der arabischen Häuptlinge bezog, wuchs sein Anhang von Tag zu Tag um Tausende und Abertausende. Vom zweideutigen Siege der Reformation ganz zu schweigen! Der Orden der Ritterschaft vom geist kann die Güter dieses Lebens nicht entbehren. Der Gegner muss mit derselben Waffe, die ihn so stark macht, besiegt werden. Gleichviel, ob wir dem Orden eine harmlosere oder strengere Symbolik geben, ob wir an die Jesuiten oder die Freimaurer anknüpfen: der Staat wird uns verfolgen, er wird Alles aufbieten, uns mit Stumpf und Stiel auszurotten. Wie vermeidet man da wenigstens das Übermass der Gefahr? Wie parirt man wenigstens den Stoss des Gegners? Wir sind fünf Bekenner; schliesst sich Egon von Hohenberg uns an, so sind wir sechs. sechs brave Menschen haben sechs brave Freunde! Mit zwölf Aposteln hält sich eine Lehre. Kann uns das Kreuz dort über uns erschrecken? Ermutigen soll es uns! Ich scheine Euch fortgerissen von meinem Gefühl, aber ich sage Euch: der Tod schreckte mich niemals, wenn ich ihn mit einem Freunde erlitte. Die Templer starben in Masse und sangen freudig, vielstimmig, todesmutig aus den Flammen. Schon als Knabe tröstete mich Friedrich von Baden, der neben meinem geliebten Konradin auf Neapels Blutbühne stand. Sie starben im Bunde, als Freunde, als Brüder. Doch denke' ich ... bis zum tod wird es nicht kommen und was die Gefangenschaft betrifft, so wäre einer der ersten Paragraphen unsres Ordens Der, dass wir Die, die um den Orden leiden, zu befreien haben. Gelingt es auch nicht immer, so ginge doch Niemand in den Kerker, ohne dass die Aussicht auf eine rettende Hand, wie die Apostel die Hoffnung auf Engel, ihn begleitete. Eine Nebelgestalt in weissem Geistergewande, die Hoffnung wenigstens, würde mit ihm durch die geöffneten eisernen Pforten schlüpfen und traulich ihn trösten, wenn er über die Folgen seiner redlich erfüllten Ordenspflichten mutlos verzweifelte und ihn nur das Eine emporhalten könnte:
Die Ritter vom geist werden dich nicht verlassen, du wirst sie hören, ihre Nähe empfinden; sie wachen über dich!
Dankmar endete mit diesen Worten und es trat eine lautlose feierliche Stille ein.
Elftes Capitel
Das Gespenst
Hackert lag und horchte wie betäubt. Ergriff ihn schon die begeisterte Einsetzung einer grossen Tatsache an sich, hatte sein kühler, verneinender Sinn gehofft, man würde nun widersprechen, alle diese Vorschläge für unmöglich erklären, so beunruhigte ihn noch mehr, dass dies nicht geschah, dass Niemand zweifelte, Niemand widersprach. Schon begann man die nähern praktischen Möglichkeiten dieser idee zu erwägen, als sich Hackert, der fast träumend, lauschend und stierend dalag, von Schmelzing's Hand berührt fühlte.
Was haben Sie? Wie sehen Sie denn aus? fuhr Hackert erschrocken auf.
ängstlich, mit halbgeöffnetem mund, starrte Schmelzing in den dunklen Hintergrund und fragte lauschend:
Haben Sie nichts gehört?
Sie hören Gespenster, die hinter dem Gelbsiegellack da im Korbe stecken! Sie sind überhitzt, trunken, Schmelzing! Scheren Sie sich zum Henker!
Schmelzing zeigte die lange Pergamenttafel, die er vollgeschrieben hatte. Er liess sie auseinanderfallen, wie Leporello Don Juan's Register.
Sind Ihre Spitzbuben fort? fragte Hackert. Fürchten Sie sich jetzt, dass wir gehen werden?
Indem hörte aber auch Hackert in der Ferne das Knistern eines Fussgängers auf den steinernen Fussböden.
Schmelzing bedeutete ihn zu schweigen.
Kommen Sie! winkte Hackert. Wir wollen sehen, was Das ist.
Um's Himmelswillen nicht, ich bleibe hier, flüsterte Schmelzing.
Indem erlosch blitzartig auch das flammende rechte Kreuz, an dem Schmelzing die gespräche nachgeschrieben hatte, sodass jetzt nur noch das mittlere leuchtete. Man sprach unten lebhaft durcheinander und brauchte die Ausdrücke "Geheimbund" und "Bundesglieder" so oft, dass Hackert in Besorgniss geriet, Schmelzing würde wieder anfangen, an der richtigen Stelle zu lauschen, während er doch jetzt glaubte, auf seinem Pergamente die wichtigsten Geheimnisse dunkelschleichender Intriguen notirt zu haben.
Ich schreie laut auf, sagte Hackert, wenn Sie nicht kommen und mit mir dem Gespenst nachstellen!
Schmelzing legte ihm die Hand auf den Mund und flüsterte:
Gehen Sie! Ich bleibe hier.
Bester Freund, Sie haben die Umtriebe eines Offiziers, eines französischen Emissairs und wie es mir schien, einer dritten hohen person in der tasche; nun kommen Sie und machen Sie mir auch eine Unterhaltung. Ich spreche gern mit Geistern. Wir wollen das Gespenst anreden.
Nicht um hundert Taler, sagte Schmelzing.
Jetzt fiel von einem obern Fenster, das in diese Halle führte, sogar noch ein Lichtschimmer.
Schmelzing zuckte zusammen ...
Es steigt hinauf, zeigte Hackert, da! Ich wette, das ist einer von den ruhelosen alten Johannitern, die durch den grossen Wildungen'schen Process aus dem grab getrieben wurden und nicht anders erlöst werden können als durch einen ledigen Junggesellen von vierzig Jahren, der eine weisse Halsbinde tragen muss und eine gelbe Weste mit acht Knöpfen. Erlauben Sie, Schmelzing! Eins, zwei, drei ...
Damit zählte Hackert zu Schmelzing's Entsetzen dessen Westenknöpfe.
Schmelzing riss sich von ihm los.
Da! Da! rief Hackert. Eben sah ich das graue Männchen! Da oben an dem Fenster. Es steigt in's Archiv hinauf. Sehen Sie doch, Schmelzing! Es steht still und grüsst Sie! Schmelzing, der alte Ritter kennt Sie! Er hat eine Nachtmütze auf und schwenkt sie ganz ehrerbietig vor Ihnen! Danken