. Nach haus aber schreiben sie: Dank für das Übersandte! Die Heiden wandeln bereits im Licht und auf euren Strümpfen. Schickt nur mehr von der Sorte!
Hackert hatte die Genugtuung, dass seine Anekdote gefiel. Der Fremde aber verliess das Zimmer. Die Erzählung des Jägers schien ihn wohl zu interessiren, ihre heitere Wendung aber zu verletzen. Da sein Ranzen liegen blieb, so war nicht anzunehmen, dass er sich schon wieder auf den Weg gemacht hatte.
Und wer zahlt nun die Leute aus, die noch im Dienste der herrschaft stehen? fragte Dankmar.
Der Justizrat Schlurck, antwortete der Jäger. Der ist schon seit zehn Jahren der eigentliche Fürst von Hohenberg. Der administrirt mit dem Director von Zeisel Alles durch- und übereinander. Die Creditores halten sich an Schlurck. Noch gestern war er auf dem Schloss, muss aber rasch eine Ordre gekriegt haben, so schnell ist er auf und davon. Seine Frau aber, die ist noch da mit dem Commerzienrat von Reichmeier und Frau Commerzienrätin von Reichmeier und Herr Bartusch und mit Respect zu vermelden ...
Der Jäger sah sich nach den Kindern um.
Diese spielten mit dem Hunde, und da er auch Lenchen Drossel nicht sah, so flüsterte er:
Drossel's Schwester ist auch dort.
Wer?
Frau Pfannenstiel.
Auch eine Creditorin?
Durch ihren Mann. Frau Wirtschaftsrätin Pfannenstiel. Ihr Mann war früher Pachter bei dem Fürsten, brachte dabei sein Schäfchen ins Trockene, zog in die Residenz, bekam den Titel Wirtschaftsrat durch den Fürsten und wurde gerade sein schlimmster Blutsauger. Kurz, Sie finden da allerlei Volk, Christen und Türken und ...
Melanie Schlurck, des Justizrats Tochter, hat sich also einen ganzen Hof mitgebracht? schloss Dankmar.
Von Der wissen Sie schon? Ja! Das ist ein Engel oder ein Satan. Die macht Alle verdreht. Zu Fuss, zu Pferde, bald im Feld, bald im wald, und hol' mich Dieser und Jener, sagt' ich noch neulich zur Ursula; sollte man nicht glauben, sie tanzte immer? Noch hat Die kein Mensch mit ruhigem Fuss gesehen und Augen hat sie im Kopf, Zähne im Mund ..... Ja! Die hat's Allen angetan, und was man ihrem Vater für Fluch und Malefiz nur anwünschen mag, der Mamsell kann man nicht gram sein; sie macht Alles wieder gut. Auch ein feiner junger Herr aus der Stadt ist mitgekommen ... er heisst ... ich weiss es nicht ... kurz und gut, so lustig ist's seit zwanzig Jahren da nicht hergegangen. Jemine! Säh' es die alte Fürstin, sie drehte sich im grab um.
Der Jäger trank seinen Labetrunk Bier aus, wünschte den Herren gute Verrichtung, schüttelte Dankmarn sogar die Hand und ging. Dankmar erwiderte freundlich, fasste aber Hackert ins Auge, da er dessen Angesicht plötzlich wie mit Blut übergossen sah; seine Wangen glühten, seine Stirn schien heiss; von der Farbe des Haares und der Haut entdeckte man kaum einen Unterschied mehr. Dankmar's erster Gedanke war, da von dem Jäger Lasally angedeutet wurde, an sein Pferd. Er glaubte in der Verlegenheit, die er auf Hackert's Antlitz bemerkte, als der junge fremde Herr, der wohl nur Lasally sein konnte, erwähnt wurde, das Zugeständniss der Befürchtungen zu finden, die er seinem Bruder Siegbert geäussert hatte, als dieser für Hackert's Ehrlichkeit gutsagen wollte. Aufs allerheftigste wurde er wieder von dem Gedanken ergriffen, dass zuletzt dieser Hackert doch wohl nur ein Gauner sein möchte, der sich ihm noch zu irgend einem bösen Zweck angeschlossen hätte. Und dennoch fühlte er Mitleid mit ihm. Der Nachtwandler stand wieder vor ihm; der wüste schauerliche Eindruck, wie Hackert mit halb herabgefallenen Kleidern, mit Stroh und Heu im Haar, mit offenem Hemd, in der Hand die verlöschende Laterne vor ihm stand und Schlurck vor Entsetzen das Wort ausstiess, das ihn weckte! Die Erinnerung an diesen Anblick trat ihm so mächtig in diesem Augenblicke vor die Seele, dass er fast erschrak, Hackert möchte eben wieder in einen ähnlichen Zustand verfallen. Denn er bemerkte, dass Hackert wie in Gedanken verloren zur Tür hinausging, geduldig den schon zur weitern Reise gerüsteten Gaul bediente, geduldig die Peitsche ergriff und, als wüsste er es nicht, vorn auf dem Bocke sass. Alles Das hatte er mechanisch, ohne Überlegung getan. Seine Absicht, in der Nähe von Hohenberg Jedes zu vermeiden, was seine Eitelkeit in ein falsches Licht stellen konnte, hatte er in dieser träumerischen Abwesenheit ganz vergessen, und Dankmar stand und staunte, diesen Zustand still beobachtend.
Was ist dem Menschen? dachte er.
Der angebliche Tischler hatte sich inzwischen draussen mit dem Jäger noch einige Augenblicke unterhalten und dann seinen leichten Ranzen geholt. Er wollte den weitern Weg zu Fuss machen und verabschiedete sich von Dankmarn. Dieser hielt ihn aber zurück und sagte:
Wir haben jetzt nur noch drei Stunden bis Hohenberg zu fahren; es hat inzwischen geregnet, der Weg ist zu feucht für Ihre dünnen eleganten Stiefel. Bleiben Sie bei uns!
Der Fremde stieg nachgebend ein, Dankmar bezahlte für sich und Hackert die Rechnung, folgte dann in den Wagen und rief: Fort! Hackert schien nicht zu wissen, wo er war, sondern gab sich willenlos dem Tiere preis, das im raschen Trabe weiterfuhr.
Der Regen hatte in der Tat mit einem einzigen und gewaltig