wird schlagen ...
Und die Erleuchtung kommt von oben!
kommt von oben! wiederholte Winkler und harkte wieder und fügte sich wieder in Geduld und überliess wie immer die praktische Seite ihrer Verhältnisse der geisteskräftigern Brigitte.
Wie die alten Diener des Hohenberg'schen Hauses, für die der verstorbene Fürst, der berühmte Generalfeldmarschall Waldemar von Hohenberg, wenig gesorgt zu haben schien, noch so ihre bangen Sorgen aussprachen, welche Zukunft ihnen bei dem ratlosen Zustande der Verwaltung dieser schönen Besitzungen werden würde, redete sie plötzlich ein langer, feingekleideter, mit steifer Haltung einherschreitender Herr an und lächelte dabei mit einem sonderbaren Ausdruck.
Excellenz! riefen Beide erschrocken aus einem mund und wandten sich bestürzt um.
Der lange Herr nickte sehr gnädig und ging ruhig lustwandelnd auf dem frisch geharkten Wege, ihn mit seinen Fussstapfen vertretend, weiter.
Das wäre eine herrschaft für uns, sagte die alte Brigitte, als dieser lakonische Herr vorüber war und Winkler sich anschickte, wieder jene Fussstapfen zu überharken .... So vornehm, so apart! O die Zeit, da nur solche Menschen hier verkehrten! Ja, ja, Das ist eine Excellenz!
Hochmut kommt vor dem Falle! meinte Winkler.
Er hatte eine Meinung geäussert, die jedoch hierher nicht zu passen schien.
Wie so Hochmut? meinte Brigitte, die in dieser selbständigen Antwort nicht viel Vernunft fand.
Als der Alte schwieg, schüttelte sie den Kopf und flüsterte vor sich hin:
Er wird recht schwach!
Der Gärtner hatte kaum die Fussstapfen des Mannes, den sie so ehrerbietig mit Excellenz begrüsst hatten, ausgeglichen, als diese gemessene steife Figur wieder zurückkehrte. Brigitte stand wieder auf, knixte wieder, Winkler zog wieder sein Käppchen und Beide sagten wieder:
Excellenz!
Der grosse zugeknöpfte Herr nickte herablassend mit dem kleinen Kopf, blieb, ohne etwas zu sagen, einen Augenblick stehen und entfernte sich mit einem Ausdruck, als wollte er äussern: Ich freue mich, dass ihr mir die Hochachtung erweist, die ihr meinem stand schuldig seid! Doch sagte er nichts, sondern schwieg und lächelte.
Brigitte setzte sich und der geduldige Winkler harkte zum zweiten mal die Fussstapfen der Excellenz aus ....
Wenn's nach mir ginge, meinte Brigitte, ich wünschte, so eine Excellenz kaufte das Schloss ....
Kann man das Schloss kaufen? meinte Winkler, plötzlich ganz verdutzt.
natürlich kann es Einer kaufen. Aber reich muss er sein, fuhr Brigitte fort, ohne auf die Narrheit der Winkler'schen Einwürfe zu hören. Der wär' es da! Sein Bedienter ... der Franz ... hat's gesagt; die Meubles alle kauft er schon; aber für den König.
Für den König? die Meubles? verwunderte sich Winkler und mit Recht.
Alle Schlösser vom König hat ja die Excellenz da zu regieren, erklärte Brigitte.
Wer regiert die Schlösser? fragte Winkler.
Der da! Und alle Gärten! fuhr Brigitte fort. Alle Schlösser und Gärten des Königs und viele hundert Gärtner und Gärtnermädchen stehen unter ihm ....
Jetzt bekam der alte Mann einen Einfall. Nun fühlte er sich. Er glaubte mit seinem verwilderten Garten, der doch so schön grün noch aussah, der doch soviel bunte Blumen noch trieb, eine Ehre einzulegen, vielleicht Anerkennung, Beförderung zu finden. Aber bis zu dem Mut, Frau Brigitte aufzufodern, sich nach des vornehmen Herrn, den sie nur als Excellenz kannten, Namen zu erkundigen, die idee auszusprechen, ob er nicht noch ein Plätzchen im Staatsdienst offen hätte für eine alte zitternde Gärtnerhand, soweit reichte sein, wie man wohl annehmen kann, durch die formelle Religionsübung und die systematische Selbstbeschränkung verengter Horizont nicht, obschon ihm in der Tat die Auszeichnung zuteilwurde, dass der herablassende vornehme Herr zum dritten male zurückkam, wieder den geharkten Weg zertrat, wieder sich eines beifälligen Nickens befleissigte, endlich aber doch mit Kennermiene sich als ein mit Sprachwerkzeugen begabter Sterblicher zeigte und dahin äusserte, dass er ganz kurz und gar leise, gar leise die Worte flüsterte:
Schön geharkt! Richtiger Strich Das! Seid's braver Gärtner! Kenne Das! Schön geharkt! So fortgefahren! Brave alte Leute!
Brigitte dankte für sich und für den alten Winkler, der ganz sprachlos vor Spannung dastand und die leisen Worte nicht gehört hatte.
Ach, Excellenz sind gar zu gnädig, ergriff sie, sich Mut fassend, rasch das Wort; gar zu gnädig gegen uns geringe Leute. Gott wird Excellenz dafür lohnen, zeitlich und ewiglich, denn bei Dem da oben gilt kein Ansehen der person. Aber wenn Excellenz (die vorige Phrase choquirte weder ihn noch sie), wenn Excellenz das ganze Schloss kaufen sollten und nicht bloss das Mobiliar der in Gott ruhenden Fürstin, der ich funfzig Jahre treu gedient habe, wenn Excellenz dann zwei alte Diener nicht verstossen möchten, die jeden Riegel hier im schloss kennen –
Schön geharkt! Richtiger Strich! Braver Gärtner! Ich kenne Das!
Diese Worte waren Alles, was der vornehme Herr, sie unterbrechend, als Antwort gab. Er lächelte dabei sehr herablassend und ging, nachdem er Winkler und Brigitte auf die Schultern geklopft hatte, vorüber, ohne sich auf ein Dienstgesuch einzulassen, dass man ihm wahrscheinlich schriftlich einreichen musste. Ein Gefühl, dass er da Menschen zurückliess, von denen er mit vollem Rechte annehmen durfte, dass er sie ausserordentlich glücklich gemacht und durch seinen Beifall mit einer der angenehmsten Hoffnungen für ihre noch kurze