ganzes Wesen hatte etwas unendlich Harmonisches. Oft erinnerte er ihn an Personen, die ihm im Leben schon wert geworden waren. Rudhard kannte er zu wenig, aber doch fühlte er heraus, dass Ackermann ihm zwar an Verstand gleich kam, aber mehr Poesie um sich verbreitete. Auch an Murray, dessen Name ihm oft auf die Zunge kam, ohne dass er wagen konnte, ihn auszusprechen, erinnerte er ihn. Ihre Ansichten hatten zuweilen etwas sehr Ähnliches. Doch war Murray von Melancholie umdüstert und erweckte nicht die klare, erwärmende Behaglichkeit, die Ackermann ausströmte. Man sah diesem mann an, dass er viel erlebt, viel gerungen hatte. Trotz seiner Freundlichkeit gegen Louis, die fast eine herablassende war, tronte ein hoher Ernst auf seiner Stirn. Nur milderte er ihn durch seine gefälligkeit und den biedern Ton.
Wie unermüdet zeigte er sich, seinen Besuch von Allem zu unterrichten, was, wenn nicht diesen, doch den Fürsten interessiren konnte! Er knüpfte an jeden Raum, den er ihm in den Wirtschaftsgebäuden öffnete, lehrreiche Auseinandersetzungen. Schon erblickte Louis im geist die rührigen hände, die einst hier wirken und arbeiten sollten. Die Maschinen sah er schon in voller Tätigkeit. Auch in die Mühle führte ihn Ackermann. Hier wurde von Zimmerleuten rege gearbeitet, auch den Schlag des Hammers auf Eisen hörte er und nicht wenig war er erstaunt, als er den blinden Zeck erblickte, der mit seinem Sohne gemeinschaftlich auf einem kleinen in den Boden eingerammten glühenden Heerde die Klammern und Haken noch nachträglich erweichte, die in diesen oder jenen Balken getrieben werden sollten.
Ackermann zeigte auf das arbeitende Paar und sagte:
Es ist eine merkwürdige Sicherheit, mit der der Blinde bei den schwersten Aufgaben verfährt. Wie ich hierherkam, hatte' ich ihm von einem in Amerika verstorbenen Verwandten, über den ich eigentlich nach seinem Wunsche schweigen sollte, eine kleine Erbschaft zu bringen. Diese Leute macht ein kleiner Besitz gleich wunderlich! Wie ich mich hier niederliess, bot er mir das Geld an, um sich an meinen Unternehmungen zu beteiligen. Er verhiess mir sogar noch das, was ich einer in der Nähe wohnenden Schwester ausgezahlt hatte ...
Ursula Marzahn – sagte Louis.
Sie kennen die Frau?
Sie wohnt im Forstause ...
Ganz recht. Ich habe sie einmal in meinem Leben gesehen und muss leider gestehen, dass sie zu den Menschen gehört, von denen man sagt, sie hätten den bösen blick. Aus der Art, wie sie das Geld in Empfang nahm, erkannt' ich, dass sie geisteskrank ist und bewunderte die Geduld des Jägers, der eine beschränkte gutmütige natur zu sein scheint und eine solche person nun schon so viele Jahre um sich duldet –
Seine Nichte ist jetzt aus der Stadt zu ihm gezogen –
Viel Aufopferung Das! Ich gestehe, dass es mir unheimlich wurde in dem baufälligen, einsamen haus. Sehen Sie nur, wie sicher der Alte arbeitet! Ich begreife diese Augen nicht! Sie sind klar wie sehende und doch umhüllt sie undurchdringliche Nacht. Er hat etwas von der Geschicklichkeit seines Verwandten, der ein grosser Künstler war –
Louis wagte nicht zu forschen. Er sah, dass Ackermann im Begriff war, über Murray zu sprechen. Um seine Unruhe nicht zu verraten, wandte er sich zu einigen Zimmerleuten, die eine gewaltige Holzschraube von der Höhe eines ganzen Stockwerkes probirten. Ackermann ging zu den beiden Zeck's hinüber, die ihn ehrerbietig grüssten. Es drängte Louis näher zu treten und zu hören, wie sich Murray's Bruder, den er nur zu Bestellung der Stimmschraube ganz flüchtig gesprochen, äussern würde.
Ich sehe, sagte Ackermann, Ihr seid Beide hier. Habt Ihr denn Leute gefunden, die in der Schmiede arbeiten?
Zwei, Herr, sagte Zeck und hielt ein glühendes Eisen seinem Sohne hin, das dieser mit der Zange nahm und an dem Balken, wohin es gehörte, behutsam einsetzte, während der Blinde folgte und mit dem Hammer zuschlug, richtig die Stelle treffend, wo die Kraft seines Armes nötig war ...
Zwei, Herr! wiederholte er. Im Frühjahr haben wir ihrer noch mehr.
Nur gewandte Arbeiter, sagte Ackermann, mit denen Ihr Ehre einlegt! Wir haben viel zu schaffen. Unsre Wägen machen wir uns selbst. Es soll schon rüstig bei uns hergehen.
Der Alte verzog die Miene zu einem sonderbaren lachen, das aber ein offenbares Wohlgefallen an der Arbeit und sicher auch die Hoffnung auf Gewinn ausdrückte. Zugleich lag Neugier in dieser Miene. Denn Zeck hatte wohl gehört, dass Ackermann nicht allein kam.
Dies ist der Besuch vom schloss, sagte Ackermann, nach dem herangetretenen Louis hinsprechend, er freut sich, wie wacker es Euch von der Hand geht.
Zeck riss die Augen auf und nickte nach der Seite hin, wo er sich Louis dachte, dem der Anblick dieses Blinden in einem für sein Gefühl erschütternden Zusammenhang mit den ihm bekannten Tatsachen stand.
Wir kennen uns, sagte Louis und um nur über die mögliche Erwähnung seines im schloss gebliebenen Begleiters rasch hinwegzukommen, bemerkte er:
Drum fand ich es in Eurer Schmiede nicht zu lebhaft ...
So, Herr? sagte Zeck; ja, es sind zwei Arbeiter eingetreten.
Der Eine versteht sich auf feine Sachen und kann als Klempner arbeiten. Aber sie sind faul. Die Schraube an dem Klavier können Sie uns schon anvertrauen.
Sind Sie musikalisch? fragte Ackermann.
Louis war es im Gesang, aber nicht auf dem