gegangenen ersten Freunde die Rede von einem Ehebunde war, den man, der geistigen Vorzüge jenes Mannes wegen, keine Mesalliance nennen konnte, war nun auch bei Baron Grimm von einer dauernden Verbindung die Rede. Baron Grimm war so tollkühn, mit seiner Eroberung offen in der Gesellschaft zu prahlen. Er liebte sie sogar, da sie doch von vielen starken und bedeutenden Eigenschaften gehoben wurde. Sie war zärtlich, aufmerksam; alles Gute der Frauennatur kam in der Hingebung an den Mann ihrer Wahl zum Vorschein, während sie Jedes, was ausser dieser Wahl lag, mit Geringschätzung behandelte. Ach, mein Freund, Das ist das Tragische an einer Schuld, dass man sie liebgewinnt und es für tugendhaft hält, sie bis auf's Äusserste durchzuführen. Ich war gerührt von jener Frau und mochte ihr durch Entdeckung meines Standes nicht wehe tun. Ich hatte von meinen Gütern sprechen müssen und wurde doch täglich mittelloser. Da ich bei meiner Geliebten war, konnte' ich nicht mehr in den Spielgesellschaften sein. Sie besass Vermögen, grosses Vermögen, durch ihren ersten Mann; aber ich war zu stolz, ihre Mittel in Anspruch zu nehmen. Woher aber meine versiegte Kasse neu füllen? Woher den Mut nehmen, meine tollkühne Rolle durchzuführen? Entdeckung fürchtete ich noch nicht. Jener Polizeibeamte, den ich nach London begleitet hatte, war gestorben. Meine Eltern lebten nicht mehr. Ursula stand auswärts in Diensten, nur den einzigen Bruder hatte' ich einmal gesehen, wie er vor der Schmiede unsres Vaters stand und ich vor ihm zum Tore hinausritt. Ich gab dem Pferde die Sporen und ritt dem Hochgericht zu, unter dem Ursula einst in Diensten stand ...
Wie lange waren Sie in England gewesen? unterbrach Louis, da es Murray schauderte ...
Fast acht Jahre, sagte Murray. Ich hatte mich sehr verändert und dennoch erkannte mich vielleicht mein Bruder. Er sah mir nach. Ich bin überzeugt, jetzt, wo er blind ist, noch jetzt würde er mich am Tone meiner stimme erkennen.
Louis blickte um sich. Es war so einsam, so schauerlich still auf dem schloss. Der Regen schoss in tausend Tropfen unaufhörlich an die Fenster, der Sturm sauste. Das Feuer drüben in der Schmiede war erloschen. Der Gedanke, dass sie nicht allein wären, ergriff Louis so, dass er einen der Leuchter nahm, in das Vorzimmer ging, dies durchsuchte und es nach dem Corridor zu, auf dem er Alles dunkel und still fand, abschloss.
Als er zurückkehrte, sagte Murray:
Ich danke Ihnen, mein Freund, für Ihre Vorsicht; denn Sie ahnen wohl, dass ich mich der dunkelsten Stelle meines Lebens nähere.
Louis setzte sich und stützte trauernd über Das, was ihm Murray jetzt sagen wollte, den Kopf auf die Lehne des Kanapés.
Ja, mein Sohn! fuhr Murray fort. Das waren sechs schlimme Monate, die ich nicht aus meinem Dasein auslöschen kann! Sie brennen auf der Seele, wie die Buchstaben, die man dem leib einäzt. Oft hab' ich gedacht und damals ganz gewiss, was ich tat, wäre nur ein Wagniss, kein Verbrechen. Wer hat denn den Staat berechtigt, sagte ich mir, den Wert der Dinge zu bestimmen? Wer hat ihm denn nach der sittlichen Ordnung der Dinge allein zugestanden, dass er lügen darf? Denn Lüge ist es doch, dem Papiere einen Nennwert zu geben, dem nur eine conventionelle Tatsache als Realisation zum grund liegt? Verstehen Sie, wovon ich rede, Louis?
O, sagte dieser mit lächelndem Schmerz und grosser Aufregung, nur zu gut verstehe ich! Sie haben Das getan, was der verzweifelnde Arbeiter jeden Tag tun möchte, wenn er das Werk seines Fleisses vor sich stehen sieht, es zur Ausstellung in einem Gewölbe trägt, wochen-, monate-, jahrelang wartet, bis es sich verwertet! Sie haben Das getan, was die Not in verzweifelten Momenten hundertmal erfunden hat, wo man Stücke Papier nahm und darauf schrieb: Das sind fünf Sous! Diese nimmt der Bäcker und gibt mir Brot! Mag sie mein Schuldner einlösen!
O, mein Freund, unterbrach ihn Murray. Entweihen Sie nicht eine Frage der Armut und der Arbeit mit meinem frivolen Beginnen! Ich habe Geld gemacht, nur weil ich es zu machen verstand! Wohl begreif' ich, wovon Sie sprechen. Wohl verstehe' ich die Verzweiflung des Arbeiters, der einen Wert in Händen hat, den er durch seinen Fleiss erschuf und der den Ausdruck für diesen Wert erst bekommt, wenn das Werk verkauft wird. Auch ich sage, die Gesellschaft hat hier ein Recht der Selbstülfe.
In der Tat, hat sie Das? fragte Louis begeistert.
Sie hat es, aber unter gesetzlichen Bedingungen! antwortete Murray. Geld ist Das, was gilt. Was kann, was soll mehr gelten als die Arbeit? Die Arbeit ist schon Geld. Die Arbeit, vollendet, ist sogleich Geld. Dass sie warten muss, bis sie durch Zufall Geld wird, ist der schaudervollste empörendste Mord der Menschheit, den leider täglich unsere Gesetzgeber verüben. Fluch der Gesellschaft, die das Geld nur zum Ausdruck des Bedürfnisses und der Fähigkeit, Bedürfnisse zu befriedigen, gemacht hat! Adam Smit hat den alten Glauben gestürzt, dass Geld Geld ist, das heisst Metall, Gold, Silber. Adam Smit hat das Geld als Waare verworfen und gesagt: Geld ist der Credit, das Tauschmittel des Verkehrs,