von seinem neuen Pächter einen Gruss und manches nützliche Versprechen für die Zukunft zu überbringen. Um ein weiteres Erforschen der Absichten des Pächters war er unbesorgt. Schon der erste blick auf diese wachsende Niederlassung zeigte ihm ja, wie ernst Ackermann seinen Beruf ergriffen hatte.
Eine hinzugesprungene Magd nahm mit freundlichem: Guten Morgen, Herr Candidat! Oleander's roten, durchnässten Regenschirm in Empfang und spannte ihn, mit neugierigem blick den zweiten Ankömmling musternd, in der grossen reinlichen Küche aus, die sich gleich zur Linken, dicht am Eingang befand.
Herr Ackermann zu sprechen? fragte Louis.
Indem öffnete sich im Gange eine hintere Tür und ein junges Mädchen huschte, Oleander grüssend, rasch in eine entgegengesetzte hinüber.
Louis bemerkte, dass Oleander, der seinen Mantel auszog, errötete.
Es gibt auch wenig Eindrücke, die so lieblich sind, als ein junges Mädchen in einer Toilette, die für das Zimmer berechnet ist, rasch durch ein Haus oder einige Sprünge über die Strasse hüpfen zu sehen ...
Louis zweifelte nicht, dass dies Selma gewesen war.
Er erinnerte sich wohl des Knaben, den Ackermann damals, als er ihm die Pachtung zugestand, bei sich hatte.
Oleander, ohne sich um seinen überbescheidenen Begleiter weiter zu kümmern, ging mit einigen Büchern, die er aus dem Mantel genommen, in das Zimmer, in welches eben jenes junge Mädchen hinübergeschlüpft war. Louis aber wurde von der Magd in das entgegengesetzte Zimmer gewiesen.
Er klopfte an.
Beim Eintreten in die warme behagliche stube fand er Ackermann auf dem Sopha liegend, eine Cigarre im mund, eine Zeitung in der Hand, vor sich deren noch eine grössere Anzahl und eine Menge Bücher.
Kaum hatte noch Louis ein Wort gesprochen, als ihn Ackermann schon erkannte und vom Sopha sich erhebend ihm die Hand zum Grusse bot.
Seien Sie uns willkommen, Herr Louis Armand! sagte er. Was führt Sie in dieser traurigen Jahreszeit zu uns Einsiedlern? Gewiss schickt Sie der Prinz, dem meine Briefe zu kurz und oberflächlich sind?
kennen Sie mich noch? fragte Louis.
Ich vergesse kein Antlitz, das ich mir einmal einprägte, so leicht. Und wie sollt' ich das Ihrige vergessen, der mir die Botschaft brachte, wie ich für das Wohl und Wehe des Fürsten sorgen darf!
Louis wollte von Zufälligkeiten, die ihn herführten, reden, aber Ackermann unterbrach ihn mit der aufrichtigen Erklärung, dass er es ganz in der Ordnung fände, wenn man einmal bei ihm Visitation halte.
Verstehen Sie sich auf die Landwirtschaft? fragte er.
Louis verneinte.
Aber Das begreifen Sie doch, sagte Ackermann, dass die Intelligenz auf diesen Fluren und Triften noch nicht gewaltet hat. Hier gab es Schwierigkeiten und Vorurteile genug zu überwinden. Die Lehre von der Vermehrung der Bodenkraft kennt man hier nur aus den oberflächlichsten Anwendungen der Dungteorie. Die, die hier wirtschaften wollten, waren noch nicht einmal über die Sicherheit der hier erzielbaren Früchte einig. Und wie liess man den Unarten der natur freien Spielraum! Was standen sich die Unkräuter so gut im Fürstentum Hohenberg! Nein, es kommt jetzt darauf an, durch passenden Fruchtwechsel dem Boden die nötige Ruhe zu gewähren, Stroh und hauptsächlich Futterkräuter auch als Dungmittel zu gewinnen, damit durch das Medium der Tierernährung dem Boden wieder Kraft zugeführt wird. Man experimentirte hier fortwährend mit der Agrikulturchemie, mit mineralischem Dünger, dem ich seine Kraft gar nicht abspreche; aber ist einmal der Viehstand eine unerlässliche, eigentlich drückende notwendigkeit der Landwirtschaft, so muss man daraus auch seine Vorteile zu ziehen und ihn der Landwirtschaft wieder ergiebig zu machen wissen. Es kommt nur auf gute Race der Zucht an, die ich mir denn auch aus Kent, aus Durham in England verschrieben habe. Über die neuen Schaafe und kurzgehörnten Rinder sollen unsre Bauern erstaunen. Ein paar Exemplare, die schon da sind, sehen sie an wie Abgesandte der Hölle. Aber ich will auch deutsche Rosse aus Jütland, Zugochsen aus dem sächsischen Voigtlande kommen lassen, denen sich meine Nachbarn, Herr Sandrart an der Spitze, schon verwandter fühlen werden. Freilich geht es mit einer solchen Besserung des Viehstandes langsam. Da lass' ich mir denn die gute Gottesgabe der peruanischen Vögel oder den Guano einstweilen als Ersatz zur Düngung kommen. Haben Sie nicht, wenn der Nebel nicht hinderte, Leute im feld arbeiten sehen? Die sind mit der Drainage beschäftigt. Sie legen tönerne Röhren im Erdreich, um der Entwässerung Kanäle zu bahnen, die ihr hier fehlten. Alle Hohenbergischen Wiesen waren sauer, d.h. sumpfig, ohne Abzugskanäle der Überfeuchtigkeit, ohne Einlass der Luft, die den Wurzeln Kräftigung gibt. Die Engländer wissen, was entsumpfen ist! O mein junger Freund, Sie sind ein geborner Franzose, das deutsche Volk steckt geistig und physisch so noch in seinen Sümpfen, wie damals, als die alten Germanen die herrschaft über ihr Vaterland erst den Auerochsen streitig machen mussten. Aber auch die Sümpfe sind hier nicht zu etwas Anderem benutzt als noch zum Tummelplatz der Irrwische und der Teufelsfurcht auf ihnen. Sind die Sümpfe nun einmal doch trotz gesunder Luft unausrottbar, so versuche man's mit dem Feuer! Man steche sie als Torf ab und wenn ich erst von der Willing'schen Fabrik meinen Brosofsky'schen Torfstecher habe, so sollen Sie sehen, dass wir einen schönen Handel mit der Hauptstadt eröffnen werden. Ist hier der Lehmboden benutzt? Findet sich hier wohl nur der Versuch einer Ziegelei? Dieses Haus hier