiten in ihrem Besitz nicht taxiren lassen. Ihre Zinsen fallen immer wieder zum Capital; denn sie brauchen nichts und schaffen buchstäblich nur für die kommende Generation der Ihrigen, die ihnen noch dazu alle diese Vorsicht und Liebe durch den Eigensinn verderben, der sich solcher wohlhabenden Kinder doch in aller Stille bemächtigt.

Louis ahnte sogleich, dass ihn Ackermann zu dem Vater des Sergeanten Heinrich Sandrart führte. Er wusste, dass dieser Ackermann's Nachbar war und zu den Begüterten gehörte. Schon machte er sich gefasst, Verwünschungen über den Soldaten, über Fränzchen, vielleicht über sich selbst zu hören.

Der Regen war nur noch feuchter Nebel, der Alles einhüllte. Der Boden tief durchweicht. Um eine trokkene Stelle zu finden, musste man bald da, bald dortin springen. Von Bequemlichkeit, Schönheitssinn, von einem gedämmten Wege, von einer gefälligen Allee oder Hecke, sagte Ackermann, ist bei unsern Bauern nicht die Rede. Nur der unmittelbare Ausdruck des Nutzens hat für sie Wert. Ist Das bei Ihnen auch so?

Nein, musste Louis erwidern, im Süden verrät der ärmste Hüttenbewohner eine erlaubte Gefallsucht. Er schmückt sein Häuschen und wenn es mit einigen Blumenstöcken wäre.

Es ist wahr, sagte Ackermann, ich war in Italien! Schon im südlichen Deutschland und der Schweiz trachtet man nach dem Gefälligen, während hier Alles auf den reichsten Erwerb von Schinken, Speck, Würsten, Kartoffeln, Korn und baarem klingenden Gelde hinausläuft.

Indem waren sie bei dem Gehöft des Bauern Sandrart angekommen. Ein grosses Holztor musste in ganzer Weite geöffnet werden, um in den Hof zu kommen. An Scheunen und Ställen ein Überfluss. Hunde von allen Racen schossen aus kleinen hölzernen Hütten. Ihr Gebell war aber eine frohe Begrüssung, denn mit Ackermann waren sie Alle befreundet. Die niedrige Eingangstür des bescheidenen Hauses, dessen einziger Schmuck grell angestrichene rotgrüne Fensterläden waren, hatte eine Klingel, die beim Öffnen durch das ganze Haus dröhnte.

Sandrart schläft