zu kennen, wo Sie mir hier auch in und um Hohenberg begegnen werden ....
Mein Ehrenwort genügt! sagte Dankmar mit ernstem Nachdruck.
Lassen Sie uns Freunde bleiben, fuhr der Fremde fort. Ihre Offenheit kam aus edlem Herzen. Der Menschheit kann eine Zeit nicht verloren gehen, wo noch solche Flammen lodern wie in Ihrem Herzen, selbst wenn sie sich und Ihre Träume verzehren sollten. Aber nochmals ...
Schwören soll ich? sagte Dankmar lächelnd. Wobei wünschen Sie?
Der Fremde schüttelte den Kopf. Er hatte ein elegantes Portefeuille geöffnet, Dankmar's Karte hineingelegt und die seine hervorgezogen. Er überreichte sie Dankmarn mit einem herzlichen Händedruck, klopfte, wie zum Abschiede und Dank dem Gaul ein paar mal auf den schweissgebadeten rücken und verschwand dann rasch hinter einem ganz in der Nähe befindlichen Gebüsch, von dem sich nach Plessen zu ein kleiner Fussweg durch die Wiesen schlängelte.
Als Dankmar, unendlich glücklich über die vorläufige Beruhigung wegen seines ihm so wertvollen Verlustes, vorzog, nun erst am Fuss des Schlosses Hohenberg über Nacht auszuruhen, bis er zu der ihn jetzt magnetisch wieder zurückziehenden Hauptstadt umkehrte und er dann in leichtem Trabe nach dem unter dem schloss Hohenberg friedlich von der Abendsonne beleuchteten Flecken hinabfuhr, las er auf der Karte einen Namen, der ihn nach Allem, was er seiter auf dieser Reise selbst erfahren und von Andern erzählt bekommen hatte, auf das angenehmste überraschen musste. Die Visitenkarte lautete ganz einfach: Le Prince Egon de Hohenberg. 7 Rue d'Auteuil.
Zehntes Capitel
Der Gläubiger vom Trone
Das Schloss Hohenberg liegt auf dem ersten Vorsprung eines allmälig oberhalb des Fleckens Plessen sich erhebenden, unten mit Wiesen, oben mit Tannenwäldern bedeckten nicht unansehnlichen Bergrückens. In einem etwas schnörkelhaften Stile gebaut, besteht es aus einem dreistöckigen Hauptgebäude mit zwei fast gleich hohen hervorspringenden Seitenflügeln. Beide Flanken sind vorn durch ein etwas verwahrlostes, aber einst kunstvoll aus getriebenem Eisen verfertigtes Gitter verbunden. Das fürstlich Hohenberg'sche Wappen aus verwittertem Sandstein gehauen, ziert oberhalb des Säulenportals die Spitze der über den Fenstern mit behelmten Römerköpfen gezierten Hauptfront. Im untern Stock gehen die Fenster wie Türen auf den gepflasterten schattigen Hof, den in schöneren Tagen Orangenbäume zierten in grossen buntgestrichenen Kübeln. Nach dieser durch grosse grüne Holzjalousieen noch gehobenen sehr stattlichen Vorderseite ist der emporgehende Fussweg unmittelbar von der Kirche und dem Pfarrhause zu Plessen her ziemlich steil. Sanfter aber dachte sich nach hinten der Berg so abwärts, dass man von dorter mit einem Umweg, der gleichfalls an der Vorderfront mündet, auch zu Wagen sehr bequem in dies einfache würdige Schloss gelangen kann.
In den zeiten der Fürstin Amanda, besonders als sie durch ihren religiösen Hang noch nicht zu sehr zur Verachtung der Weltfreuden verleitet war, übertraf die hintere Seite des Schlosses noch die stolze vordere beiweitem an traulicher Wohnlichkeit. Dort schloss sich dem Bau unmittelbar ein kunstvoller Garten an. Die Fenster des Erdgeschosses waren im Sommer geöffnet und führten unmittelbar aus etwas steif gegipsten und bemalten, aber doch anmutigen Sälen ins Freie. An den Fenstern, wo grosse hellgrüne Vorhänge sich niedersenkten, wohnte die Fürstin im Sommer selbst und hatte um sich den ganzen Reichtum von Erinnerungen und Andenken, die sie so sehr liebte, ausgebreitet. Damals standen in dem von einem plätschernden Springbrunnen heiter belebten schattigen Quadrat des hintern Hofs und besonders an der Spitze des einen Flügels (während an dem andern sich einige unerlässliche Wirtschaftsgebäude anlehnten) kleine gefällige Statuen auf zierlichen Postamenten. Ein wohlunterhaltenes grünes Heck zeigte an, dass hier die stille trauliche Gartenwelt der Besitzerin begann, zu der die Abends und Morgens geöffneten Fenster dieses Flügels unmittelbar den Eintritt erlaubten. Auf leichten, vom Regen zwar verwitterten, aber doch bequem ebenen Steinstufen kam man, während sich links am kleinen Anbau der Fahrweg hinunterschlängelte, rechts in diesen wohlgehaltenen, terrassenförmig sich abdachenden Garten, von dem aus dem Bassin des obern Springbrunnens herab ein künstlicher Wasserfall sich in immer behendern Sprüngen bis in das Bächlein ergoss, von dem die plessener Mühlen getrieben wurden, die liebliche, baumbeschattete Ulla, die aus dem Ullagrunde herunterhüpfte. Diese Welt war schön. Die natur bot der nachhelfenden Kunst die Hand, um sie liebevoll ansichzuziehen. Während rings die Berge schweigsam und feierlich herniederblickten, aus der Ferne Glocken läuteten, die Kühe auf den grünen Wiesenabhängen am fuss der Berge weideten, war auch das Nächste hier innig und das Herz erhebend. Diese nähere Umgebung des Schlosses war halb ein Park, halb ein Garten. Man hatte Das, was die natur bot, nur geordnet und zur Unterlage der Kunst gemacht. Da standen Beete von stolzen Feuerlilien und violetten Iris dicht unter einem Gebüsch von Hängeweiden, das man nicht erst zu pflanzen nötig gehabt hatte. Da schimmerten weisse Birken neben Rosen oder diese rankten sich freigelassen an eine einsam stehende Tanne empor und umschlangen den trauernden Winterbaum so zärtlich, als wollten sie ihn tröstend erheitern mit duftender Frühlingsumarmung. Dann kam zum Ausruhen und Geniessen gleich eine steinerne Bank dicht unter dem Schatten einer Hollunderhecke, die in sich selbst einen artigen Versteck barg, wenn man nur in den dicht zusammengewachsenen Zweigen genauer forschen wollte und den Eingang da suchen, wo man ihn am wenigsten vermutete. Jetzt lag auf der Steinbank freilich Moos und Verwitterung. Die Spuren des letzten Regens blieben tagelang in dem Gestein, bis sie verdufteten oder eingesogen waren. Aber man fand doch auch neuere, grüngestrichene hölzerne Ruheplätze. Zu den Feldern und Wiesen abwärts hin, die dann wieder zu dem höhern und waldumkränzten Gebirge hinauf sich lehnten, dehnte sich