, weil deine Erde so schön ist!
Siegbert nickte mit schmerzlichem Ausdruck.
Wenn es dich trösten kann, sagte Dankmar, so sag' ich dir, dass ich fast deinem Beispiele gefolgt wäre. Die blonde Reubündlerin ist doch eine schwärmerische natur! Es hätte nicht viel gefehlt, so hätte ich sie im Vorüberflug an mein Herz gezogen, ihr einen demokratischen Kuss gestohlen und ausgerufen: Soll uns denn unser politischer Glaube trennen? Ist Das das moderne Schicksal liebender Herzen, sich fliehen zu müssen wie die Capulet's die Montagues flohen?
Deine selbstgefällige Vergleichung mit Romeo tröstet mich nicht, sagte Siegbert nachdenklich. Du verrätst, dass mich nur eine Erregung der Sinne treiben konnte, Olga in die arme zu schliessen und ihre Lippen zu berühren ...
Sinne! Sinne! Lieber Bruder, was sind die Sinne! tote Diener! Elende Sklaven! Der Vollmachtgeber ist die Seele. Ich wenigstens fühle wirklich etwas für meine Reubündlerin. Ihr Auge ist feucht wie der See. Es zieht herab. Ihre Locken kann ich mir freier denken, hängender, weniger nach dem Lockenholz aufgerollt. Aber ihre Zähne sind ohne Widerrede schön. Die Lippen kirschrot ...
Dankmar! unterbrach Siegbert. Du wirst ein solches Mädchen unglücklich machen. Ich hab' es wohl bemerkt, wie lange Fäden ihre Augen zu dir hinüber spannen! Fast verzehrt, fast lechzend nach Liebe! Du kommst mir wie einer der Religionsstifter vor! Alle zogen erst die Frauen an. Aber sie waren gewissenhafter als du und entsagten ...
Ihr Wuchs ist untadelhaft –
Hörst du nicht?
Aufrichtig! beteuerte Dankmar. Sie zieht mich an und gerade deshalb, weil sie mein vollkommenstes Gegenbild ist. Sie hat etwas zerflossen Weibliches, wie ich es liebe. Die schönsten Weiber, Melanie an der Spitze, machen mir keinen dauernden Effekt. Ich war von Melanie auch nur geblendet. Ich bedurfte ihrer. Ich weidete mich an ihrer Haltlosigkeit, ihrer eitlen Hingebung. Ich war auf Augenblicke entzückt und habe mich doch so von ihr getrennt, dass ich sie mit der grössten Ruhe ihrem Ziele, den Prinzen Egon nun wirklich noch zu erobern, zusteuern sehe.
In der Tat? Wäre Das jetzt ... schaltete Siegbert voll Schmerz und doch überraschtem Anteil ein.
Melanie ist, seit wir ihr an dem Eisenbahndurchschnitt begegneten, sehr oft bei Pauline von Harder. Egon spricht mit Wärme von ihr ...
Und Helene d'Azimont?
Bahnt ihrem Gewissen eine brücke, um von der Verzweiflung über Egon sich zu neuem Leben wieder in eines Malers Armen zu sammeln ...
Eines Malers? Heinrichson's? unterbrach Siegbert entrüstet, stand auf und liess zuvörderst die Katze hinaus ...
Du phantasirst! rief er dann schmerzergriffen über die Voraussetzung, dass menschliche Herzen solcher Lügen, solcher Irrtümer und Wandelungen fähig sein sollten.
Mein guter Bruder! sagte Dankmar. Psychologie und etwas Schädellehre! Die länglichen, schlanken Formen des Ledamalers kennst du ...
Er wäre gewissenlos genug ...
Die runden Formen der d'Azimont bedeuten Das, was die Menschen Gemüt nennen und was ich leidenschaft und excentrische Gegensätze nenne. Bei einer gewissen Klasse von vornehmen Frauen ohnehin siegen erst Die, die ihnen ebenbürtig sind. Bei der ersten Furche auf der Stirn wählen sie einen berühmten Musiker zum Freunde, bei der zweiten einen berühmten Maler, und wenn es abwärts geht, findet sich wohl noch irgendwo ein flammender Naturpoet, der für seine lyrischen Vokale einen Consonanten braucht. Guido Stromer mein' ich z.B. könnte noch bei Paulinen von Harder Glück machen und Heinrichson's Nachfolger werden.
Abscheulich! Abscheulich! rief Siegbert, mehr von den bizarren, menschenfeindlichen Ansichten des Bruders entrüstet, als an die Möglichkeit solcher Verbindungen glaubend.
Und Adele Wäsämskoi, fuhr Dankmar unbarmherzig fort, liebt die Fürstin nicht auch einen Maler? Warum sollte Helene d'Azimont nicht an Heinrich Heinrichson Ersatz für Egon –
Siegbert hielt dem grausamen Spötter den Mund zu. Er konnte seine Anschuldigung nicht vollenden.
Abscheulicher! sprach er dann voll ernsten Unwillens. Wie spielst du mit Frauenherzen! Irren diese schwachen Wesen, so sind sie bemitleidenswert und die meiste Schuld trifft uns. Dass Egon Helenen nicht mehr liebt, ist wohl gewiss. Es ist ein schmerzlicher Beweis der Umkehr seines Charakters. Diese Hingebung, diese Liebe Helenen's war ein Wunderwerk, eine Fabel, unglaublich und doch wahr. Lauschte sie nicht seinem Atemzuge, betete sie ihn nicht an? Was soll ein Weib beginnen, das nun einmal im mann lebt und sich von der Seele des Geliebten dann ausgeschlossen sieht, nur angewiesen auf einen Pflichtteil der achtung und öffentlichen Schonung! Kann man Helenen verdenken, dass sie Egon statt zu lieben, wird hassen lernen?
Und dass sie dem Prinzen einen berühmten Maler gegenüberstellt? sagte Dankmar.
Das ist nicht wahr! Verleumdung! Heinrichson zeichnet mit ihr die Erinnerungen an der See von Enghien, er übermalt ihre schwachen Leistungen, zu denen sie die Liebe spornte, ohne dass sie die Kraft besass, Das, was ihr in voller Seligkeit der Erinnerung vorschwebte, zu vollenden. Er ist einschmeichelnd, das ist wahr, ist verführerisch, charakterlos. Ich zweifle nicht, dass er sich von seiner brillantesten Seite zeigt, sie mit Artigkeiten überhäuft, sie durch eine scheinbare Zurückhaltung verwirrt und durch seinen trockenen, zuweilen geistreichen Witz unterhält ...
Nun ... nun ... und dem Allen widerstände ein beleidigtes Frauenherz und