vergiessen, so edel, so grossherzig, wie nur je ein Timoleon Tyrannenmörder war, das geleckte, gekostete Blut macht ihn sogleich wild. Es fliesst sogleich mehr, als sollte. Ausrotten können wir nur das tote, d.h. es aus dem Wege schaffen; ausrotten können wir nur das falsche Wachstum, d.h. es im Keime ersticken. Ich bin dafür, den Menschen zu predigen: Glaubt doch nicht, dass die geschichte morgen aufhört! Die grössten Ideen haben Jahrhunderte gebraucht, um sich geltend zu machen. Warum soll denn in so kurzer Zeit Alles fertig werden, was wir jetzt für nötig denken? Wir wollen fest im Auge behalten das edlere Ziel und nichts tun, nichts Anderes befördern, als was zu jenem Ziele führt. Müssen wir einmal der noch zu starken Gewalt nachgeben, so tue man es ja! Das zweite Mal schon wird es nicht mehr nötig sein. Wenn ich unsern Feldzug für einen unermesslich langen halte, so geh' ich auch viel weiter als Die, die sich für liberal halten. Ich bin nicht bloss für die Einschränkung der fürstlichen Gewalt, ich bin sogar für die Republik, ich bin für die sociale Änderung unseres Gesellschaftslebens. Ich sage nicht, dass diese Änderung wirklich eintreten wird; ich sage nur, dass ich sie mir möglich denke und so lange unter der Republik nichts Wildes, Tierisches, Unsittliches gelehrt wird, sie für anstrebsam halte. So bin ich freisinniger als manche Überhitzte, die sich mit weniger Änderungen begnügen, wenn sie nur gleich Morgen eingeführt sind. Arbeitet! würde ich den Arbeitern sagen.
Bildet Euch und die Eurigen! Stärkt Euch in einer freien Gesinnung! Macht Euch klar über Euren Lebensberuf! Stiftet Vereine, aus denen Ihr Alles entfernt halten müsst, was einer Verschwörung gleich sieht! Wenn Euch Einer auffordern will, für morgen ein Gut mit Gewalt zu erringen, so sagt: Wir warten bis über acht Tage! Da kommt es von selbst und viel grösser und besser als morgen! Nur nicht geistig die hände in den Schooss legen. Denken, sich bilden, stark und gewissenhaft im Kampf der Meinungen, keine gelegenheit abweisend, die Gesinnung offen zur Schau zu tragen! So kommt das Gute von selbst. Das ist meine Lehre.
Bester Freund, polterte Leidenfrost sogleich auf. Diese Lehre ist zum Auslachen! Damit soll Einer in die Willing'sche Maschinenfabrik kommen? Solche himmlische Güte wäre selbst für Willing, den die Umstände zwingen, vorsichtig und behutsam zu sein, zu schmachtend. Mein lieber Wildungen, Ihr Gleichniss von den Gärten im März passt nicht. Denn so stumm und dumm, wie die Bäume im März dastehen und sich die Schneiderei des Gärtners gefallen lassen müssen, stehen die Ideen und Interessen des Augenblicks nicht da. Die schlagen Purzelbäume unter der Hand. Das ist ein grosses Stiergefecht, wie es jetzt hergeht. Die grossen Büffel wollen Farbe sehen, um Mut zu bekommen. Rot ist die Losung! Ohne Mut und unmittelbare Entschlossenheit kommt nichts mehr zu stand. Die Menschen müssen selbst geschichte machen, sonst geschieht nichts. Die Gesinnung allein reicht nicht aus. Sollen sich die Väter von ihren Enkeln verspotten lassen? Nichts rächt sich in der geschichte mehr als der versäumte Augenblick. Wer die Krisis unbenutzt vorübergehen lässt, holt sie niemals wieder ein. Und haben wir nicht der Fälle genug erlebt, dass die Machtaber der Welt vollkommen wissen, welche Halfter sie den störrischen Völkern überwerfen sollen? Aus dem politischen Hader wurde die Debatte in das Religiöse hinübergespielt und ganze Epochen sind darüber eingeschlafen. Die Jesuiten, die Armeen regierten die Welt. Sie haben die Hand immer am Griff des Dolches oder Schwertes. Warum sollen wir sie in den Schooss legen? Gesetzt auch, wir wollten uns mit frommem Glauben auf bessere zeiten und mit dem endlichen Siege der Gesinnung begnügen, es würde nichts helfen. Die Stunde hat ihre dringende Mahnung. Wir wollen träumen und die Posaune ruft uns vom Lager auf. Es brennt da, wo wir sitzen, über und unter uns. Es müssen Entschlüsse gefasst werden. Ich gesteh', ich hasse Alles, was unlogisch ist. Ich hasse auch verkehrte Teorieen und gäben sie sich noch so sehr das Ansehen der Volksbeglückung. Man will damit nur dem Mute und der Ehrlichkeit aus dem Wege gehen. Die Frage unserer Zeit ist sehr einfach. Wer sie schwierig macht, meint es nicht redlich. Schwierig nenn' ich die gewöhnliche ordinaire Communisterei. Solche Sätze hinstellen, die ihre Unmöglichkeit in sich selber tragen, heisst die Menschen nur verwirren. Man zeigt ihnen hundert Spatzen auf dem dach, während einer in der Hand viel vorteilhafter ist.
Die Communisterei ist von Stubenhockern ausgegangen, die unterleibskrank sind. Rühren und tummeln muss man sich und die Welt für kein Schlaraffenland halten. Gebratene Tauben in die Luft gemalt, sind geschmacklos. Wir leben in einem wilden Chaos, in das nie, nie volles Licht kommen wird. Arkadien ist vor der Schöpfung gewesen und mag nach der Schöpfung kommen. Hier auf Erden gibt es nur Reibung, Lärm, Zorn, leidenschaft, Drängen, Stossen. Das einzige, was wir erreichen, ist: Leidliches Glück! Das leidliche Glück muss man am Zipfel festalten, wenn's an uns vorübergeht. Es kommt nicht alle Tage. Was du der Stunde ausgeschlagen, bringt keine Ewigkeit dir mehr zurück, sagt der Dichter. Wollen Sie Ihre Million gut anwenden, Wildungen, so lassen Sie dafür Waffen